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Dead Nation: Apocalypse Edition - Test

Housemarques Untotenwiederbelebung gelingt auch nach über drei Jahren noch ausgezeichnet.

Zyniker und Konsolenkrieger von der anderen Seite der Front könnten jetzt hämisch mit dem Finger auf Dead Nation: Apocalypse Edition zeigen. Während auf der Xbox One Titanfall hinter der nächsten Wochenendecke mit den blechernen Füßen scharrt, halten sich PS4ler mit Umsetzungen älterer, kleinerer Games die Finger warm. Dreieinhalb Jahre hat der ehemalige PS3-Exklusivtitel Dead Nation jetzt auf dem Buckel. Das ist nun wirklich nicht die Sorte Spiel, für die man sich eine neue Konsole ins Haus holt.

Aber: Sony weiß das und schenkt das Spiel deshalb jedem PS-Plus-Mitglied, nach Outlast im letzten Monat die nächste, branchenweit konkurrenzlose Großzügigkeit. Und wäre die aktuelle Dürre an neuen Titeln nicht ganz so unerbittlich trocken, niemand würde sich über eine kleine, aber feine Perle wie Dead Nation beklagen. Es ist das perfekte Spiel für einen bestimmten Zweck: nach einem langen, ärgerlichen Tag das innere, aus dem Mund schäumende Arschloch auf Horden von Untoten loszulassen.

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Abwechslung Fehlanzeige: Ab und an muss ein Aufzug gerufen oder eine Zugbrücke heruntergelassen werden. Knopf drücken und Ansturm überleben heißt es dann.

Folglich hat sich seit dreieinhalb Jahren am Kern des Spiels nichts geändert, wenngleich Housemarque sich reichlich Mühe gab, nicht einfach nur die Spielgrafiken hochzurechnen. Noch immer schießt ihr euch allein oder zu zweit - wahlweise online oder zusammen auf derselben Couch - aus der Vogelperspektive durch eine düstere Zombie-Apokalypse. Wie von Housemarque nicht anders zu erwarten geschieht das nach dem Robotron-Prinzip, bei dem die beiden Sticks Schuss- und Bewegungsrichtung unabhängig voneinander kontrollieren. Ebenfalls wie nicht anders von den Finnen gewohnt, glänzt der Titel dabei vor allem in Sachen Spielgefühl.

Das Waffenfeedback ist dank des stufenlosen Zielens, der knackigen Splatter-Effekte der Zombies und des unappetitlichen Sounddesigns von allererster Güte. Alle Waffen unterscheiden sich maßgeblich und haben ihren Platz auf dem Schlachtfeld. Die Standardflinte erledigt dank Aufladeschuss mehrere in Reihe laufende Zombies auf einmal, Mobkontrolle erledigt man mit der biestigen Maschinenpistole, während man unheimlichen Begegnungen der nahen Art klassisch mit Schrot "Adieu" sagt. Nahkampfangriff, piepende und Untote ködernde Granaten und ein kurzer Sprint im Fall einer Umzingelung komplettieren ein Basisrepertoire, das keine Wünsche offen lässt und dessen Benutzung direkt ins Blut übergeht.

Später kommen mit Flammen- beziehungsweise Sägeblattwerfer, Elektrokanone und Tretminen noch weit originellere Werkzeuge hinzu, die in Handhabung und taktischem Wert durchaus Attraktivität ausstrahlen. Der Haken an der Sache ist, dass man sich das alles erst kaufen muss. Man sammelt durch Abschüsse und findiges Levelabgrasen nicht nur Punkte für die Online-Bestenlisten, sondern auch Geld, das in neue Waffen und ein eingängiges, sinniges Upgrade-System fließt. In jedem Fall sollte man die dank unendlicher Munition unerlässliche Basiswaffe komplett aufrüsten. Um den Rest aber in jeder Kategorie auf Maximalleistung zu bringen, lässt die wandelnde Plage aber in keinem Fall genug Mammon liegen. Das Spiel verlangt regelrecht danach, dass ihr euer Arsenal spezialisiert, was besonders dem Couch-Koop doch sehr entgegenkommt. Eine 50 Zombies umfassende Lawine fletschender Zähne vom Kollegen in Brand stecken zu lassen und sie dann mit einem voll aufgerüsteten SMG niederzumähen, während man sich mit Minen den Rücken freihält, ist primitive, aber taktisch ansprechende Triebbefriedigung.

"Schnell wird die Verständigung mit dem Partner zum höchsten Gut, denn die Rüstung hält einer innigen Zombie-Umarmung nicht lange stand."

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Grafisch gibt es ansprechenderes Licht und Schatten. Die höhere Auflösung hilft, Spielsituationen besser zu lesen.

Schnell wird die Verständigung mit dem Partner zum höchsten Gut, denn die drei unterschiedlichen Rüstungsgattungen, deren Einzelkomponenten man auch mischen darf, halten einer innigen Zombie-Umarmung nicht lange stand. Wer sich gegenseitig Feuerschutz gibt und die Laserpointer kreuzt, um die anstürmenden Massen im trichterförmigen Kugelhagel in ihre stinkenden und physikalisch korrekt herumpurzelnden Einzelteile zu zerlegen, kommt deutlich weiter. Schnell wird klar, dass man wie schon in Super Stardust HD oder Resogun durchgängig gut und mit Übersicht spielen muss, um die in angenehmen Abständen platzierten Checkpunkte zu erreichen, an denen die vollständige Wiederherstellung der Lebensenergie winkt.

Wollte man dem Titel etwas vorhalten, dann, dass er seine Ziele vielleicht ein wenig niedrig gesteckt hat. Es ist stumpf und bisweilen etwas zermürbend, eben ein Spiel, das einen gewissen Gemütszustand voraussetzt, dann aber gibt es wenig, was dieses spezielle Anforderungsprofil besser erfüllt. Passend dazu ist die Handlung doch sehr beliebig und dabei auch noch lediglich behelfsmäßig inszeniert, der Ton vielleicht etwas zu humorlos. Auch bei den Menüs hat sich Housemarque nicht unbedingt mit Ruhm bekleckert und dass aktuell Spieler des niedrigsten Schwierigkeitsgrades die Highscore-Listen mit weitem Abstand anführen dürfen, ist eine Farce. Doch dies sind im Grunde Randnotizen eines Spiels, das seine Sache ungemein solide und motivierend macht.

Neu hinzugekommen ist neben der ansehnlichen 1080p60-Präsentation mit ihrer stimmungsvollen Beleuchtung ein Herausforderungsmodus, bei dem sich Freunde gegenseitig zu Highscore-Schlachten auffordern dürfen. Und im Broadcast-Modus können Spieler mit Twitch-Account sich dem Sadismus ihrer Zuschauer aussetzen, wenn die darüber bestimmen, welche Superzombies als Nächstes in die Arena geworfen werden. Eine lustige Art, mit seinen Zuschauern zu interagieren, die in Zeiten von Twitch Plays Pokemon sehr en vogue anmutet. Zudem enthält die Apocalypse Edition die DLC-Kampagne Road to Devastation ab Werk.

Spiele so schlecht, dass ihr es nicht glauben werdet: Die schlimmen 2000er Genug Trash auch in der Gegenwart Spiele so schlecht, dass ihr es nicht glauben werdet: Die schlimmen 2000er
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Fast jeder Auto-Kofferraum hält Geld und Punkte für euch bereit. Schießt alarmgesicherte Wagen an, um die Aufmerksamkeit der Zombies dorthin zu lenken.

So sehr die anhaltende Spieleebbe auch die Geduld der PS4-Frühkäufer auf die Probe stellt: Die "Kleinen" halten die Fahne des Systems mit starken Armen in den Wind. Nach Outlast ist diese gekonnte Überarbeitung eines PS3-Beinaheklassikers schon der nächste uneingeschränkt empfehlenswerte und noch dazu kostenlose PS-Plus-Titel, der mit voller Kraft und reichlich Know-How seine Umsetzung auf die neue Sony-Plattform erfuhr.

Dead Nation ist auch in der Apocalypse Edition nicht der gleiche Dauerbrenner, wie es die Housemarque-Spiele vor ihm und danach waren. Aber es ist ein Titel, der genau weiß, wo seine Talente und Prioritäten liegen. Als solcher macht er seine Sache so gut wie wenige andere.

8 / 10

Dead Nation: Apocalypse Edition - Test Alexander Bohn-Elias Housemarques Untotenwiederbelebung gelingt auch nach über drei Jahren noch ausgezeichnet. 2014-03-07T12:01:00+01:00 8 10
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