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Galak-Z - Test

Feinfühliges, rasantes Weltraum-Geballer - jetzt nicht mehr nur für die Härtesten unter euch!

"Roguelite" ist ja mittlerweile so etwas wie ein Running Gag, über den schon länger keiner mehr lacht. Alles ist "Roguelite" heute, selbst im letzten Need for Speed fuhr stets die Angst um verlorenen Spielfortschritt mit. So bemüht der durch den Erfolg von Demon's Souls angeregte "Ich-auch"-Effekt aber manches Mal auch scheint, als Gegenbewegung zum Casual-Begriff war die Verhärtung jahrelang aufgeweichter Spielgewohnheiten trotzdem eine willkommene Kurskorrektur.

Als Galak-Z vor zwei Monaten auf der PlayStation 4 erschien, war seine Erbarmungslosigkeit dennoch den vielen zu bitter: In diesem Von-oben-Shooter mit freier Bewegung in abgesteckten Arealen sammelte man reihenweise interessante Upgrades, wählte seine Gefechte mit Bedacht - und musste trotzdem eine fünf Missionen umfassende "Staffel" komplett abschließen, um zu speichern. Starb man, konnte man zwar in der aktuellen Staffel wiedereinsetzen, aber ohne die gesammelten Extras. Lediglich die Blaupausen über neue Technologien, die man fand, waren dann noch im Ausrüstungsgeschäft vertreten - mussten aber erst gekauft werden.

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Je länger ihr einen Feind im Zielkegel eurer begrenzt vorhandenen Raketen haltet, desto größer und vernichtender der Schwarm, den ihr loslasst.

Natürlich zog das die aus anderen Rogue-artigen altbekannte Schwierigkeitsspirale nach sich, auf der nach einer Niederlage häufig nur eine weitere folgt. Hier setzt Entwickler 17Bit an: Zwar bezeichnet man den Rogue-Modus weiterhin als "die wahre Art" Galak-Z zu spielen, aber ein neuer Arcade-Modus, zu dem man auch zwischen den freigespielten Staffeln wechseln kann, sichert Fortschritt und Ausstattung mit jeder absolvierten Mission und nimmt dem Prozedere viel von seinem Schrecken. Auch den Rogue-Modus hat man mit etwas besser balancierter Extra-Verteilung ein bisschen entzahnt. Der hohe Schwierigkeitsgrad ist demzufolge kein Ausschlusskriterium mehr, wenn man sich ansonsten für den Mix aus Erkundung, Space-Shooter und Mech-Kampfspiel interessiert.

Und der ist 17Bit einfach wundervoll gelungen. Von oben blickt ihr auf einen Weltraum voller Asteroiden und Space-Schrott und setzt euch bei der Suche nach feindlichen Satelliten, neuen Technologien oder zu sabotierenden Anlagen gegen das Imperium, Weltraumkäfer und wahnsinnige Piraten zur Wehr. Das Level-Design stellt in dem Fall ein ausgefeilter Algorithmus, der nach prozeduralem Verfahren ausgehöhlte, gigantische Asteroiden und Wracks gigantischer Kriegsschiffe mit Tunnelsystemen, Lava-Pools, reichlich Explosiva und raumschifffressenden Pflanzen versieht. Euer Schiff, die titelspendende Galak-Z, könnte dabei direkt aus der Anime-Serie Macross kommen und kennt ergo zwei Fortbewegungsmethoden, die mit Twin-Stick-Shootern nichts, aber auch gar nichts zu tun haben: Einmal als an Battlestar Galactica angelehnter Raumjäger mit analogem Schub, Boost-Taste, Ausweichrolle und seitwärts Strafe, und kann sich in der Schwerelosigkeit des Raums auch lautlos treiben lassen, um nicht von Feinden geortet oder gehört zu werden.

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Links ich, untergetaucht in Lava dank feuerfestem Upgrade - rechts der Feind, den ich in der Hitze meiner Eruptionen grille.

Letzteres beherrscht der auf Knopfdruck aktivierbare Mech-Modus zwar auch, aber ihm geht es im Gegensatz zur verschieden konfigurierbare Arten von Lasern spuckenden Jäger-Form eher um Nahkampf mit Schwert, Blocken von Schüssen mit einem Energieschild und Aktionen mit seinem Greifhaken. Mit ihm schnappt ihr euch etwa einen besonders hartnäckigen Gegner und schleudert ihn in eine der Umgebungsgefahren oder die Konkurrenz von einer der beiden anderen Fraktionen. Der Feind meines Feindes... Im Verlauf der insgesamt 25 Missionen entwickelt sich einfach ein packendes Wechselspiel zweier Aggregatszustände eures Weltraum-Transformers, das präzise Kämpfe mit mit großer Anmut und Präzision ermöglicht.

Gerade die zufällig verteilten neuen Technologien prägen nachhaltig, wie ihr die Level vor euch angeht. Eure Hauptwaffe besteht aus fünf austauschbaren Elementen: Mündung, Projektilform, Schussmuster, Elementarladung und Projektil-Spezialität, mit denen ihr durch Ausrüstung entsprechender Teile aus den euch zur Verfügung stehenden Mitteln das herauskocht, das eurer Spielweise am nächsten kommt. Dazu gibt es Schiffsupgrades wie dickere Schilde, stärkere Panzerung (mehr Trefferpunkte auf der jeweiligen Leiste) und sogar besonders coole Perks, etwa eine giftige Außenhaut oder einer Unempfindlichkeit gegenüber Feuer. Gerade Letzteres ist eine Wonne, wenn man eine Übermacht an Gegnern zu einem Lavasee lockt, in diesen hineintaucht und im Rückwärtsflug aus der glühenden Suppe hinausschießt, um seinen Verfolgern tödliche Eruptionen entgegenzuschleudern.

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Mit der Zeit spielen Umgebungsgefahren wie explosive Behälter, unter Druck stehende Leitungen und Lavafelder eine immer größere Rolle.

Spiele so schlecht, dass ihr es nicht glauben werdet: Die grausigen 90er In den Abgründen des 2D-3D-Wechsels Spiele so schlecht, dass ihr es nicht glauben werdet: Die grausigen 90er

Galak-Z ist eines dieser Spiele, in denen Retro-Befindlichkeiten auf die Wunder modernen Spieldesigns treffen und die dadurch traditionell, aber zu keiner Sekunde altbacken wirken. Es ist eine aufregende, spannende und actionreiche Weltraum-Erkundung, auf dem schmalen Grat zwischen Vorsicht und Abenteuerlust den Schubhebel vor durchdrücken lässt, jetzt dank Arcade-Modus auf Wunsch - und per Update auch auf PS4 - noch etwas größer darin, euch etwaige Schlampigkeit oder Torheit zu verzeihen. Ständig wägt man ab, ob man sich für ein bisschen Schrott, der Spielwährung, in einen gefährlichen Kampf begeben soll, oder sich doch lieber im lautlosen Treibemodus zur Zielmarkierung aufmacht. Regelmäßig entlockt man seinem Schiff dabei neue tollkühne, pixelgenaue Manöver, die dem actionreichen Zeichentrickserien-Format der Präsentation vollauf gerecht werden.

Also, ja: Tatsächlich ist vieles heutzutage irgendwie "Roguelite" - so etwas wie Galak-Z gibt es trotzdem kein zweites Mal.

Galak-Z - Test Alexander Bohn-Elias Feinfühliges, rasantes Weltraum-Geballer - jetzt nicht mehr nur für die Härtesten unter euch! 2015-10-29T13:13:00+01:00 4 5
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