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Panzer Tactics HD - Test

Sechseckig, praktisch, gut?

Komplexe Mechaniken, umfangreiche Kampagnen, hässliche Grafik: ein Hardcore-Taktikspiel, das sich trotzdem gut spielen lässt.

Dem einen oder anderen von euch dürfte der Name Panzer Tactics vielleicht bekannt vorkommen. Das liegt daran, dass Panzer Tactics HD kein komplett neues Spiel ist. Es basiert vielmehr auf dem bereits 2007 für den Nintendo DS veröffentlichten Panzer Tactics. Bei bitComposer und Sproing dachte man sich offensichtlich, man könnte den Titel ja nochmal aufgreifen und hat nicht etwa eine Fortsetzung für Nintendos aktuellen Handheld veröffentlicht, sondern stattdessen ein Remake für PC und iPad.

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So sieht das Original auf dem DS aus.

Stellt sich die Frage: Weise Entscheidung oder Verschwendung von Ressourcen? Nun, sagen wir einfach, es gibt grafisch gesehen sicherlich deutlich anspruchsvollere Titel auf dem PC, aber spielerisch wird euch Panzer Tactics HD ganz schön ins Schwitzen bringen.

Von Nord nach Süd

Panzer Tactics HD hat dabei das volle Kriegsprogramm zu bieten. Drei Kampagnen erwarten euch, wobei der Schwierigkeitsgrad von Feldzug zu Feldzug recht schnell ansteigt. Das erfuhr ich am eigenen Leib, als ich nach ein paar Missionen der deutschen Kampagne, die an erster Stelle steht, die zweite Kampagne auf sowjetischer Seite begann. Hier erwarteten meine sowjetischen Verteidiger bei ihren Rückeroberungsversuchen bereits recht erfahrene deutsche Einheiten, die es ihnen mehr als nur schwer machten. Und gerade als ich das Gefühl hatte, ich würde so langsam die Oberhand gewinnen, verlor ich zu viele „Kerneinheiten" und prompt hieß es „Game Over". Verdammt!

Von besagten Kerneinheiten dürft ihr in den knapp 30 Missionen nämlich nur rund eine Handvoll verlieren, ansonsten ist vorzeitig Feierabend. Ansonsten habt ihr natürlich euer Primärziel, das ihr innerhalb einer vorgegebenen Zahl von Runden erreichen müsst - je schneller, desto höher eure Sternewertung am Ende. Obendrein gibt es Sekundärziele, die ihr nicht erfüllen müsst, die euch aber belohnen, wenn ihr es doch tut, etwa mit zusätzlichen Ressourcen oder Bonuseinheiten.

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Verglichen mit späteren Missionen ist der Einmarsch in Norwegen fast schon ein Kinderspiel.

Aber einfach macht es euch Entwickler Sproing garantiert nicht. Es gibt zahlreiche Dinge, die ihr als Feldherr beachten müsst. Da wären einerseits natürlich die Stärken und Schwächen der über 150 verschiedenen Einheiten zu Wasser, zu Land und in der Luft. Ihr kennt das ja, man muss es eigentlich nicht mehr großartig erklären. Jäger sind zum Beispiel effektiv gegen Bomber, Panzerabwehrgeschütze machen mit Panzern kurzen Prozess und so weiter. Stein, Schere, Papier in seiner reinsten Form.

Vorausdenken erforderlich

Dabei ist es auch wichtig, dass ihr in diesem rundenbasierten Strategiespiel stets etwas vorausdenkt. Wenn ihr einen Panzer nach vorne in den Kampf beordert, ihm aber nach dem nächsten Angriff die Munition ausgeht, ist das natürlich alles andere als optimal. Gleichermaßen hat das Terrain verschiedene Auswirkungen, etwa auf die Fortbewegung und Sichtweite. Mitunter gibt es aber auch Boni. Die Infanterie ist in Wäldern etwa besonders effektiv und kann von dort aus Überraschungsangriffe ausführen, die selbst widerstandsfähige Stahlkolosse in ernsthafte Gefahr bringen.

Bleiben wir beim Thema „Vorausdenken": Das gilt gleichermaßen für die Wetterbedingungen. Ihr könnt euch zu jedem Zeitpunkt eine Vorhersage für die kommenden drei Runden anschauen, was ihr in eure Taktik mit einbeziehen solltet, denn bei Schneetreiben oder Regen können eure Flugzeuge keine Angriffe mehr durchführen, obendrein müsst ihr - wie eben schon kurz erwähnt - Treibstoff und Munition eurer Truppen im Auge behalten. Sollte der Nachschub knapp werden, könnt ihr ihn per Knopfdruck wieder auffüllen, was ihr mit der Währung „Ruhm" bezahlt - dabei setzt die jeweilige Einheit dann aber auch eine Runde aus. Ruhm verdient ihr euch mit jeder Runde dazu, außerdem bekommt ihr Boni für eroberte Städte und Dörfer und könnt damit ebenso neue Einheiten rekrutieren.

"Stein, Schere, Papier in seiner reinsten Form."

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Mit ihrer Blitzkrieg-Taktik machen die Deutschen ihren Gegnern das Leben schwer.

Überhaupt solltet ihr mit euren Truppen nicht allzu verschwenderisch umgehen, denn einerseits sind sie teuer, andererseits können sie aber ebenso im Rang aufsteigen und werden dadurch effektiver. Zugleich habt ihr die Möglichkeit, sie in die nächste Mission zu übernehmen und profitiert so von den zusätzlichen und erfahreneren Truppen. Ihre Effektivität könnt ihr übrigens auch durch Offiziere steigern, was sich auf die Moral eurer Einheiten und auf ihre Kampfkraft auswirkt. Jeder Offizier verfügt über seine eigenen Spezialitäten und ist nicht gerade kostengünstig zu rekrutieren. Auf Seiten der Deutschen stärkt etwa „Leutnant Stich" die Luftangriffe und -verteidigung, während „Major Hummel" ein Experte für den Kampf gegen weiche Ziele ist.

Fehlender Multiplayer und Steuerung

Schade und auch ein bisschen unverständlich ist die Tatsache, dass der in der DS-Version noch enthaltene Multiplayermodus für bis zu vier Spieler in der HD-Fassung ersatzlos gestrichen wurde. Damals konnte man per WiFi, Internet und Hotseat auf immerhin zehn Karten gegeneinander antreten, auf PC und iPad kann man nun nicht mal vor einem Bildschirm gegeneinander zocken - es bleibt also ein reiner Singleplayer-Feldzug.

Leider umfasst der ebenfalls verfügbare Szenario-Modus auch keine individuellen Missionen, stattdessen könnt ihr lediglich noch mal die Kampagneneinsätze einzeln auswählen und spielen, sofern ihr das wollt.

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Spätestens dann, wenn ihr bei den Sowjets ankommt, merkt ihr, wie knifflig Panzer Tactics HD werden kann.

Darüber hinaus wirkt die Steuerung zuweilen etwas fummelig. Man hat nicht den Eindruck, dass sie speziell an den PC angepasst wurde, vielmehr merkt man dem Spiel an, dass es für Touch-Geräte wie den DS und nun eben das iPad (mit)entwickelt wurde. Es bricht dem Spiel nicht das Genick, aber auf dem PC hätte man das alles etwas weniger umständlich gestalten können. So braucht man einfach ein wenig Zeit, um sich daran zu gewöhnen, eine optimale PC-Steuerung sieht aber definitiv anders aus.

Am besten lasst ihr euch von der zugegebenermaßen doch eher minimalistischen Optik von Panzer Tactics HD nicht täuschen, denn spielerisch hat der Strategietitel doch einiges auf dem Kasten und wird mit jeder Kampagne ein gutes Stück kniffliger zu meistern. Hier kommt es auf ein gutes taktisches Verständnis und eine ebenso gute Planung an, wenn ihr den Krieg zu euren Gunsten entscheiden wollt. Und je nach Mission kann das schon mal eine ganze Weile dauern. Ein Spiel für die Mittagspause ist Panzer Tactics HD daher wohl kaum, aber wenn der Rundenstratege in euch nach neuem Futter lechzt, kann es nicht schaden, einen Blick drauf zu werfen. Was das Paket noch abrunden würde, wäre ein vernünftiger Online-Modus. Dass der überhaupt gestrichen wurde, ist sowieso recht verwunderlich. Ein wenig irritiert bin ich auch über den doch ziemlich deutlichen Preisunterschied zwischen PC und iPad. Panzer Tactics HD ist jedenfalls ein gutes Strategiespiel, in das ihr viele Stunden Spielzeit stecken könnt. Ob euch das auf dem PC 30 Euro wert ist, müsst ihr selbst entscheiden.

7 / 10

Panzer Tactics HD - Test Benjamin Jakobs Sechseckig, praktisch, gut? 2014-05-23T12:00:00+02:00 7 10
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