Darkout - Test

Und der Preis für die schlechteste Benutzerführung geht an …

Darkout möchte nicht gespielt werden. Immerhin versuchte es schon vor dem ersten Start, mir Steine in den Weg zu legen. Aus irgendeinem Grund wollte das Spiel die Auflösung meines Laptops nicht unterstützen und lief nur mit dem Sound des Hauptmenüs im Hintergrund. Das Problem konnten sich die Entwickler selbst auf Nachfrage nicht erklären und somit musste ich verschiedene Auflösungen ausprobieren, bevor ich endlich ins Spiel kam. Anschließend dachte ich, damit sämtliche Schwierigkeiten hinter mir zu haben, doch die größten Hürden sollten erst noch folgen.

Die Steuerung aus der Hölle

Aber was ist Darkout überhaupt? Im Grunde genommen orientiert es sich sehr stark an Terraria und tauscht den bunten Comiclook gegen eine bedrohliche Dschungelwelt, die an Pandora aus James Camerons Avatar erinnert. Sci-Fi-Terraria trifft es wohl am ehesten. Beide Titel teilen sich neben ihrer Seitenansicht den starken Fokus auf Erkundung eurer zufällig generierten Welt. Fällt Bäume, grabt tiefe Löcher in den Boden und bastelt aus den gewonnenen Materialen neue Gegenstände oder eine Unterkunft.

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Auch der Stil ist nicht so mein Fall. Zu oft verschwimmt der Vordergrund mit der hinteren Ebene.

Man merkt sofort, dass die Entwickler einen äußerst starken Fokus auf die Entwicklung immer komplexerer Items legen. Jedes Objekt, das man von einem solchen Titel mittlerweile erwartet, könnt ihr bauen und darüber hinaus noch viele weitere Dinge. Lasergewehre, Stromgeneratoren oder sogar Anzüge, die im Dunkeln leuchten, stehen euch im späteren Verlauf zur Verfügung. Jedenfalls, wenn ihr es bis dahin schafft. Denn Darkout versucht schon in den ersten fünf Minuten, euch mit allen Mitteln die Lust auf längere Erkundungsausflüge zu vermiesen.

Alles beginnt mit einem grauenhaft langweiligen Tutorial, das zwar eine knappe halbe Stunde für sich beansprucht, euch aber die wichtigsten Dinge verschweigt. Zudem spielt ihr es nicht in einem eigens dafür entworfenen Level, sondern in eurer ersten Welt, die natürlich bei jedem Spieler anders aussieht. Dementsprechend nervt es, wenn mir das Spiel gerade die Funktionen des Menüs erklärt, mich allerdings permanent Feinde angreifen, deren Bekämpfung ich noch nicht gelernt habe. Was bei anderen Titeln kein großes Problem wäre, erweist sich durch das wenig intuitive Design als Todesstoß.

Hätte ich mich nicht wegen des Tests durch die grausige Anfangsphase quälen müssen, wäre Darkout schnell wieder von meiner Festplatte verschwunden.

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Ich kriege schon beim Anblick leichte Kopfschmerzen.

Obwohl sich neben einer Pistole die passende Munition in meinem aktiven Menü befindet, hält meine Figur die Schusswaffe nur gelangweilt in die Luft, während die Feinde sich an der leichten Beute bedienen. Wie soll ich denn darauf kommen, dass die Munition erst verschossen wird, nachdem ich sie im Menü direkt unter die Waffe lege? Gesagt hat es mir niemand. Keine Minute später versuche ich, eine Fackel vom Boden aufzuheben. Direktes Draufklicken funktioniert nicht. Nein, nur wenn ich gleichzeitig noch Alt gedrückt halte, hebt meine Figur Objekte auf. Ihr wollt nur einen Stein mit eurer Hacke zerschlagen, aber das Spiel visiert immer drei Blöcke auf einmal an? Tja, hättet ihr besser daran gedacht, mit einer weiteren Taste die Anzahl eurer Auswahlfelder zu konfigurieren. Ich könnte noch weitere Seiten mit Aufzählungen unerklärlicher Steuerungseinfälle füllen. Anscheinend war das kleine Team so sehr auf das wirklich gelungene Crafting-System konzentriert, dass sie die Spielbarkeit völlig aus den Augen verloren. Ein Punkt, den gerade Terraria wunderbar meistert.

Logik direkt aus alten Adventure-Tagen

Nehmen wir einmal an, ihr habt damit kein Problem. Ihr arbeitet euch ein paar Stunden ein und unterdrückt gekonnt jegliche Frustgefühle. Selbst dann habt ihr keine Ahnung, wie wichtig Licht in Darkout ist. Ihr benötigt es nicht bloß zur reinen Erkundung, weil ihr selbst auf der höchsten Gamma-Einstellung 80 Prozent des Bildschirms nicht erkennt. Auch in der Bekämpfung eurer Feinde spielt es eine zentrale Rolle. Ein normales Schwert gehört zu den schwächsten Waffen, wenn ihr die mutierten Alienkäfer nicht zuerst mit einem Knicklicht schwächt.

An keiner Stelle erwähnt der Titel diese zentrale Schwäche aller Monster. Nachdem ich die stark limitierte Munition meiner Pistole recht schnell verbrauchte, suchte ich verzweifelt nach einer weiteren Waffe. Mit Äxten, Schaufeln und Spitzhacken attackiert eure Figur nämlich nicht. Nur per Zufall und hervorgerufen durch reine Verzweiflung, probierte ich meinen Glühstab im Kampf aus, der sofort kurzen Prozess mit den Viechern machte. Schon wieder stellt sich einem die gleiche Frage: Wie zum Teufel hätte ich das erraten sollen? Hätte ich mich nicht wegen des Tests durch die grausige Anfangsphase quälen müssen, wäre Darkout schnell wieder von meiner Festplatte verschwunden.

Darkout versucht schon in den ersten fünf Minuten, euch mit allen Mitteln die Lust auf längere Erkundungsausflüge zu vermiesen.

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Wer hier freiwillig hinabsteigt, darf sich über einen schnellen Tod nicht wundern.

Glücklicherweise erfolgt nach ein paar Stunden der Durchbruch. Zuerst einmal startete ich ein neues Spiel im Builder-Modus, bei dem euch keine Feinde attackieren. So lernte ich in Ruhe die Grundmechaniken, stöberte nebenher im offiziellen Forum und ging nach meinem Training zurück ins Hauptspiel. Und siehe da: Auf einmal macht Darkout Spaß. Zwar hasse ich die Steuerung noch immer, doch ich komme mittlerweile wesentlich besser damit zurecht. So konnte ich mich erstmals auf das restliche Spielerlebnis konzentrieren, die riesige Welt erkunden und mir langsam eine größere Basis bauen. Zentraler Motivationsfaktor ist dabei das Sammeln neuer Blaupausen, die ihr findet oder später freischaltet. Was genau bringt mir der verbesserte Generator in meinem Haus? Keine Ahnung, aber ich will ihn trotzdem basteln.

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Es ist einfach traurig, wie schnell ein paar Fehlentscheidungen ein gutes Spiel zerstören. Denn würde sich Darkout in der Anfangsphase mehr Zeit nehmen, um dem Spieler durch ein interessantes Tutorial die wirklich wichtigen Mechaniken zu erläutern, müsste ich mich nicht mehrere Stunden aufregen, seltsame Designentscheidungen hinterfragen und meine gesamte Zeit im Forum verbringen. Dazu verdient die Steuerung sowie das gesamte UI im aktuellen Zustand einen besonderen Preis, der den unerträglichen Schmerz beim Spielen auszeichnet. So etwas sieht man sonst nur bei über die Maßen verkomplizierten Simulationen.

Deswegen kann ich Darkout nur einer winzigen Gruppierung von Personen empfehlen, die nach Terraria unbedingt neues Futter brauchen und kein Problem damit haben, sich stundenlang in undurchsichtige Systeme einzuarbeiten. Alle anderen sollten großen Abstand davon halten und lieber warten, bis die Entwickler sämtliche Mechaniken von Grund auf überarbeiten, damit nicht nur sie es sofort verstehen.

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Unsere Wertungsphilosophie Darkout - Test Björn Balg Und der Preis für die schlechteste Benutzerführung geht an … 2013-12-09T12:00:00+01:00 4 10

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