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Toukiden: The Age of Demons - Test

Das beste Monster Hunter für die Vita

Monster Hunter in minimal anders. Ist das schlecht? Nein, nicht wirklich. Was dem Spiel jedoch fehlt, ist der Tiefgang des Originals.

Während westliche 3DS-Besitzer freudig auf Monster Hunter 4 warten, weinen sich sich Fans, die nur eine PS Vita besitzen, jede Nacht in den Schlaf, den verzierten Altar von Freedom Unite neben ihrem Bett fest im tränenverhangenen Blick. Zumindest stelle ich es mir so vor, wenn ich die oft böswilligen und mittlerweile verzweifelten Ausrufe im Internet lese. Capcom bedient seit der vierten Seriengeneration ausschließlich Nintendo-Konsolen, was Spielern der PSP-Ableger natürlich gar nicht schmeckt, die mit einer festen Unterstützung von Sonys Vita rechneten.

Ersatzdroge

Um die hinterlassene Lücke zu füllen, suchen sie nach einer Alternative, die irgendwie das unbändige Verlangen nach Monstergekloppe befriedigt. Soul Sacrifice war ein guter Anfang, übernahm es doch viele zentrale Elemente von Monster Hunter in seinen Spielablauf. Der Fokus lag allerdings allein auf den Kämpfen in festgelegten Arealen, zwischen denen es keine Verbindung gab. Ebenso fehlte ein zentraler Hub, in dem ihr mit anderen NPCs interagiert. Wirklich deutlich offenbaren sich die Unterschiede am Kampfsystem, dessen Mittelpunkt bei Soul Sacrifice aus Zaubern besteht und deshalb eine ganz andere Herangehensweise für Taktiken voraussetzt. Wahrscheinlich gefiel es mir deswegen nicht so gut. Irgendwie traf es nicht die gleichen Nerven, die bei einer Runde Monster Hunter vor Ekstase fast leuchten. Ein gutes Spiel, aber leider kein Ersatz.

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Eure Wohnung ist fast größer als das Dorf.

Dementsprechend gespannt war ich auf Toukiden, das schon auf den ersten Bildern wie eine Neuinterpretation von Capcoms Kassenschlager - jedenfalls in Japan - wirkte. Anstatt bunte Drachenwesen zu verkloppen, verteidigt ihr in Toukiden ein kleines Dorf vor den mächtigen Oni, bösartige Kreaturen, die euch als riesige Zielscheibe dienen. Der generelle Aufbau des Spiels orientiert sich stark am Vorbild. Vor jeder Mission streift ihr durch euren neuen Heimatort, sprecht mit den wenigen Figuren und verbringt die meiste Zeit beim Schmied. In den Aufträgen stapft ihr dann in eines der thematisch unterschiedlichen Gebiete, die genau wie bei Monster Hunter miteinander verbunden sind. Zusammen mit maximal drei KI-Kollegen oder menschlichen Spielern prügelt ihr anschließend so lange auf eure Feinde ein, bis sich nichts mehr regt.

Und dann?

Dann kehrt ihr zurück in euer Dorf und wiederholt ihr die gleiche Prozedur Hunderte Male. Habt ihr irgendetwas anderes erwartet? Vielleicht Abwechslung? 'Tschuldigung, aber wenn dem so ist, haltet ihr zu dieser Sorte Spiel lieber ganz weiten Abstand. Repetitive Durchläufe, bei denen sich nur einzelne Variablen ändern, bilden den Hauptanteil Toukidens.

Anstatt bunte Drachenwesen zu verkloppen, verteidigt ihr in Toukiden ein kleines Dorf vor den mächtigen Oni, bösartige Kreaturen, die euch als riesige Zielscheibe dienen.

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Immerhin verläuft der Einstieg wesentlich angenehmer als bei Monster Hunter.

Die Freude entsteht zuerst einmal beim Bezwingen riesiger Bestien. Im Gegensatz zu Monster Hunter schafft Toukiden einen überraschend schnellen Einstieg. Keine Stunde vergeht und ihr erledigt die ersten haushohen Bossmonster. Deren Optik erinnert an eine Kreuzung asiatischer und westlicher Mythologie, wobei das grundlegende Design eindeutig japanisch erscheint und alles unter einem einheitlichen Stil vereint. Leider forderte die rasche Abfolge neuer Monsterarten anscheinend den Verfall zusätzlicher Ideen, da viele Monster wiederholt auftreten.

Einfach und ehrlich

An für sich kein allzu schwerwiegendes Problem, da der wahre Reiz im Kampfsystem selbst liegt. Wer Monster Hunter wegen seiner einsteigerunfreundlichen Steuerung und spürbaren Trägheit meidet, könnte in Toukiden die Erlösung finden. Da Entwickler Omega Force hinter dem Titel steckt, erwartet euch eine simple Steuerung, die rapide Angriffe und sogar Luft-Combos ermöglicht. Nicht nur die Art Direction weckt Erinnerungen an Dynasty Warriors. Es spielt sich auch ähnlich. Angriffe gehen leicht von der Hand, verbinden sich problemlos zu längeren Manövern und selbst die Ausweichrolle benötigt keinerlei Einarbeitungszeit. Einfach die Tasten mit dem Daumen verprügeln und irgendwann geht ihr siegreich hervor. Natürlich bieten sich für verschiedene Gegner andere Möglichkeiten an, etwa durch die Wahl einer anderen Waffengattung an. Nur benötigt ihr komplexere Taktiken erst im Endgame. Doch selbst dort bleibt Toukiden hinter dem Tiefgang der Monster-Hunter-Reihe zurück. Zwar müsst ihr bei stärkeren Feinden zuerst bestimmte Körperstellen zerstören, allerdings wird stets eine vergleichbare Vorgehensweise erwartet. Im Grunde bleibt es beim stupiden Knöpfchendrücken.

Trotzdem macht es Spaß und könnte sich gerade deswegen für Spielertypen eignen, die schon immer Interesse an dem Genre hatten, den Versuch aber nie wagten, oder mit einem Monster Hunter wegen der Unzugänglichkeit nicht richtig warm wurden. Denn alle suchtfördernden Mittel sind im Spiel wie bei der Konkurrenz enthalten. Jeder Kampf bringt euch frische Materialien, die ihr zum Bau neuer Waffen verwendet. Benutzt ihr sie oft genug, dürft ihr die Mordinstrumente sogar aufstufen. Die Besonderheit von Toukiden ergibt sich in diesem Zusammenhang durch Mitama. Hierbei handelt es sich um so etwas wie Seelen verstorbener Krieger, die euch unterschiedliche Skills verpassen, nachdem ihr sie beispielsweise an euer Schwert bindet.

Angriffe gehen leicht von der Hand, verbinden sich problemlos zu längeren Manövern und selbst die Ausweichrolle benötigt keinerlei Einarbeitungszeit.

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Dieses Bild gibt euch einen guten Eindruck über Qualität der Charaktere und ihrer Geschichte.

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Bis auf das Monsterdesign und die Mitama-Fertigkeiten bietet Toukiden: The Age of Demons leider keinerlei Abwandlung zum bewährten Monster-Hunter-Prinzip. Nehmt eine Mission an, verkloppt Monster, kassiert Gegenstände, rüstet Waffen auf und zurück geht es auf das Schlachtfeld. Nur denke ich herzlich wenig darüber nach, wenn ich über mehrere Minuten einen riesigen Boss zusammen mit meinen Kameraden erledige. Ich habe schlicht zu viel Spaß. Eure Kollegen agieren für meinen Geschmack etwas übermotiviert, doch passt es prima zur lockeren Einstellung des Spiels, da ihr euch um sie keine Sorgen machen braucht. Toukiden möchte euch genauso wenig überfordern wie ein Dynasty Warrior. Stattdessen gibt man euch übertriebene Waffen, deren Stärke ihr bei jedem Schlag spürt.

Leichte Kost, die sich perfekt für ein paar Minuten zwischendurch eignet. Die gebotenen Inhalte mögen nicht die besten oder innovativsten sein, bereiten aber genügend Freude, um zumindest für die Spanne der Haupthandlung das Interesse zu halten. Wie lange ihr euch danach noch mit dem Titel befasst, liegt ganz an euren Vorlieben. Benötigt ihr kein komplexes Kampfsystem, um die gleichen Monster Hunderte Male zu vernichten, könnte Toukiden eine gute Ersatzdroge werden.

7 / 10

Toukiden: The Age of Demons - Test Björn Balg Das beste Monster Hunter für die Vita 2014-03-07T09:00:00+01:00 7 10
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