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Disney Infinity 3.0: Rise Against the Empire - Test

Wenn erzählerische Freiheiten nicht immer zu einem optimalen Ergebnis führen.

Fans der klassischen Trilogie müssen sich an größere Story-Anpassungen gewöhnen, die man mit etwas mehr Originalität hätte umgehen können.

Das Starter-Set von Disney Infinity 3.0 beziehungsweise das darin enthaltene Playset Twilight of the Republic ging genau den richtigen Weg. Es erzählte eine Geschichte zwischen Episode 2 und 3 und konnte sich so viele Freiheiten nehmen. Das nun für alle (zuvor war es exklusiv nur mit der Special Edition für die PlayStation-Versionen erhältlich) veröffentlichte Playset Rise Against the Empire macht jedoch den Fehler und versucht sich an einer Nacherzählung der klassischen Trilogie.

Warum Entwickler Studio Gobo beziehungsweise Disney diese Entscheidung trafen, ist mir nicht bekannt, aber es war nicht die cleverste Vorgehensweise. Viel sinnvoller wäre es gewesen, sich einfach irgendeine neue Story zwischen Episode 4 und 5 oder zwischen Episode 6 und 7 auszudenken, das ist sicherlich kein Ding der Unmöglichkeit bei diesem vielfältigen Universum. Auch dort hätte man nicht auf die bekannten Charaktere verzichten müssen.

So aber führt euch Rise Against the Empire mit Tatooine, Hoth und Endor auf gerade mal drei Planeten - hinzu kommt noch ein kurzer Abstecher auf beide Todessterne. Dass man hier und da was auslässt, okay, geschenkt, aber hier stimmt am Ende dann nur noch die grobe Prämisse der Story. Ein paar Beispiele: Direkt zu Beginn befinden sich Han, Chewie und Luke bereits auf der Tantive IV, die gerade von Vaders Sternzerstörer über Tatooine abgefangen wird.

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So, wie es sein sollte.

Der Höhepunkt von Episode 5, die Begegnung zwischen Vader und Luke, findet nun auf Hoth statt, das wundervolle Bespin ist gar nicht erst mit dabei, ebenso wenig Planeten wie Yavin oder Dagobah. Lando begegnet ihr stattdessen auf dem Waldmond Endor, der euch dort als Abgesandter der Rebellen empfängt. Es sind zum Teil diese prägenden Momente der Original-Trilogie, die Rise Against the Empire quasi komplett ignoriert und mitunter vollständig über den Haufen wirft.

In Anbetracht des Spielkonzepts ergeben diese Änderungen zwar durchaus Sinn, schließlich könnt ihr verschiedene Charaktere jederzeit spielen, sogar mit Vader auf Hoth gegen das Imperium kämpfen, aber deswegen wäre es von vornherein cleverer gewesen, sich wie bei Ninja Theorys Twilight of the Republic eben etwas Neues einfallen zu lassen, was in diesem Kontext mehr Sinn hat als das komplette Umkrempeln der ursprünglichen Filme.

Und genau das verleiht diesem Playset leider einen faden Beigeschmack, obwohl es sich abgesehen davon spielerisch auf einem ähnlichen Niveau wie Twilight of the Republic bewegt und dieses zuweilen sogar übertrifft - aber wie gesagt, ihr müsst dabei zahlreiche Veränderungen an der Story in Kauf nehmen. Ansonsten ähnelt der Ablauf dem vorherigen und den meisten anderen Playsets. In den Hub-Welten erledigt ihr eine Reihe von Story- und Nebenmissionen. Wie beim Starter-Set gilt, dass die Präsentation hier ein gutes Stück besser gelungen ist also noch in Disney Infinity 2.0. Alles fühlt sich lebendiger und besser ausgearbeitet an.

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Kurzer Zwischenstopp auf dem Todesstern.

Und trotz allem macht es dann doch Spaß, mit dem X-Wing durch den Graben des Todessterns zu fliegen, einen AT-AT auf Hoth zu besiegen oder sich in das Duell mit Vader zu stürzen. Wenn ihr euch an all das gewöhnen könnt, findet ihr gute Unterhaltung und die Entwickler haben sich bemüht, mit ihren Missionen einiges an Abwechslung zu bieten. Das eine oder andere Rätsel ist dabei, ihr müsst Dinge sammeln, Personen eskortieren, retten oder Gegner bekämpfen. Obwohl man zugeben muss, dass es schon ein wenig komisch aussieht, wenn man mit Prinzessin Leia Rebellen hochhebt und diese in ein Raumschiff wirft, damit sie entkommen können. Aber gut, Infinity richtet sich auch eher an das jüngere Publikum, da lasse ich das mal durchgehen. Niedlich sieht es ja schon aus - mit Ausnahme der Raumjäger, deren zurechtgestutzte Versionen wirken eher ein wenig merkwürdig.

Natürlich solltet ihr im Hinblick auf die Gestaltung der Schauplätze nicht den größten Realismus erwarten - ganz abgesehen davon, dass wir hier sowieso von Star Wars reden. Im Hub-Bereich auf Tatooine sind dadurch zum Beispiel Mos Eisley, Jabbas Palast und der Sarlacc recht nah beieinander platziert. Hat aber auch den Vorteil, dass ihr keine ewig langen Wege zurücklegen oder Ladepausen aussitzen müsst.

Abseits der Charaktere könnt ihr wieder zahlreiche verschiedene Fahrzeuge steuern, darunter Snowspeeder auf Hoth, AT-STs und Speeder Bikes auf Endor oder einen Skyhopper auf Tatooine. Darüber hinaus treibt ihr euch mit X-Wing, Millennium Falcon und Co. im Weltraum herum. Im Zusammenspiel mit diversen vertrauten Locations, der Originalmusik und den passenden Soundeffekten ergibt sich eine gelungene Star-Wars-Atmosphäre, auch wenn es ein wenig schade ist, dass man im Gegensatz zu Twilight of the Republic hier mit Ausnahme von R2-D2 nicht die Originalsprecher für die Protagonisten mit an Bord geholt hat.

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Rundflug über Tatooine.

Bestandteil des Playsets sind die beiden Figuren von Luke und Leia, zusätzlich gibt es aus dieser Zeitepoche noch Chewbacca, Han und Darth Vader als Figuren zu kaufen. Yoda und Obi-Wan sind zwar ebenfalls erhältlich, aber in der Clone-Wars-Variante, Boba Fett ist unterdessen noch nicht einzeln verfügbar (war ebenfalls Bestandteil der Special-Edition für die PlayStation-Konsolen). Die Qualität der Figuren stimmt wieder einmal und wenn ihr nicht mehr mit ihnen spielt, machen sie sich auch ganz gut im Regal, in der Vitrine oder wo immer ihr sie unterbringt.

Alles in allem ist das Playset, wie schon Twilight of the Republic, spielerisch eine durchaus unterhaltsame Angelegenheit, die sich primär an das jüngere Publikum richtet. Die Star-Wars-Veteranen unter euch dürften sich dabei aber vielleicht an den diversen Änderungen des Handlungsverlaufs stören. Eine eigenständige Geschichte wäre hier wirklich sinnvoller gewesen. Meine Befürchtung ist, dass das kommende Playset zu The Force Awakens genau das gleiche Problem haben wird. Unterm Strich ist Rise Against the Empire somit kein Must-Have, aber dennoch für ein paar Stunden zusätzlicher Unterhaltung gut.

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