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Test: Die besten HOTAS / Flight-Sticks für Star Citizen und Elite: Dangerous

Von günstig bis luxuriös - es wird Zeit, Bilanz zu ziehen.

In den vergangenen Wochen testeten wir in unserer Vorfreude auf die großen Weltraumsimulationen Elite: Dangerous und Star Citizen drei Hands-on-Throttle-and-Stick-Systeme ("Hotas") auf Qualität, Gegenwert und Tauglichkeit. Zwei Produkte von Thrustmaster und eines von Saitek stellten sich dem Test und werden in diesem Artikel noch einmal konzise gegenübergestellt, um euch die Kaufentscheidung zu erleichtern.

Für alle Sticks gilt: Die beiden Spiele von David Braben respektive Chris Roberts spielen sich auch mit Maus und Tastatur oder Controller und Tastatur und der immer weiter verbreiteten Voice-Attack-Sprach-Mod ganz hervorragend. Ihr braucht also nicht unbedingt diese wunderbar klobigen Geräte. Aber, und das ist ein großes "Aber": Dem Cockpit-Gefühl, dem Eindruck, tatsächlich der Han Solo seines eigenen Raumschiffes zu sein, hilft es ungemein auf die Sprünge.

Thrustmaster T.Flight Hotas Stick X

Hier geht es zum ursprünglichen Test des T.Flight Hotas Stick X

Mit mehr oder weniger 40 Euro ist der T-Flight der Preisbrecher unter den Hotas-Systemen. Sicher, wer auf die Schubeinheit verzichten kann, bekommt für wenig mehr einen besser verarbeiteten Einzelstick etwa von Logitech (Extreme 3D Pro) oder den Mad Catz F.L.Y. 5, aber das Komplettpaket aus zwei auf Wunsch miteinander verschraubbaren Einheiten überzeugt dennoch. Der Stick lässt sich sogar im Widerstand etwas justieren und dank der gut fühlbaren Mittelstellung des Schubhebels ist er auf Spiele, in denen auch Rückwärtsschub gefragt ist, gut eingestellt. Dazu sind alle Tasten programmierbar.

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Der kleine, aber feine Coolie-Hat ist zwar ziemlich allein an diesem Stick und auch an der Schubeinheit findet sich kein Pendant. Dafür ist er recht präzise und gut erreichbar. Besonders gut gefallen hatte mir im Langzeittest die analoge Wippe an der Einheit für die linke Hand, die bei Gefallen das Links-Rechts-Ruder übernimmt, sodass der analoge Twist des Sticks zum Beispiel für die Höhenschubdüsen eingesetzt werden kann.

Unterm Strich kommt man mit diesem Stick gerade in Elite: Dangerous wohl nicht umhin, ab und an auch auf die Tastatur umzugreifen, was mit einem zweiten Coolie am Schubhebel leicht umschifft hätte werden können. Dann wiederum sorgt der niedrige Preis dafür, dass man sich für nicht ganz 40 Euro mit dem Thrustmaster T.16000M noch einen zweiten Joystick für die linke Hand - der ist nämlich entsprechend konfigurierbar - neben die Schubeinheit stellen kann, der dann den multidirektionalen Flug übernimmt und bei Landungen wahre Wunder leistet.

Fazit: Ein preiswerter, lohnender Einstieg in die Welt des immersiven Raumflugs. Die gelegentlichen Griffe zur Tastatur sind ebenso zu verschmerzen wie das etwas billig wirkende, letztlich aber durchaus robuste Material. Viel macht ihr hiermit nicht falsch.

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Saitek Pro Flight X-55 Rhino H.O.T.A.S. System

Hier geht es zum ursprünglichen Test des Saitek Pro Flight X-55 Rhino

Auffälliges, ansprechendes Design, solide Verarbeitung, gute Ausstattung, so lernte ich den X-55 kennen. Vom Komplettpaket her vielleicht der rundeste Hotas, wenngleich in einigen Einzeldisziplinen - die zahlreichen, aber etwas wackeligen Coolie-Hats, einige nicht so wertige Materialien - eher mittelmäßig. Aber das weiß man nur, wenn man schon mal ein Gerät aus der Spitzenklasse in der Hand hatte (zu dem wir später noch kommen). Der Rhino überzeugt vor allem vom Handgefühl her, wenn man die gummierten Schub- und Stick-Einheiten umfasst. Leute mit kleinen Händen oder Megan-Fox-Daumen bekommen am Stick unter Umständen Probleme, den oberen Button und die höher gelegenen Hats zu erreichen, aber das ist mit ein bisschen Fingergymnastik kein Problem mehr.

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Aufseiten des Schubs gefällt vor allem die Platzierung der kleinen Hats für den Daumen. Andere Hotas wollen euch diese Miniatur-Sticks bisweilen unter die Zeige- und Mittelfinger legen, was authentisch ist, für Videospieler aber wenig intuitiv. Unter dem Daumen liegt ebenfalls ein Mausersatz, den ich aber in Elite: Dangerous und Star Citizen nicht zum laufen bekam, was schade ist, denn für das umschauen wäre eine solche analoge Eingabemöglichkeit perfekt. Das Gleiche gilt für den mittig unter dem linken Daumen platzierten Schieberegler, der sich prima für diverse Toggles eignen würde, wenn die Spiele ihn denn mal erkennen würden. Vielleicht richten es ja kommende Treiber oder die Entwickler der jeweiligen Spiele?

Schön sind auch die zahlreichen Drehregler, mit denen man zum Beispiel in Elite die Sensorreichweite in kleinen Schritten rauf und runter schraubt. In dieser Preisklasse normal, aber nicht weniger nett, ist die Möglichkeit, den Widerstand von Stick und Schubeinheit anzupassen. Beim Schub gelingt das über ein Zahnrad am linken Rand der Einheit. Am Stick tauscht ihr nach anfänglicher Nervosität letzten Endes doch gefahrlos und einfach die Federn. Vier verschiedene werden mitgeliefert, die kürzeste sorgt für den leichtgängigsten Stick. Einziger Wermutstropfen: Die schmuck beleuchteten Kippschalter verharren stets in der Mittelstellung, was die "Lesbarkeit" und intuitive Bedienbarkeit des Heimcockpits einschränkt.

Fazit: Treiberschwächen und kleinere Materialunstimmigkeiten außen vor, ist dieser Hotas der preislichen oberen Mittelklasse jeden Cent wert, den er kostet. Er ist mit seinen feinfühligen Achsen und dem langen, teilbaren Schubweg das komplette Paket - obwohl auch der Rhino noch von einem zweiten Stick linker Hand profitieren kann, wenn ihr das Geld erübrigen könnt. Ein schönes Stück Peripherie.

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Thrustmaster Hotas Warthog

Hier geht es zum ursprünglichen Test des Thrustmaster Hotas Warthog

Jetzt wird's ein bisschen romantisch. Das hier ist eines der schönsten Stücke Spieltechnik unter der Sonne: Eine Replik der Steuereinheit des markanten A-10-Warzenschwein-Bombers. Es ist Authentizität pur und pfeift daher auch auf Spielkonventionen, wie etwa einen Twist in den Stick zu integrieren. Das ist zwar realistisch, aber auch nicht gerade praktisch, denn fast alle Spiele nutzen diesen für die Gierachse von Raumschiffen und Flugzeugen, so auch Elite: Dangerous und Star Citizen. Es ist allerdings problemlos möglich, diese auf den Mausknubbel unter dem linken Mittelfinger (prangt vorne an der Schubeinheit) zu legen. Es ist nur nicht ganz so intuitiv oder feinfühlig, wie eine Drehung aus dem Handgelenk. Das Ding ist: Thrustmaster weiß, dass ihr gerade Extra für Authentizität bezahlt habt. Da sollten etwa 130 Euro für die passenden Pedale doch auch noch locker sitzen?

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Wer das nicht zu leisten bereit ist, dem nimmt dieser Stick das nicht übel. Er hat seine Kundschaft unter den Enthusiasten. Und die auch völlig zu recht. In der Mehrheit aus Gusseisen (Stick und Basis) und hochwertigen Kunststoffen mit Metalleinsätzen (Schubeinheit) gefertigt, ist der Warthog schwer, formschön und absolut unzerstörbar. Jeder einzelne Knopf und alle der zahlreichen Coolie-Hats sind ausgezeichnet zu erreichen und fühlen sich auch unter verkrampften Daumen noch unbeeindruckt und vertrauenswürdig an. Würde der Twist nicht fehlen, man käme dank der zahlreichen Kippschalter, Taster und Hütchen auch in Elite: Dangerous direkt problemlos zurecht.

Fazit: Ist euer Ziel im Anlauf auf Elite und Star Citizen die absolute High-End-Austattung, muss Thrustmasters Juwel das Kernstück eures Cockpits sein. Seid nur darauf vorbereitet, für ein wirkliches Komplettpaket mehr als das Doppelte auszugeben als beim nächstgünstigeren Konkurrenten.

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Zum Abschluss

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Wir haben hier drei Produkte für fast jeden Geldbeutel und Anspruchsgrad, die sich gegenseitig nicht die Butter vom Brot nehmen. Leute, die wenig anderes spielen als Simulationen, rechtfertigen einen Thrustmaster Warthog samt Pedalen mit Leichtigkeit. Wer sich sicher ist, in Star Citizen oder Elite Dutzende Stunden zuzubringen, bekommt für den Preis von drei Next-Gen-Spielen im Rhino einen Steuerknochen, mit dem er viele schöne Erinnerungen verbinden wird. Und wer nur mal schauen möchte, warum uns bei Eurogamer seit einer Weile Hotas-Systeme so faszinieren, ist mit dem günstigen, aber wackeren T.Flight bestens bedient.

Das einzige fehlende Bindeglied, das uns für eine mehr oder weniger komplette Übersicht der deutschen Hotas-Landschaft noch fehlt, wäre Saiteks X-52. Mit etwas über 100 Euro sitzt der mittig zwischen dem T.Flight und dem Rhino. Doch das ist etwas, das wir uns für einen späteren Zeitpunkt vor die Brust nehmen. In Sachen Premium-Peripherie gibt es noch die Amerikaner von CH Products, die hierzulande jedoch alles andere als leicht zugängliche Hardware machen und deshalb fürs erste außen vor bleiben müssen.

So oder so: Es ist eine gute Zeit, Fan aufwendiger Simulationen zu sein.

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