Rambo: The Video Game - Test

Es ist sicher nicht gut. Aber es ist ganz schön Rambo.

Rambo: The Video Game funktioniert als Komödie auf vielen Ebenen. Aber ich denke, mein persönlicher Favorit ist die goldige Zeit vor der Veröffentlichung. Über Jahre gab es im Business-Bereich der Gamescom einen riesigen Rambo-Stand. Einmal sogar in direkter Nachbarschaft zum Stand des Verbandes Iranischer Spielehersteller, was auf seine eigene Weise besonders unterhaltsam aussah ¬- vor allem, weil die Iraner sich köstlich darüber amüsierten. Nur selten wurde jemand hineingelassen. Nie schien es Termine zu geben, immer schien alles ausgebucht, nur fand man kaum jemanden, der wirklich mal drin war. Was hatten sie so Geheimes zu verstecken, was für ein Titan von einem Spiel war dort in Arbeit?

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Wenn das Steuerkreuz mitspielt, könnt ihr versuchen, die Cops nur zu verwunden. Dem Spiel ist es am Ende egal, es gibt nur ein paar Punkte weniger.

Nun, die Auflösung dieser Frage endet jetzt wie erwartet. Es ist kein gutes Spiel. Nicht mal ein Mittelmäßiges. Rambo: The Video Game ist nach allen normalen, objektiven Maßstäben schlecht. Es ist platt, dumm, spielerisch ein Rückfall in die späten 90er und dort in die vom Gameplay her eh nicht mit Komplexität gesegneten Arcade-Hallen. Betrachtet man die Grafik, fragt man sich, wie es zum eigentlich geplanten Veröffentlichungszeitpunkt irgendwann 2012 wohl mal aussah, wenn es jetzt noch so hingeschludert wirkt. Rambo ist die Niete, die alle erwartet haben, das Wunder blieb ganz sicher aus.

Und trotzdem mag ich dieses Spiel auf eine ganz seltsame Art. Ich würde weiß Gott niemanden empfehlen, es blind zu kaufen, schon gar nicht für die aktuell geforderten 30 Euro. Aber sein infantiler, rückständiger, reaktionärer, oft schlicht dummer Charme hat irgendetwas, das mich auf eine kaum weniger infantile Art erfreut. So, als würde man eben einen schrottigen Action-Streifen der 80er gucken. Die sind auch dumm, laut, billig und meist irgendwie unerfreulich, aber ein doch ein schuldiges Vergnügen, das man sich von Zeit zu Zeit gönnt.

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Man erkennt ihn. So viel Gutes bin ich bereit zu sagen.

Es hilft dabei, dass Rambo darauf verzichtet, ein echter Shooter zu sein. In einem solchen läuft man herum. Hier gibt es nur kurze - manchmal weniger als die Sekunde, die das Nachladen dauert - Fahrten, bevor ihr statisch vor der nächsten Horde von sadistischen Polizisten, Nordvietnamesen, und vor allem vielen, vielen Russen steht und einfach draufhaltet, was das M60 hergibt. Zum Nachladen geht es kurz und per simplem Tastendruck in Deckung, dann wird weitergeholzt. Dazu gibt Goldsmiths legendäres Thema sein Bestes, euch bei heroischer Laune zu halten.

Wie gesagt, dieses Konzept lässt Call of Duty im relativen Vergleich komplex wie Quantenphysik wirken. Ich bin noch etwas unentschlossen, ob ich es lieber mit den Full-Motion-Video-Automaten wie Mad Doc McCree vergleiche, oder doch mit ihren späteren Vertretern wie Time Crisis - ohne Letzteren zu nahe zu treten, für einen Rail-Shooter war das Ding ganz ordentlich. So oder so, trotz aller grausigen Charaktermodelle und eher mittelmäßigen Hintergründe, für eine halbe Stunde funktioniert das stumpfe Geballer recht unterhaltsam. Ihr solltet aber nicht der Versuchung erliegen, euch hier beweisen zu wollen. Spielt einfach auf „leicht" und habt Spaß. Die Treffererkennung ist teilweise mit der Maus schon willkürlich genug, mit dem Pseudo-Automatik-Zielen - zumindest denke ich, dass es eines ist und kein Steuerungs-Bug - des Pads endet jeder Spaß in der Sekunde, in der ihr den Stick bewegt.

"Was Sie vorhin Hölle nannten, nennt er sein Zuhause."

Colonel Trautman

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Der Bogen darf natürlich nicht fehlen. Selbst wenn es nur die eine Stealth-ohne-Stealth-Sequenz ist.

Hätte sich das polnische Studio Teyon - sie haben viel veröffentlicht, nichts davon wirklich gut - auf dieses Geballer beschränkt, es poliert und verfeinert, dann hätte Rambo vielleicht sogar zu einer kleinen Arcade-Perle avancieren können. Stattdessen versuchten sie, „Komplexität" oder zumindest Abwechslung hineinzubringen. Letztere gibt es Form selten dröger und dämlicher Quick-Time-Events der plattesten Art, Erstere missglückt als ein belangloses Upgrade-System, welches sich in der Regel mit aufregenden Krachern wie 5 % mehr Schaden oder 5 % mehr Lebensenergie abmüht. Das einzig Gute, was sich hier sogar schon früh im Spiel freischalten lässt, ist ein Extra, mit dem alle Quick-Time-Events automatisch gelingen. Das eliminiert zwar ungefähr 25 Prozent des Spielablaufs, aber es geht nichts Wichtiges verloren. Auf diese Weise sind die drei bis vier Stunden, die ein Durchgang durch alle kurzen Level dauert, auch im Rahmen der bescheidenen Möglichkeiten unterhaltsamer.

Die Level folgen dabei recht akkurat der Handlung der drei Filme und wenn das Spiel neben der hirnlosen Freude des Fadenkreuzballerns etwas zu bieten hat, dann, dass man daran erinnert wird, mal wieder die drei Filme zu gucken, um noch mehr ungefilterte, reaktionäre 80s-Gewalt-Phantasien zu erleben. Die Besonderheit der First-Blood-Stages ist wohl, dass ihr die Polizisten ausschalten könnt, ohne sie zu töten, vorausgesetzt ihr stellt euch geschickt genug an. Mit solchen Feinheiten halten sich die anderen zwei Drittel in Vietnam und Afghanistan nicht mehr auf, schließlich sind es dort Kommunisten, auf die geballert wird und nicht faschistoide Reckneck-Cops.

"Gott hat Rambo nicht erschaffen. ICH habe ihn geschaffen!"

Colonel Trautman

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Seit ich das gesegnete 'Ignoriere-alle-QTEs'-Item freischaltete, hatte ich mehr Spaß an dem Spiel.

Ein schrulliges Vergnügen der eigenen Art ist der nur halb zu Ende gedachte Zweispieler-Koop-Modus. Es ist großartig, dass es ihn gibt und er ist sicher die Beste Art, das Spiel zu genießen - im relativen Sinne und idealerweise durch Bier verstärkt -, aber dass beide Spieler gleichzeitig Rambo steuern, hat ein paar Nebenwirkungen. Es ist so, als würde jeder einen Arm von Rambo steuern und beide entscheiden unabhängig voneinander, wann es Zeit ist, in Deckung zu gehen. Es ist ein wenig konfus, aber das Elend liebt Gesellschaft und in diesem Falle lässt sich sogar eine Menge Trash-Spaß für einen Abend herausholen.

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Es gibt keine harmlosen Zivilisten!

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Es ist Schrott. Es ist plump, die Steuerung versagt häufig genug bei dem Wenigen, das sie leisten muss. Dazu ist es kurz und ein insgesamt eher belangloses Ende minderer Qualität zu einem der beliebteren Running Gags der vergangenen Gamescoms. Niemand, der halbwegs qualitativ hochwertige Unterhaltung sucht, sollte auch nur vage in Versuchung sein, das hier zu kaufen, auch weil man die Film-Trilogie auf DVD für den Preis gleich zwei Mal kaufen könnte. Aber, als Arcade-Trash-Fest, durch das man sich mit einem Kumpel einen bierseligen Abend lang hindurchfeiert, kann es euch weit schlechter treffen als diese Schießbude. Irgendwo zwischen der verlorenen Spielhallenunschuld eines Operation Wolf und den erfrischend sinnbefreiten Anfangstagen des CD-ROM-Zeitalters ging dieses Spiel als eine weitere Spaß-Niete verloren, tauchte nun auf mystischen Wegen aus der Zeit gefallen wieder auf und erfreut jeden, der Spaß an wohlkoordinierter Schlechtigkeit hat. In gewisser Weise ist es genau das Spiel, das vor allem der zweite und dritte Film verdient und das sie eigentlich ideal repräsentiert. Das macht es alles nicht besser. Aber es ist schon ganz schön "Rambo". Vielleicht ist das sogar ein Erfolg. Auf seine ganz eigene Art.

(Die Xbox 360 und PS3 Versionen werden abgewertet, da die Maussteuerung weit besser funktioniert als die schwammige Stick-Steuerung des Pads. Auf PlayStation wird Move unterstützt,fühlt sich aber ebenfalls deutlich weniger präzise an als die Maus.)

PC

4 / 10






Xbox 360, PS3:

3 / 10

Unsere Wertungsphilosophie Rambo: The Video Game - Test Martin Woger Es ist sicher nicht gut. Aber es ist ganz schön Rambo. 2014-02-23T17:28:00+01:00 4 10

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