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Among the Sleep - Test

Wie ein guter Albtraum.

Als Baby zusammen mit einem sprechenden Teddy, da ist das nächtliche, unheimliche Haus schon gruselig genug. Ein frischer Horroransatz.

Endlich wieder eine frische Idee im Horror-Genre! Nach all den einfallslosen Trittbrettfahrern der letzten Monate hat Among the Sleep ein unverbrauchtes Konzept, das zwar nicht vollkommen aufgeht, aber zumindest überrascht. Ihr schlüpft in die Rolle eines Kleinkindes, das am Tag seines zweiten Geburtstags eine etwas seltsame und teilweise ziemlich verstörende Reise antritt. Zusammen mit einem sprechenden Teddybär erkundet ihr zunächst noch die bekannte Umgebung eures Hauses, bevor ihr auf der Suche nach eurer Mutter unerwartet eine Alternativwelt betretet.

Eine Erfahrung sondergleichen

Hier teilt sich das Spiel in drei weitere Abschnitte, deren dunkler Ton sich von Mal zu Mal steigert. Surreale Elemente nehmen überhand, sogar bösartige Kreaturen tauchen plötzlich auf und stets fragt man sich, wie ein Zweijähriger diesem Stress überhaupt standhalten kann. Denn aus seiner Perspektive wirken selbst die normalsten Objekte wie schaurige Gespenster. Bereits im ruhigen Haus bei Tageslicht fühlt man sich stellenweise unwohl. Wenn ihr anschließend nachts aus eurem Zimmer flieht, hört ihr überall seltsame Geräusche und verteufelt eure eigene Wahrnehmung.

Überaus gelungen ist die Steuerung des kleinen Mannes, dessen Schritte ein gewisses Gewicht vermitteln. Lauft ihr mehr als ein paar Meter am Stück, fällt er sogar automatisch hin, was in späteren Verfolgungsjagden für besonders nervenaufreibende Momente sorgt. Natürlich könnt ihr auch auf Nummer sicher gehen und am Boden krabbeln. So könnt ihr nicht umfallen, ein wenig langsamer als im normalen Sprint seid ihr allerdings schon. Das genaue Vermitteln, im Körper eines Zweijährigen zu stecken, gehört zu den Highlights von Among the Sleep. Man sieht nicht nur die tapsigen Bewegungen, wenn der Blick nach unten auf die Füße im bunten Strampler fällt, sondern spürt sie zugleich. Auch das Klettern auf höher gelegene Ebenen dauert einen Moment, bevor sich der Kleine wieder normal bewegen darf. Zwar funktioniert die Kollisionsabfrage in diesen Szenen nicht immer perfekt, da ihr manche Objekte nur aus einer ganz bestimmten Position erklimmen könnt, trotzdem hilft es der Immersion.

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Bloß nicht stoplern!

Horror-Fans sollten sich vor dem Spielen bewusst sein, dass die Angst fast ausschließlich durch die gruselige Umgebung in Verbindung mit eurem Dasein als Kleinkind entsteht. Plötzlich unerwartete Momente, in denen ihr schreckhaft vom Stuhl springt, gibt es selten. Ein paar Jump-Scares existieren, doch sind sie lange nicht so nervenaufreibend wie Stellen, in denen euch eine Sumpfhexe verfolgt. Leider hätten diese Szenen durch einen angehobenen Schwierigkeitsgrad wesentlich effektiver sein können. Nicht ein einziges Mal musste ich mich verstecken. Es hat immer genügt, dem grässlichen Wesen aus dem Weg zu gehen und eine andere Richtung einzuschlagen. Sicherlich rutschte mir dabei das Herz in die Hose, doch mit einer etwas cleveren Levelstruktur und besserer Gegner-KI wäre es dort noch länger geblieben.

Nicht ohne meinen Teddy

Zu den besten Spielelementen gehört euer Teddybär. Zunächst mag es ein wenig seltsam klingen, wenn das Plüschtier mit euch spricht, doch nimmt er eine wichtige Rolle ein, die sich perfekt vom Verhalten eines Kleinkindes ableitet. Auf Tastendruck umarmt ihr euren Bär, wodurch dieser wie eine Taschenlampe leuchtet und den Weg erstrahlt. In dieser Zeit könnt ihr weder rennen noch mit Gegenständen interagieren. Allerdings verschafft er euch nicht nur Licht, sondern ebenfalls etwas Geborgenheit, was perfekt das Verhalten eines Kindes in das Spiel überträgt. Der Kleine fühlt sich mit seinem Teddy im Arm sicher und auch ihr verspürt Erleichterung, da eure Umgebung nicht länger in vollkommene Dunkelheit getaucht ist. Sogar das Pausieren des Spiels folgt dieser Regel. Dann haltet ihr euch nämlich die Hände vor die Augen, um die restliche Welt auszublenden.

"Das genaue Vermitteln, im Körper eines Zweijährigen zu stecken, gehört zu den Highlights von Among the Sleep."

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Was zum ...?

Dennoch finden sich in Among the Sleep ein paar Problemzonen, die das gute Spiel davon abhalten, ein großartiges zu sein. Zunächst einmal die teils platt gesprochenen Dialoge. Besonders eure Mutter wirkt wie eine lieblose Sprecherin, die ihre Texte ohne viel Überzeugung vom Blatt abliest. Darüber hinaus könnt ihr mit einigen Bugs sowie Grafikfehlern rechnen. An einer Stelle musste ich sogar meinen Checkpoint neu laden, da ein bestimmtes Rätselelement nicht länger funktionierte.

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Viele wird zudem die knapp bemessene Spielzeit abschrecken. Gerade einmal 90 Minuten dauert eure Reise bis zur Auflösung des Horrortrips. Ich persönlich halte es angesichts der gebotenen Spielelemente für die richtige Länge, doch gebe ich hiermit eine Warnung an alle, die so etwas stört. Besonders bei einem aktuell gefragten Eintrittspreis von 20 Euro.

Beachtet man, dass Among the Sleep das erste Projekt einer ehemaligen Studentengruppe ist, sehe ich für das junge Krillbite Studio eine äußerst vielversprechende Zukunft. Denn alle Probleme des Titels ließen sich mit ein wenig mehr Erfahrung und Politur leicht ausbügeln. Es hat sicherlich einige harte Kanten, die ich ihm aber gerne verzeihe. Das Erlebnis ist einzigartig und allein die Steuerung des Zweijährigen versetzt euch trotz einiger Macken perfekt in seine Situation. Wer über den etwas hoch angesetzten Preis hinwegsehen kann, erhält eine kleine Horrorperle, die beweist, dass es im Genre noch viele unentdeckte Möglichkeiten gibt und es nicht immer die gleichen drei Szenarien sein müssen.

7 / 10

Among the Sleep - Test Björn Balg Wie ein guter Albtraum. 2014-06-03T13:08:00+02:00 7 10
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