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EA Sports UFC - Test

Der alte Champion ist auch der neue.

Eigentlich kein schlechter Start in diese Generation. Dumm nur, dass die voherige mehr Optionen und Leben mit seinen flüssigeren Tempo bot.

Es ist wie so oft, wenn eine EA-Sports-Reihe auf einer neuen Generation debütiert. Nur dass diesmal nicht nur die Kontrolle über die ungewohnte Plattform, sondern überhaupt erst mal eine neue Reihe etabliert werden musste. Für die Fight-Night-Entwickler von EA Canada gewissermaßen eine doppelte Herausforderung. Folgerichtig schlägt sich EA Sports zweite Premiere im Octagon (bereits 2010 erschien EA Tiburons EA Sports MMA) trotz klar erkennbarer Vorzüge mit den üblichen Mätzchen rum - nur eben in doppelter Ausführung.

Zum einen wäre da der geringe Umfang zu bemängeln. Neben der gewohnten Karriere und dem schnellen Match gibt es nur zahnlose "Challenges", die nicht mehr als ein besseres Tutorial darstellen. Die immerhin ganz gelungen aufgestellten Online-Turniere sind das Einzige, was über die gebotenen Standards hinausgeht, und das nicht einmal besonders weit. Es ist insgesamt ein sehr überschaubares Paket, das EA hier liefert. Das wäre an und für sich noch gerade so zu verschmerzen, doch wer meist alleine vor der Konsole sitzt und vornehmlich gegen die KI spielt, bekommt hier nicht genug für sein Geld.

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Eine Hose, für die man töten würde.

Das liegt vor allem an der leblos präsentierten Laufbahn vom Nobody zum "Ultimate Fighter": Aufgezwungene und schlimm wiederholungsanfällige Sparringsspielchen vor einem Kampf verlangen von euch das Runterrasseln eingeblendeter Kombos und langweilen schnell mit ihrer Beiläufigkeit. Die Main Events, also die eigentlichen Fights, hakt man mit nur wenig initiative einen nach dem anderen ab. Auch wahre Karrierestimmung kommt niemals auf, denn deren Dramaturgie überließ EA schnell geschnittenen Realfilm-Einspielern mit einschlägiger UFC-Prominenz. Das wirkt alles sehr 2008 und behelfsmäßig, denn wirklichen Bezug zu den Geschehnissen und dem Spieler können die für jedermann identischen Filmschnipsel naturgemäß nicht haben. Auf vorgestanzte Bekundungen, dass ein Dana White auf mich zählt, kann ich gut verzichten.

Hingeschludert wirkt es nicht unbedingt, sehr wohl aber irgendwie blutleer. UFC Undisputed 3 war in dieser Hinsicht schon nicht der Weisheit letzter Schluss. Mit eigenen Trainingsschwerpunkten, smarter Talentsteigerung und der Möglichkeit, im japanischen Pride-Wettbewerb anzutreten, spielte es sich aber deutlich interessanter. Überhaupt hängt das großartige THQ- und Yukes-Spiels wie Chael Sonnen im Full Mount über EAs neuer Reihe, wohlgemerkt ein Titel von Anfang 2012. Regelmäßig hat man das Gefühl, hier eine langsamere, weniger dynamische und etwas zu sehr ins Stand-up-Game verliebte Version von UFC Undisputed zu spielen.

Gerade die Schwergewichte (oder der Karrierekämpfer zu Beginn seiner Laufbahn) steuern sich fürchterlich träge und sprechen nicht schnell genug auf Tastendrücke an. In späteren Runden und mit weniger Ausdauer fliegt beispielsweise der letzte Punch einer Dreierkombination dem letzten Tastendruck fast eine geschlagene Sekunde hinterher. Bei der Konkurrenz, die keine mehr ist, schmiss man seine Fäuste und Fußsohlen selbst dann noch direkter und unverzüglicher durch die Luft. Weil das Spiel flinker auf die Kommandos reagierte, konnte man auf sich bietende Gelegenheiten besser reagieren und dynamisch zwischen Stand-up, Clinch und Ground-Game changieren. In EA Sports UFC ist man hingegen nicht so sehr Herr der Situation - oder fühlt sich zumindest nicht so.

"Die Transitions auf der Suche nach einer dominanteren Position und letzten Endes dem Full Mount sind alles andere als intuitiv gelöst."

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Auch einige weibliche UFC-Kämpfer haben es ins Spiel geschafft. An der Karriere dürfen sie aber nicht teilnehmen.

Auch am Boden überzeugt der Titel nicht ganz. Schlagen Hiebe und Tritte aus dem Stand noch mit außerordentlicher Wucht ein, kommt dem Ground-and-Pound ein bisschen die Kraft abhanden. Schlimmer noch: Die Transitions auf der Suche nach einer dominanteren Position und letzten Endes dem Full Mount sind alles andere als intuitiv gelöst. Wie schon in Undisputed 3 sind auch hier Viertelkreise vonnöten, mit dem Unterschied, dass man dort mit Leichtigkeit wusste, in welche Richtung man die Drehung ausführen musste, um das gewünschte Resultat zu erzielen. Bei dem EA-Produkt kann ein links beginnender Viertelkreis trotzdem eine Transition nach rechts nach sich ziehen. Wenn dort irgendeine Logik steckt, dann entzieht sie sich mir. Es wäre eigentlich Aufgabe des Spiels, sie mir beizubringen - und selbst dann müsste ich das immer noch nicht eingängig oder angenehm zu spielen finden.

In den Submissions gab sich EA Mühe, etwas mehr Feinkontrolle reinzubringen, was letzten Endes in einem leicht verwirrenden Minispiel resultiert. Hat man es verinnerlicht, ist es ganz ordentlich. Der Weg dorthin ist allerdings steinig. Undisputed 3 war hier schon nicht perfekt, machte aber das Begreifen etwas einfacher. Geschmackssache, funktional sind beide, wenngleich auch hier das THQ-Spiel knapp den Zuschlag von mir erhält.

Womit wir wieder in eindeutigerem Meckerterritorium wären: Es ist ein bisschen traurig, dass der Käfig selbst so marginalisiert wurde. Geht der Fight auf die Matte, bleibt man wie ein heruntergefallener Pfannkuchen, wo der Kampf zu Boden ging. Kein Robben über die Matte im verzweifelten Geringe. Kein Strampeln, um vielleicht die Octagon-Wand zu erreichen und sich dort mit dem Rücken hochzustemmen, falls der Gegner jegliche Fluchtversuche abwehrt. Auch im Stehen und im Clinch spielt die Ringbegrenzung nur eine untergeordnete Rolle. Hing man in Undisputed 3 noch regelmäßig im Maschendraht und erlebte dort interessante Kampfsituationen, geht diesem Spiel dort endgültig die Puste aus, bis man nur noch zur in die Mitte des Octagons zurückwill. Da kommen vermutlich einfach wieder die Boxer bei EA Canada durch.

EA Sports UFC - Gameplay-Video.

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Das liest sich jetzt alles ziemlich vernichtend, liegt aber eher daran, dass es Yukes mit seinem letzten Spiel so viel besser machte. Für sich genommen ist EA Sports UFC ganz ordentlich und gerade zu zweit auf derselben Couch für zwischendurch durchaus geeignet. Die Art und Weise, wie es Blocks und Paraden einsetzt, gefällt mir sogar noch besser als beim THQ-Produkt und die Grafik markiert den von vielen so vermissten Generationensprung mit einigem Nachdruck. Lebendiger sehen virtuelle Sportler nirgends aus und selbst ihren Zustand kann man jederzeit ausgezeichnet an der Körpersprache ablesen. Das hier ist definitiv eine Basis, auf der man aufbauen kann und sollte.

EA Sports UFC ist damit vorerst eher Talent als echtes Championmaterial, weshalb es für eine Kaufempfehlung hier und heute nicht reicht. UFC Undisputed 3 sieht immer noch sehr gut aus, ist spielerisch der klar aufregendere Titel und dank des betagten Alters nur einen Bruchteil so teuer. Als ich es während dieses Tests zu Vergleichszwecken noch einmal in die Xbox legte, blieb ich direkt darauf hängen und kehrte nur schweren Herzens wieder zum neuen Spiel zurück. Es macht seinem Namen post mortem noch alle Ehre.

Das ist vermutlich das erste Mal, dass ich in einem Fazit zu einem Videospiel eigentlich nur über einen anderen Titel sprach. Ich denke, das sagt euch alles, was ihr wissen müsst.

6 / 10

EA Sports UFC - Test Alexander Bohn-Elias Der alte Champion ist auch der neue. 2014-06-27T12:31:00+02:00 6 10
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