FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Brasilien 2014 - Test

Lückenfüller.

Ich muss ganz ehrlich sagen: Jetzt, nachdem ich in rund fünf Monaten immer mal wieder FIFA 14 auf der Xbox One gespielt habe, fällt es doch schwer, wieder zum alten FIFA auf der Xbox 360 zurückzukehren. Aber leider lässt EA einem beim diesjährigen WM-Spiel ja nicht die Wahl. Es ist fast so, als würde man regelmäßig sein teures Steak verputzen, müsste dann aber auf ein zwar noch immer durchaus schmackhaftes, aber qualitativ nicht ganz so gutes Schnitzel ausweichen. Verdammt, jetzt bekomm' ich Hunger...

Jedenfalls fallen einem die Unterschiede so richtig deutlich auf, wenn man sich einige Monate mit dem Next-Gen-FIFA beschäftigt hat und nun wieder zurückgeht. Allen voran in puncto Grafikqualität, Animationen, Texturschärfe oder Details, aber auch was die Bildrate anbelangt - besonders in den Szenen, die nicht direkt das Spielfeld betreffen - fühlt man sich in eine Zeit zurückversetzt, die man eigentlich bereits hinter sich gewähnt hatte.

WM-Feeling

Eines muss man EA aber lassen. Die Präsentation ist wirklich 1 a. Obwohl zumindest jetzt noch nicht so wirklich WM-Stimmung aufkommen mag, immerhin befinden sich Bundesliga und Champions League noch in der Endphase, die Weltmeisterschaft startet dann erst Mitte Juni. Insofern ist das vielleicht erst einmal etwas gewöhnungsbedürftig, aber dennoch ist die Inszenierung mehr als nur gelungen. Ob es nun die Kamerafahrten vor dem Spiel im Stadion sind, die jubelnden, in den Landesfarben gekleideten Fans oder sogar kurze Public-Viewing-Ausschnitte, man spürt, dass EA hier ein, zwei Schritte weiter geht, als man es normalerweise in FIFA sieht. Aber besonders die ein oder andere Kamerafahrt oder die jubelnden Fans könnte man gerne auch in das nächste FIFA übernehmen.

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Gleichermaßen verhält es sich mit dem WM-Spiel so, wie eigentlich mit jedem anderen bisherigen Turnierspiel der FIFA-Reihe: Es ist ein guter Lückenfüller für den Sommer, ein FIFA 14.5 quasi. Ein kleines Zwischenhäppchen, sofern euch das Vorjahres-FIFA vielleicht schon ein wenig langweilt, aber erwartet bloß keine spielerischen Revolutionen. Es gibt natürlich ein paar kleinere Verbesserungen bei Animationen und Steuerung, an das spielerisch klar bessere Next-Gen-FIFA kommt man aber auf der alten Konsole nicht heran. Insbesondere die KI scheint mir nicht ganz so clever zu sein, gerade bei langen Bällen nach vorne, etwa nach einem Pass zurück zum Keeper oder bei einem Befreiungsschlag, stehen meine (und gegnerische) Stürmer häufiger im Abseits, als es mir lieb ist. Jedenfalls: Wenn ihr FIFA 14 kennt - und zwar vornehmlich auf Xbox 360 oder PS3 -, dann wisst ihr im Grunde auch schon, was euch hier spielerisch erwartet.

Ergänzungen und Beschäftigungsmaßnahmen

Hier und da sind ein paar neue Dinge hinzugekommen oder wurden verbessert. Allerdings wirkt sich auch nichts davon entscheidend auf den eigentlichen Spielfluss beziehungsweise das Spielgefühl aus. Bei Eckbällen habt ihr nun etwa die Möglichkeit, eure Spieler den Torwart bedrängen zu lassen oder auch noch andere Optionen, während der Keeper bei Elfmetern ein paar neue Animationen bekommen hat, um den Schützen zu verwirren, abzulenken oder einfach zum Lachen zu bringen - vielleicht auch alles zusammen.

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In puncto Spielmodi hat man hingegen ein durchaus umfangreiches Paket aus Offline- und Online-Modi geschnürt. Da fraglich ist, wie lange das Spiel nach der Weltmeisterschaft noch im Netz gespielt wird, sollte man sich dem Modus „Road to Rio de Janeiro" vielleicht zuerst widmen. Hier arbeitet ihr euch durch alle zwölf WM-Stadien voran bis nach Rio, wobei ihr vor jeder Partie euer Team frei wählen könnt und gegen gleichwertige menschliche Gegner antretet. Für jeden Sieg gibt es Punkte, die euch beim Erreichen der nächsten Stadt helfen. Um voranzukommen, müsst ihr dabei eine bestimmte Punktzahl erreichen. Fallt ihr nach einer festgelegten Zahl von Spielen unter eine bestimmte Grenze, geht es wieder zur vorherigen Stadt zurück.

Noch gar nicht verfügbar ist die „Geschichte der Endrunde." Hier will man euch während der Endrunde dann verschiedene Herausforderungen bieten, die auf den jeweils aktuellen Geschehnissen basieren - und zwar laut EA „eine Stunde nach Abpfiff jeder Partie." Ansonsten erwartet euch auch noch eine ganz gewöhnliche Online-Endrunde, wenn ihr diese spielen und den WM-Titel im Kampf gegen andere menschliche Mitspieler holen wollt.

"Letzten Endes bekommt ihr hier ein Spiel, das wie die Weltmeisterschaft selbst für einen gewissen Zeitraum ein großes Thema für euch sein kann."

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Offline könnt ihr mit „Road to the FIFA World Cup" die Qualifikation mit allen 203 teilnehmenden Ländern nachspielen, gleich eine Endrunde starten oder in der „Geschichte der Qualifikation" über 60 Herausforderungen absolvieren. Im Modus „Teamkapitän" müsst ihr euch mit einem einzelnen Spieler nach einer Verletzung wieder nach oben arbeiten - durch die Qualifikation bis hin zum Turnier. Also quasi der Be-a-Pro-Modus des WM-Spiels. Reicht euch das noch nicht, gibt es natürlich noch die obligatorischen Freundschaftsspiele und Skill-Games. Wie gesagt: Es gibt hier durchaus eine Menge zu tun.

Letzten Endes bekommt ihr hier ein Spiel, das wie die Weltmeisterschaft selbst für einen gewissen Zeitraum ein großes Thema für euch sein kann, aber danach wird die Begeisterung doch vermutlich schnell wieder verfliegen - schließlich steht dann auch schon fast wieder das nächste FIFA vor der Tür. Bis dahin bekommt ihr hier aber einen spielerisch sehr guten Lückenfüller, der euch mit seinen Spielmodi eine ganze Weile beschäftigen und über den Sommer bringen kann. Wenn euch das virtuelle WM-Feeling diesen Preis wert ist und ihr damit leben könnt, FIFA noch mal auf den alten Konsolen zu spielen, macht ihr damit jedenfalls nicht viel falsch. Es ist ja auch nicht so, als gäbe es irgendwelche Alternativen.

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Unsere Wertungsphilosophie FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Brasilien 2014 - Test Benjamin Jakobs Lückenfüller. 2014-04-24T15:00:00+02:00 7 10

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