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Danganronpa: Trigger Happy Havoc - Test

Gefangen in einer Schule voller potenzieller Mörder. Hört sich doch nach Spaß an.

Euch verlaufen die Fälle von Phoenix Wright ein wenig zu langsam? Ihr hättet gerne etwas mehr Zeitdruck und Interaktivität bei den Verhandlungen? Den Spielablauf am besten noch mit den sozialen Aspekten von Persona vermischt? Und mittendrin wünscht ihr euch eine Prise Battle Royale? Sollte so euer Traumspiel aussehen, habe ich genau den richtigen Titel.

Schreckliches Schulleben

Danganronpa: Trigger Happy Havoc kombiniert all diese Eigenschaften und verbindet sie zu einem brutalen Krimi, bei dem sich Schüler gegenseitig umbringen und anschließend anklagen müssen. Warum? Weil sie ansonsten auf Lebenszeit in einem Schulgebäude eingesperrt bleiben, aus dem es ohne Mord kein Entkommen gibt.

Zu den 15 unglücklichen Kandidaten gehört auch der junge Makoto. Eines Tages erhält der ansonsten ganz normale Teenager eine Einladung zur Hope's Peak Academy. Eine von der Regierung finanzierte Einrichtung, zu der jedes Jahr nur die besten Schüler auf ihrem jeweiligen Gebiet gehen dürfen. Zum Beispiel die ultimative Programmiererin, die ultimative Schriftstellerin oder der ultimative Baseball-Spieler. Aber auch ungewöhnliche Kandidaten wie der ultimative Wahrsager oder das ultimative Pop-Idol finden ihren Weg in die Akademie.

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Der Humor ist typisch japanisch.

Leider verbirgt die Anstalt ein grausames Geheimnis. Nach Makotos Ankunft, den man wegen seiner Auslosung als ultimativen Glückspilz bezeichnet, verliert er plötzlich das Bewusstsein und wacht in einer Art alternativen Variante des Gebäudes auf. In jedem Raum beobachten Kameras seine Schritte und alle Fenster sind mit dicken Metallplatten verriegelt. Als er schließlich auf seine 14 Mitschüler trifft, erklärt ihnen ein soziopathischer Roboterbär die Spielregeln: Alle Schüler müssen für immer in dem Gebäude leben oder sie töten jemanden. Um es ein wenig schwieriger zu gestalten, versammeln sich die Überlebenden kurz nach dem Mord in einem Gerichtsaal und müssen den richtigen Täter anklagen. Ansonsten gewinnt dieser seine Freiheit und der Rest eine Fahrt ins Jenseits.

Alles Routine

Das Spiel selbst unterteilt sich für jeden Mord in die gleichen Phasen. Zuerst stolziert ihr mehrere Tage frei in der Ego-Ansicht durch das Gebäude. Ihr untersucht die Räume, findet wie bei Professor Layton durch das Antippen bestimmter Objekte Münzen und kauft euch davon Geschenke. Diese verteilt ihr bei Gesprächen an andere Schüler, um eure Beziehungen zu verbessern. Neben unterhaltsamen oder oft auch traurigen Informationen erhaltet ihr neue Fähigkeiten, die später im Gerichtssaal euer (Über-)Leben vereinfachen.

Obwohl nur wenig Zeit bis zum nächsten Mord vergeht und die Gespräche wegen der großartigen sowie teils verrückten Persönlichkeiten nie langweilen, ist es eindeutig die schwächste Komponente von Danganronpa. Über den Verlauf der Handlung schaltet ihr zwar neue Teile der Akademie frei, doch verwandelt sich das Laufen nach dem ersten Besuch in routinierte Arbeit. Um die Wege zu verkürzen, gibt euch das Spiel die Möglichkeit zur Teleportation. Aber auch hier funktioniert nicht alles perfekt. Eigentlich sollt ihr in jedes Zimmer springen können, nachdem ihr es einmal besucht habt. Bei meinem Durchgang klappte es trotzdem nur bei der Hälfte der Räume. Meist zwang mich das Spiel dazu, an den Beginn eines Ganges zu springen, um von dort aus in den Raum zu laufen. Keine allzu große Angelegenheit, aber man hätte es wesentlich stärker reduzieren können. Vor allem, da ihr nach dem Mord die Lauferei wiederholen müsst, um Beweismittel zu finden.

Neben unterhaltsamen oder oft auch traurigen Informationen erhaltet ihr bei Gesprächen neue Fähigkeiten, die später im Gerichtssaal euer (Über-)Leben vereinfachen.

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Obwohl ihr in einer Schule gefangen seid, besteht euer Alltag nicht aus Unterrichtsstunden.

Hier kommt euch das Spiel jedoch entgegen. Jedes Gespräch liefert euch wertvolle Informationen und Ausrufezeichen auf der Karte weisen auf wichtige Orte hin, die ihr untersuchen solltet. Benötigt ihr in einem der Fälle von Phoenix Wright teilweise ein bis zwei Stunden, um in die Gerichtsphase überzugehen, beginnt ihr in Danganronpa oft nach einer halben Stunde die Verhandlung. Auch hier verläuft es wesentlich schneller.

Sämtliche überlebenden Schüler stehen sich im Kreis gegenüber und diskutieren über den Mord. Dabei erscheinen in jeder Runde mehrere markierte Phrasen. Eure Aufgabe besteht darin, die falschen Aussagen zu finden und sie mit dem richtigen Beweismittel zu kombinieren. Anstatt in Ruhe den Text zu durchkämmen, fliegen die Dialoge über euren Bildschirm und ihr müsst sie richtig anvisieren. Denn ihr präsentiert eure Beweise nicht still und leise. Ihr schießt sie in Form von Kugeln auf unpassende Aussagen, wobei ihr vorher stets die richtige laden müsst. Trefft ihr die falsche Kombination, kassiert ihr deftigen Schaden, wodurch eure Gruppe schließlich den falschen Verdächtigen anklagt.

Whodunit?

Zwischendurch stellen vereinzelte Personen gezielte Fragen und ihr müsst die passende Antwort wählen oder den gesuchten Gegenstand zeigen. Abschließend warten sogar noch ein nettes Rhythmusminispiel und Comic-Puzzles auf euch. Letztere erwarten von euch die Nachstellung der Mordereignisse. Somit sind die Verhandlung nicht nur erzählerisch die spannendsten Stellen, sondern glänzen ebenfalls durch abwechslungsreiche Spieleinlagen, deren Schwierigkeitsgrad ihr sogar euren Wünschen anpassen dürft.

Ihr taucht immer tiefer in die Hintergründe eurer Gefangenschaft ein, wobei ihr euren perversen Peiniger Monokuma als Charakter gleichzeitig fürchten und lieben lernt.

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Schießt auf die richtigen Buchstaben, um das gesuchte Wort zu bilden.

Die einzelnen Kapitel steigern sich, wie es üblich ist für das Genre, von Mal zu Mal in ihrer Komplexität. Erratet ihr den Mörder im ersten Kapitel relativ früh, überwältigt euch der Titel später mit seinen Wendungen. Übergreifend taucht ihr zudem tiefer in die Hintergründe eurer Gefangenschaft ein, wobei ihr euren perversen Peiniger Monokuma als Charakter gleichzeitig fürchten und lieben lernt.

Bei der Übersetzung hat das Team von NIS America gute Arbeit geleistet und als Bonus die japanische Sprachausgabe mit auf das Modul gepackt. Auch die englische Vertonung kann sich hören lassen, da die Sprecher ihre Charaktere gut verkörpern und ihnen den nötigen Ausdruck neben den Texten verleihen. Außerhalb vom Gerichtssaal hört ihr allerdings nur kurze Ausdrücke und müsst den Rest selbst lesen. Eine deutsche Übersetzung existiert leider nicht.

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Danganronpa: Trigger Happy Havoc ist ein weiterer Beweis dafür, dass Visual-Novel-Spiele nicht bloß aus stillen Bildern und Texten bestehen müssen. Entwickler Spike Chunsoft, auch verantwortlich für die großartige Zero-Escape-Reihe, verleiht dem Genre ein intensives Spielsystem, das euch stärker an den Bildschirm fesselt als so manche Krimiserie. Ein zügiger Ablauf der Fälle sollte zudem alle Leute erfreuen, denen die Phoenix-Wright-Serie zu langatmig erscheint und die in ihren Mordfällen eine düstere Atmosphäre verlangen.

Obwohl einige Figuren in ihrer Zeichnung sicherlich zu kurz geraten und oft gewissen Stereotypen verfallen, besteht der Großteil des Ensembles aus interessanten und teils tiefgründigen Charakteren, deren wahre Motivation euch mitunter vom Hocker reißen kann. Nur die Zeit zwischen den einzelnen Mordfällen hätte eine bessere Behandlung verdient. Selbst zum Ende hin fühlte sich das Laufen in der Ego-Perspektive unverschämt träge und nervig an. Ständig die gleichen Räume besuchen zu müssen, das ging in der zweiten Hälfte eher in eine Last über. Zwar könnt ihr diesen gesamten Teil komplett überspringen, dann entgehen euch jedoch wichtige Fähigkeiten für die Verhandlungen. Es gelingt den Dialoggefechten so wunderbar, den gesamten Verlauf auf das Wesentliche herunterzubrechen, dass die Erkundungsphase wie ein unnötiger Dorn im Auge steckt. Sollte euch aber alleine die Beschreibung der Handlungprämisse anfixen, dürft ihr euch diese kleine Perle nicht entgehen lassen.

8 / 10

Danganronpa: Trigger Happy Havoc - Test Björn Balg Gefangen in einer Schule voller potenzieller Mörder. Hört sich doch nach Spaß an. 2014-02-27T16:00:00+01:00 8 10
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