Jazzpunk - Test

Wie man Humor in Spielen richtig macht.

In der zweiten Hälfte von Jazzpunk fand ich auf dem Parkplatz eines Hotels ein unscheinbares Auto. Über der Motorhaube schwebte ein großer Pfeil. Neugierig stellte ich mich davor und klickte die linke Maustaste. Plötzlich erschien ein an Street Fighter 2 angelehnter Bildschirm. “Some Honda vs. Polyblanka“ stand als Schriftzug unter zwei Charakterbildchen. Es folgte eine der surrealsten Erfahrungen meines Lebens. In der Ego-Ansicht kämpfte ich wie in dem bekannten Minispiel gegen einen Wagen und musste sämtliche Teile der Karosserie unter Zeitdruck mit meinen Armen und Füßen zerstören. Sogar Ryus Tatsumaki erlebte ich dabei aus seiner Perspektive.

Airplane!: The Video Game

Zu diesem Zeitpunkt befand ich mich schon seit drei Stunden in der verrückten Welt von Jazzpunk. Eigentlich hätte ich mit solch einer abgedrehten Situation rechnen müssen. Schließlich verwandelten sich erst einen Level zuvor mehrere Menschen in grässliche Insekten, nachdem ich sie mit einer Fliegenklatsche schlug. Doch egal, wie sehr man sich auf die Reaktionen der Umwelt vorbereitet - Jazzpunk überrascht jedes Mal aufs Neue.

Wie ihr an den beiden Beispielen feststellt, folgen die Witze trotzdem einer gewissen Logik. Deswegen funktionieren sie so gut. Die Entwickler spielen zwar mit euren Erwartungen, lassen es aber nie wie vollkommener Zufall wirken, der mit der eigentlichen Situation nichts zu tun hat. Darüber hinaus kommen die Witze in einer derart schnellen Abfolge, dass ihr oft keine Zeit habt, euch auf das nächste Spektakel vorzubereiten. Man denkt, der Gag sei schon abgeschlossen, da folgt bereits eine weitere Überraschung.

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Wählscheiben, die man selbst betätigen muss. Besser geht es nicht.

Im ersten Level stolziert ihr beispielsweise durch einen Park, in dem ihr ein paar Tauben flattern seht. Auf einmal landet ein weißer Spritzer auf eurem Bildschirm. Bevor ihr deshalb lachen oder mit den Augen rollen könnt, tauchen Scheibenwischer auf, um den Dreck zu entfernen. Wer den Humor von Die nackte Kanone oder Top Secret! zu schätzen weiß, darf beim Spielen von Jazzpunk mit Tränen in den Augen rechnen.

Wer suchet, der findet

Doch euer Spielverhalten ist für den Spaß entscheidend. In dem als Spionage-Adventure aufgebauten Spiel löst ihr in jeder der fünf Hauptmissionen kleinere Aufträge. Lauft ihr mit aufgesetzten Scheuklappen durch das Abenteuer und folgt strikt den Anweisungen, seht ihr nach maximal zwei Stunden den Abspann. Vielleicht sogar noch früher. Stattdessen liegen kleine Referenzen, clevere Anspielungen und sogar längere Nebenmissionen überall vor euren Augen. Ihr müsst nur danach greifen. Im Durchschnitt seid ihr keine fünf Meter zum nächsten Lacher unterwegs. Voraussetzung: Ihr interagiert mit allen Objekten, die ihr seht, egal, wie normal oder langweilig sie aussehen. Eine Schildkröte am Strand? Klickt sie an und eure Figur wirft eine Pizza, ein rotes Stirnband und zwei Sai-Gabeln auf das Tier.

Dennoch warten auf fleißige Entdecker auch weniger offensichtliche Scherze. In zwei Bereichen könnt ihr mit einem Telefon interagieren. Zunächst scheint es keine genauere Bedeutung zu haben, da euch das Spiel bis auf eine Tipps-Hotline keine Nummern verrät. Wählt ihr aber mit dem Ziffernblock bestimmte Wörter, erwartet euch ein aus Demolition Man inspirierter Strafzettel. Obwohl ich mittlerweile jeden Level mehrmals abgesucht habe, existieren bestimmt noch einige Anspielungen, die mir entgangen sind.

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Die eigentlichen Aufgaben sind recht simpel. Doch die Level haben noch so viel mehr zu bieten.

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Bei den Referenzen muss ich zudem anmerken, dass Jazzpunk eine der gefährlichsten Klippen umschifft, in die viele Spiele seiner Art hineinrasen. Sämtliche Anspielungen besitzen ihre Relevanz. Euch erwartet kein Witz zu einem relativ neuen Film oder Spiel. Es werden nur Titel in Erwähnung gezogen, die den Test der Zeit bestanden haben. Daher funktionieren sie heute genauso gut wie in fünf Jahren. Ich wünschte, mehr Entwickler würden sich darüber Gedanken machen.

Am liebsten würde ich noch andere Situationen beschreiben. Allerdings denke ich, bis hierhin genug verraten zu haben. Wie viel Freude ihr bei Jazzpunk erlebt, hängt ganz von eurem persönlichen Humor ab. Kriegt ihr bei Police Squad! oder den Hot-Shots-Filmen Lachanfälle? Habt ihr bei den oben genannten Beispielen Lust auf das Spiel bekommen? Wolltet ihr schon immer mal einen Hochzeits-Shooter namens Wedding Quake spielen? Könnt ihr all diese Fragen mit einem lauten 'JA!' beantworten, solltet ihr nicht länger mit dem Kauf warten. Jazzpunk ist nicht nur ein verdammt cleveres und verrücktes Erlebnis. Es ist eines der witzigsten Spiele aller Zeiten!

9 / 10

Unsere Wertungsphilosophie Jazzpunk - Test Björn Balg Wie man Humor in Spielen richtig macht. 2014-02-10T12:00:00+01:00 9 10

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