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Velocity 2X - Test

Wer schneller spielt, hat früher Pause.

Das erste Velocity schwang sich aus dem Nichts zum Geheimtipp für Speedrun-Fans auf. Schnelle Shooter-Action in der Draufsicht. Nur du, dein Schiff und seine Teleportfunktion gegen eine vergleichsweise überschaubare Menge an Projektilen und Feindfliegern. Die Level in Velocity leisteten gerade so viel bewaffneten Widerstand, wie es für einen Titel, in dem es mehr auf Tempo denn auf Präzision ankam, gut war. Es war unglaublich motivierend, sich durch die Level zu schießen und zu beamen, immer flinker und ohne ins Stocken zu kommen.

Mit dem zweiten Teil, der aktuell PlayStation-Plus-Abonnenten ohne weitere Kosten zur Verfügung steht, kommt nun eine Zu-Fuß-Komponente hinzu. Denn Lieutenant Kai Tana verlässt an vorgegebenen Punkten ihren Flieger, um etwa im Inneren einer Anlage einige Schalter zu aktivieren, die Hindernisse aus dem Weg räumen. Wie eine Samus Aran in größter Eile wischt man durch auch hier möglichst ungebremst durch die Level, arrangiert sich mit Schaltern, löst schnelle Teleporträtsel und Sprungpassagen, um am Ende der stets zyklischen Bereiche wieder an der Luftschleuse zum Gleiter anzukommen.

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Bremsen Kai Tana tödlich glühende Wände, hilft ihr Teleportball weiter.

Denn, seht ihr, fast alle das weitere Fortkommen blockierenden Energiefelder oder Schutzschildgeneratoren für Feinde werden gleich von einer ganzen Reihe Schalter gesteuert. Die sind stets brav nummeriert und wollen in der richtigen Abfolge angeschossen werden, bevor sich das gewünschte Resultat einstellt und ihr weiter Richtung Ausgang fliegt. Als Shooter unterfordernd und als Plattformer simpel und in seinem Weltendesign zu oberflächlich gestrickt, ist es das Drängen aufs Tempo, das Velocity 2X zu einem so attraktiven und fesselnden Erlebnis macht. Einen Level zu knacken ist nicht schwer, schneller zu sein als die meisten anderen - das ist eine ganz andere Geschichte.

Das Ergebnis ist vom Fleck weg motivierend, weil man nur selten gebremst wird. Eingangs ist das Spiel sogar fast zu einfach, nach einer Weile aber ist man mit Angriffen aus verschiedenen Richtungen, farbcodierten Schalterfolgen und verzweigteren Routen doch in einem Maß gefragt, das mehr als bloße Reflexe einfordert. Zumal der Controller irgendwann überraschenderweise auch komplett mit Funktionen belegt ist, die im richtigen Moment nach ihrem Einsatz verlangen. In Anbetracht dessen ist es durchaus beachtlich, wie gut der Titel vor sich hinfließt, hat man erst einmal alle Abläufe verinnerlicht. Müsste ich meckern, würde ich anbringen, dass die unendlichen Leben und gönnerhaften Rücksetzpunkte vielleicht ein bisschen den Zug rausnehmen, den ein fairer Bosskampf oder ein wohl austarierter Level so mit sich bringen. Wer hängt, der hält mit dem Leben einfach wieder drauf, bis der Widerstand gebrochen ist. Hier haben es sich die Entwickler vielleicht ein wenig zu leicht gemacht.

Optisch macht der Titel auf der Vita fast eine bessere Figur als auf der PS4. Technisch, vor allem in Sachen absolut fließender Performance, sind beide Versionen identisch. Aber die sparsame Art-Direction mit großen einfarbig-pastellenen Flächen macht zwischen den Händen einfach besser als im Großformat. Auf dem kleinen Screen ploppen die Farben mit einiger Wucht und die phasenweise eintretende stilistische Beliebigkeit der Gänge und Tunnel fällt unter all den schönen Lichteffekten, die sich über die 2D-Motive legen, so gar nicht auf. Musikalisch gefällt das Spiel mit der gelassenen Sorte Dringlichkeit und Kompositionen, die von der Klangfarbe beinahe an Chris Hülsbecks Wirken in den Neunzigerjahren erinnern. Das passt nicht nur dem Ohr gut in den Kram, sondern steht auch dieser Synthese aus Draufsicht-Shooter und Jump-and-Run, wie man sie damals durchaus häufiger antraf, gut zu Gesicht.

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Zu einer 'Bullet Hell' wird der Shooter-Part zu keinem Zeitpunkt.

Spiele so schlecht, dass ihr es nicht glauben werdet: Die schlimmen 2000er Genug Trash auch in der Gegenwart Spiele so schlecht, dass ihr es nicht glauben werdet: Die schlimmen 2000er

Und doch ist es ein Spiel fürs Hier und Heute. Velocity 2Xs klassische Spielsysteme sind mit ihrer vorbildlichen Cross-Play- und Cross-Save-Integration und modernen Drehs vom Teleport bis hin zum online betriebenen Konkurrenzkampf wohlbehalten diesseits der 2010er angekommen. Es ist kein Spiel, das erprobten Erkundern genügen wird, dazu interessiert es sich trotz seiner sehr passabel erzählten Geschichte nicht genug für seine eigene Welt. Aber es fragt Geschick und schnelle Auffassungsgabe in einer Weise ab, die einen für kurze Schübe von fünf bis zwanzig Minuten erstaunlich gut die Zeit vergessen lässt.

Saubere, schnörkellose und niemals prätentiöse Eleganz, ganz ohne verkopfte Retro-Huldigung. Ein verflixt modernes Spiel im altmodischen Gewand.

8 / 10

Velocity 2X - Test Alexander Bohn-Elias Wer schneller spielt, hat früher Pause. 2014-09-12T09:00:00+02:00 8 10
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