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Star Wars: Battlefront - Test

Verdammt guter Fan-Service, der aber noch an ein paar Problemchen krankt.

Sie haben es geschafft. Nach der Beta und der EA-Access-Phase war ich bereits vorsichtig optimistisch, was den Launch von Star Wars: Battlefront anbelangt. Doch schlussendlich haben mich die Entwickler nicht enttäuscht, insofern kann ich DICE und EA nur zu einem überwiegend reibungslosen Verkaufsstart gratulieren. Es ist zwar ein wenig traurig, dass man so etwas heutzutage noch extra betonen muss, aber wir kennen ja alle die Realität und wie schwer sich Online-Spiele oftmals beim Start tun.

Und da Battlefront funktioniert, können wir uns hier auch ganz auf die vielen tollen Star-Wars-Momente konzentrieren, die euch das Spiel immer wieder präsentiert. Ich erinnere mich da an ein Walker-Assault-Match auf Tatooine vom Freitag. Das Imperium marschierte scheinbar unaufhaltsam in Richtung Sieg und stand kurz davor, den startenden Transporter der Rebellen in Millionen kleine Stücke zu schießen, aber ich und meine Rebellenkollegen konnten die wenigen Y-Wing-Angriffe zum Schluss gut nutzen. Ich hatte mir zuvor extra einen der Snowspeeder gesichert und näherte mich im Tiefflug einem der AT-AT-Kampfläufer, um das Seil meiner Harpune an dessen Beinen zu befestigen und ein paar Runden um ihn herum zu drehen, ganz wie in Das Imperium schlägt zurück. Nicht lange danach sank der Stahlkoloss zu Boden, wenige Sekunden später folgte der zweite AT-AT, weil ein Teamkollege genau den gleichen Gedanken hatte.

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Den Rebellen fällt es etwas leichter als noch in der Beta, die AT-ATs zu Fall zu bringen. Gutes Teamwork ist gefragt.

Das sind Erfolgsmomente, in denen ihr vor dem Bildschirm sitzt und die Faust zum Sieg ballt, weil es buchstäblich in letzter Sekunde geklappt hat. Ihr feiert aber nicht alleine das, was dort gerade passiert ist, sondern zugleich die Art und Weise, wie es euch hier präsentiert wird. Technisch gesehen ist Battlefront ein echtes Meisterwerk geworden, es ist ohne Frage eines der bisherigen Highlights dieser Konsolengeneration. Es ist dieser Mix aus wunderschöner Grafik und der perfekt darauf abgestimmten Soundkulisse, die euch mit jedem neuen Match begeistern wird. Ob es nun die vertrauten Designs sind oder die bekannten Geräusche von Blastern, Kampfläufern oder Raumschiffen, in jeder Sekunde versprüht Battlefront dieses geniale Feeling der klassischen Star-Wars-Trilogie.

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Ob nun mit Kampfläufern am Boden und Jägern am Himmel gekämpft wird, stets entsteht eine richtige Schlachtenatmosphäre. Es kracht und rummst an jeder Ecke, der Bildschirm wackelt, die Explosionen dröhnen aus den Boxen und lassen euch schon fast selbst in Deckung gehen. Viel besser geht es momentan einfach nicht und jedes Match entfacht in mir immer wieder einen Teil dieser kindlichen Freude, die ich damals beim ersten Anschauen der ursprünglichen Trilogie verspürte.

Kritisiert wurde Battlefront ja vorab für seine nicht gerade große Menge an Inhalten. Und obwohl ich das zum Teil nachvollziehen kann, bin ich doch der Meinung, dass das Spiel genügend zu bieten hat, um seinen Preis zu rechtfertigen. Es gibt derzeit vier Planeten (bald fünf mit der kostenlosen Jakku-Erweiterung), auf die insgesamt neun Multiplayer-Modi entfallen wiederum zwölf Maps. Die größten Schlachtfelder sind für die Spielvarianten Vorherrschaft und Kampfläufer-Angriff reserviert, die restlichen Karten sind etwas gemütlicher, aber passen zu den jeweiligen Spielmodi.

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Immer wieder ein schöner Anblick, wenn ihr eher den Rebellen zugeneigt seid.

Neben diesen beiden erwähnten Modi haben es mir auch einige der alternativen Varianten angetan. Ich mag zum Beispiel Helden vs. Schurken, in denen Han, Leia und Luke gegen Darth Vader, den Imperator und Boba Fett antreten - jeweils mit drei zusätzlichen Soldaten zur Unterstützung. Spannend sind außerdem Droidenalarm oder Abwurfzone, in denen sich beide Teams taktisch klug aufteilen und eroberte Droiden beziehungsweise Drop Pods verteidigen müssen, damit der Gegner nicht die Oberhand gewinnt. Hinzu kommen übrigens noch verschiedene Solo-Missionen, -Schlachten und die Survival-Einsätze, die ihr wahlweise gemeinsam mit einem Freund bestreiten könnt und euch vor verschiedene Herausforderungen stellen, mit denen ihr euch wiederum weitere Credits für das Freischalten neuer Waffen, Sternkarten oder Charakteranpassungen verdient - und das zum Teil auf eigenen Maps. Von einem „inhaltsarmen" Spiel, wie ich es hier und da gelesen habe, kann da insgesamt keine Rede sein.

Spielerisch ist Battlefront eher auf Zugänglichkeit getrimmt. Was nicht heißen soll, dass es keinen Anspruch bietet, denn Teamwork und die richtige Ausrüstung für bestimmte Modi und Maps sind auf jeden Fall entscheidend für den Ausgang der Matches. Aber wenn ihr einen Shooter sucht, in den ihr schnell hineinfinden könnt und den ihr immer mal wieder ein, zwei Stunden spielen wollt, ohne euch groß den Kopf zerbrechen zu müssen, macht ihr damit garantiert nichts falsch. Ich vergleiche das Spiel gerne mit Plants vs. Zombies: Garden Warfare, in das ich über 400 Stunden investiert habe. Ein ebenso zugänglicher Online-Shooter, bei dem ihr aber ohne Teamwork nicht weit kommt und der gleichermaßen verschiedene Waffen und Fähigkeiten bietet.

Und ähnliches gilt für Battlefront. Es mag offiziell zwar keine unterschiedlichen Klassen geben, aber dennoch könnt ihr etwa unterschiedliche Loadouts erstellen, deren Fokus sich mehr auf die Bekämpfung von Fahrzeugen oder Fußsoldaten richtet - ob nun im Nahkampf oder über größere Distanzen hinweg. Wie schon kurz angesprochen, schaltet ihr mit der Zeit zahlreiche Sternkarten oder Waffen frei, die für unterschiedliche Spielweisen genutzt werden können. Es gibt zum Beispiel Blasterpistolen, die vor allem im Nahkampf nützlich sind, größere Gewehre, die langsam feuern, aber auch auf größere Distanz ordentlich Schaden verursachen, und die Standardgewehre, die einen guten Mix aus beidem darstellen. Was davon perfekt zu euch passt, ist eine Frage des Geschmacks, aber es lohnt sich, alle mal auszuprobieren. Sternkarten bescheren euch unterdessen Extras wie Granaten, ein Sprungpack, einen Ionentorpedo oder Scharfschützengewehre, die ihr übrigens nach der Freischaltung noch ein weiteres Mal aufrüsten und somit die Abklingzeiten verringern könnt.

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Die Helden bringen Abwechslung ins Spielgeschehen, Boba Fett ist derzeit aber etwas zu stark.

Trotz all der Begeisterung, die Battlefront in mir entfacht, ist das Spiel jedoch nicht frei von Fehlern oder Kritikpunkten. Ich hatte es in meinem Ersteindruck schon erwähnt, aber ein echtes Squadsystem würde dem Spiel guttun und eine größere taktische Koordination einzelner Grüppchen ermöglichen. Derzeit müsst ihr euch darauf verlassen, dass eure Teamkollegen wissen, was sie da tun - und das ist nicht immer der Fall. Es wäre toll, wenn DICE ein solches System nachträglich ergänzt. Das Interessante daran ist, dass derzeit zwar im Grunde jeder für sich selbst kämpft, aber selbst daraus entsteht mitunter schon gutes, erfolgreiches Teamplay. Das von Haus aus besser zu unterstützen, würde jedoch garantiert niemandem schaden.

Ebenso sollte man sich noch mal das Spawnsystem durch den Kopf gehen lassen. Es ist grundsätzlich nicht verkehrt, weil ihr schnell wieder in der Schlacht kommt, kein minutenlanger Leerlauf entsteht und trotz „nur" 20 Spielern auf beiden Seiten in den großen Modi das Gefühl habt, dass sich viel mehr Soldaten auf den Maps tummeln. Es kommt quasi konstant Nachschub, der diesen Umstand geschickt kaschiert. Aber das ist nicht das eigentliche Problem. Einerseits wäre es schön, wenn man selbst entscheiden könnte, an welchem Punkt man wieder spawnt - diese Entscheidung trifft das Spiel derzeit automatisch.

Andererseits braucht es noch ein paar Optimierungen, da manche Spawnpuntke unter bestimmten Umständen gleich wieder unter Beschuss genommen werden können, insbesondere von den AT-ATs, die kurzen Prozess mit Fußsoldaten machen. Ein wenig Feinschliff ist in diesem Bereich also nach wie vor vonnöten. Außerdem gibt es aktuell noch einen nervigen Bug beziehungsweise Glitch, der Spieler unter spezifischen Voraussetzungen unverwundbar werden lässt - aber ich gehe mal davon aus, dass DICE das mit dem nächsten Patch aus der Welt schaffen wird. Glücklicherweise ist mir das bislang nur in einem Match bei einem Gegner aufgefallen.

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Die Mühle ist ja nur Schrott.

Auch ansonsten hat man das Gefühl, dass Battlefront hier und da noch einige Anpassungen am Balancing nötig hat. Im Jägerstaffel-Modus, der übrigens wirklich kurzweilig ist und vor allem die Lust auf ein neues Rogue Squadron weckt, fühlen sich die Slave 1 und der Millennium Falcon etwas overpowered an - besonders dann, wenn sie sich ohne große Nachteile den Weg durch Gegner hindurch rammen. Und auch am Boden fühlt sich Boba Fett ein wenig zu mächtig an. Seine Blasterschüsse sind selbst über größere Distanzen hinweg absolut tödlich, sodass man ungern gegen ihn spielt, zumal er mit seinem Jetpack noch weitaus mobiler und schwerer zu treffen ist als die restlichen Helden und Schurken.

Insgesamt könnt ihr in Battlefront übrigens bis auf Rang 50 aufsteigen. In meinen zehn Stunden der EA-Access-Phase erreichte ich Rang 14 und das Spiel vermittelte den Eindruck, man könne wirklich schnell aufsteigen. Aber nach diversen Stunden mehr in der Vollversion pendelt sich das langsam ein und ihr braucht für jeden einzelnen Rang immer mehr erreichte Punkte, was entsprechend Zeit in Anspruch nimmt. Rang 50 zu erreichen, dürfte euch also sicherlich einige Wochen beziehungsweise Monate beschäftigen - das hängt aber letzten Endes davon ab, wie oft ihr spielt, wie erfolgreich ihr seid und wie viele Herausforderungen ihr währenddessen erfüllt.

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Die Raumjäger lassen sich mit dem Gamepad wunderbar steuern und können eine gute Unterstützung für die Truppen am Boden sein.

Viele Jahre lang habe ich mir ein neues Battlefront gewünscht und nun hat DICE endlich geliefert - und wie. In technischer Hinsicht begeistert mich das Spiel mit jedem Mal aufs Neue, spielerisch setzt man auf Zugänglichkeit, ohne den Anspruch komplett aus den Augen zu verlieren. Und auch den Launch hat man problemlos bewältigt. Trotz all der Kritik in puncto Inhalt oder Gameplay erfüllt Battlefront ein äußerst wichtiges Kriterium: Es macht wahnsinnig viel Spaß. Neben mächtigen Kampfläufern in die Schlacht zu ziehen, mit dem X-Wing TIE Fighter in Stücke zu schießen oder sich mit Darth Vader durch die Reihen der Rebellen zu schnetzeln, sorgt vor der überaus prächtigen Grafik- und Soundkulisse stets dafür, dass ich wie ein kleines Kind mit leuchtenden Augen vor dem Bildschirm sitze und mich an dem ergötze, was ich da zu sehen und zu hören bekomme. Und dabei ist das Spiel weit entfernt davon, nur ein Grafikblender zu sein. Star Wars: Battlefront ist einfach purer, verdammt guter Fan-Service für diejenigen, die die Originaltrilogie lieben - ein bisschen nachträglichen Feinschliff braucht es aber noch.

Star Wars: Battlefront - Test Benjamin Jakobs Verdammt guter Fan-Service, der aber noch an ein paar Problemchen krankt. 2015-11-22T13:42:00+01:00 4 5
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