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Project Spark - Test

Kann euch viel geben, wenn ihr euch darauf einlasst und vor allem viel Zeit mitbringt.

Baut eigene Welten, eigene Spiele, eigene Helden. Klappt sogar ganz gut, wenn ihr viel Zeit, Geduld und auch ein paar Ideen mitbringt.

Gestern fiel mir in Project Spark auf, dass der kleine Level, den ich in der Beta des Spielebaukastens erstellt hatte, schon wieder sieben Monate alt ist. Man kann also nicht behaupten, dass man dem Spiel keine ausführliche Beta-Phase gegönnt hätte. Nach all der Zeit ist dieses „Spiel", wenn man es so nennen mag, nun also in seiner finalen Form erhältlich. Und der eine oder andere von euch wird sich sicher fragen, ob er mit Project Spark etwas anfangen kann oder nicht.

Das ist eine wirklich gute Frage, denn für jedermann eignet sich der Spielebaukasten ganz sicher nicht. Eigentlich gibt es da nur zwei verschiedene Möglichkeiten. Nehmen wir mal an, ihr möchtet einfach nur spielen. Kein Problem, könnt ihr machen. Project Spark ist im Grundpaket kostenlos, also zieht es euch einfach auf die Festplatte und tobt euch mit den von der Community erstellten Kreationen aus. Dass eine der beliebtesten Userkreationen dann zum Beispiel „Instant Win for achievement" (neben diversen anderen, vergleichbaren Dingen) ist, überrascht mich dann auch nicht wirklich.

Das ist wie gesagt eine Seite der Medaille. Wenn ihr nur spielen wollt, dann tut das. Project Sparks richtiges Potenzial entfaltet ihr aber nur, wenn ihr auch selbst die Werkzeuge in die Hand nehmt und Level beziehungsweise Spiele erstellt. Aber dann müsst ihr auch bereit sein, Geld zu investieren, denn genau darauf bauen die Entwickler, um das Ganze zu finanzieren. Die Levelbauer unter den Spark-Spielern müssen wohl oder übel zur Kasse gehen, wenn sie sich wirklich austoben wollen, denn dahingehend betrachtet ist das Free-to-play-Grundpaket vergleichsweise mager.

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Das SciFi-Themenpaket ist im Starterpaket gleich mit dabei.

Im Spiel selbst findet ihr einen Marktplatz mit verschiedenen Zusatzinhalten. Ihr könnt hier unter anderem neue Charaktere kaufen, um diese in euren Spielen zu nutzen, sowie kleinere und größere Content-Pakete. Die sind wiederum in verschiedene Themenbereiche aufgeteilt, zum Beispiel „Burgschlüssel", „Ritterkaserne" oder „Wüstendünen", mit denen ihr jeweils über 40 neue Requisiten, Musikstücke und noch einiges mehr bekommt. Diese umfangreichen Themenpakete kosten dann aber auch 1.000 Münzen oder anders gesagt: 9,99 Euro. Warum man hier wieder umständlich auf eine virtuelle Währung setzt, die ihr erst einmal mit echtem Geld kaufen müsst, ist mir nicht ganz ersichtlich... Aber warum einfach, wenn es auch komplizierter geht.

Alternativ habt ihr auch die Möglichkeit, diese Pakete mit Punkten zu kaufen, die ihr euch im Spiel verdienen könnt. Das dauert eben ein gutes Stück länger (40.000 Punkte für eines der großen Themenpakete), als sie einfach sofort gegen Echtgeld freizuschalten. Diese Punkte bekommt ihr für das Erfüllen verschiedener täglicher und wöchentlicher Herausforderungen, aber auch für allgemeine Aufgaben, etwa das Aufrufen bestimmter Menüpunkte oder das Hinzufügen von 100 visuellen Effekten in euren Kreationen.

Im Handel gibt es wiederum ein Starterpaket für 30 bis 40 Euro, das euch den Einstieg erleichtern soll und einerseits ein paar vorgefertigte Quests, aber auch zwei ganze Themenpakete und weitere Extras enthält (mehr dazu im Kasten links). Dadurch habt ihr schon von Beginn an weit mehr Möglichkeiten als mit dem Free-to-play-Grundpaket, aber ihr müsst auch wirklich bereit sein, viel Zeit in Project Spark zu investieren und euch darauf einzulassen. Es ist mehr ein Starterpaket für Bastler als für Spieler.

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Die Quests der Entwickler veranschaulichen ganz gut die Möglichkeiten von Spark, sind erzählerisch aber eher mau.

Schnelle Erfolge kann hier aber grundsätzlich jeder erzielen. Dafür sorgt etwa der Levelgenerator, mit dem ihr euch vom Spiel selbst ein Grundgerüst zusammenstellen lasst und dann darauf aufbaut. Dort bestimmt ihr beispielsweise, ob ihr ein Third- oder First-Person-Spiel wollt, wie hoch der Wasserspiegel ist, welche Tageszeit herrscht oder welche Art von Welt (Wüste, Eis, Wald, etc.) ihr haben wollt. Oder ihr legt selbst komplett bei null los. Dank der Tutorials wird man auf den ersten Schritten gut begleitet und kann so vergleichsweise flott erste Resultate erzielen, aber wenn ihr wirklich komplexe Kreationen erschaffen wollt, braucht es mehr als nur ein paar oberflächliche Details.

Die Programmierung von NPC-Verhaltensweisen muss man erst einmal verstehen, ähnliches gilt für viele andere, tiefgreifendere Dinge, mit denen etwa verschiedenste Ereignisse ausgelöst werden und ähnliches. Kurz gesagt: Bis ihr all die Feinheiten versteht, die nötig sind, um wirklich anschauliche und gute Kreationen zu erstellen, braucht ihr Geduld. Das geht nicht mal eben so über Nacht.

Das Ganze kann ein wirklich mächtiges Werkzeug sein, sofern ihr euch denn damit auskennt. Ob ihr dann Dungeons, Täler, Luftschlösser oder was auch immer fabriziert, liegt alleine an euch. Die Quests der Entwickler, die zum Teil auch Bestandteil des Starterpakets sind, zeigen euch, was mit Project Spark in puncto Spielmechaniken alles möglich ist. Davon abgesehen sind sie aber erzählerisch bislang nur mäßig spannend (weitere Episoden sollen folgen).

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Mit dem Editor könnt ihr wirklich unzählige Dinge anpassen.

Die gebotene Kreativität beziehungsweise die Optionen, mit denen ihr eurer Kreativität freien Lauf lassen könnt, sind jedenfalls die Stärke von Project Spark und genau unter diesen Voraussetzungen ist es auch eine absolute Empfehlung. Ihr könnt so viele Details bei euren Kreationen anpassen - von individuellen NPCs bis hin zu eigenen, mit Kinect aufgenommenen Animationen -, dass sich daraus ein ganz individueller, unverwechselbarer Stil ergeben kann, sofern ihr es nur wollt.

Aber das braucht eben Zeit. Viel Zeit. Und auch ein wenig Geld, wenn ihr mehr von diesen Optionen haben wollt. Und wenn ihr in Project Spark genau dieses wunderbare Werkzeug seht und findet, kann es euch wirklich glücklich machen. Das Free-to-play-Grundpaket ist ein guter Einstieg, der euch etwas eingeschränkt mit den vorhandenen Tools experimentieren und zugleich die Kreationen anderer Nutzer spielen lässt. Das Starterpaket bietet wiederum eine Fülle von Zusatzinhalten, die besonders den Bastlern zugutekommen. Betrachtet Project Spark in der Free-to-play-Version im Grunde als eine Art umfangreiche Demo, aber wenn ihr das wahre Potenzial dieses Spielebaukastens entfesseln und selbst kreativ werden wollt, müsst ihr irgendwann Geld investieren. Und dahingehend lohnt sich das Starterpaket auf jeden Fall, wenn man die Einzelpreise der jeweiligen Inhalte bedenkt.

8 / 10

Project Spark - Test Benjamin Jakobs Kann euch viel geben, wenn ihr euch darauf einlasst und vor allem viel Zeit mitbringt. 2014-10-22T08:30:00+02:00 8 10
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