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Amplitude - Test

Zurück zu den Wurzeln.

Das neue Amplitude ist eine gelungene Aufbereitung des PS2-Originals mit leichten Schwächen.

Über Musikgeschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten. Deswegen schwanken wahrscheinlich auch die bisherigen Wertungen von Amplitude so stark. Was ich allerdings nicht verstehe, ist der Schrei nach lizenzierten Tracks. Fast alle der insgesamt 30 Songs stammen von Harmonix selbst, was vor knapp zwei Jahren während der erfolgreichen Kickstarter-Kampagne ehrlich kommuniziert wurde. Und genau darin sehe ich sogar die Stärke.

Nach ein paar Runden mit dem neuen Amplitude legte ich zum Vergleich noch einmal meine angestaubte Version des PS2-Originals in die alte Konsole. Obwohl sich das Spielprinzip kaum unterscheidet, passten die meisten Songs überhaupt nicht zu den Mechaniken. Da man in Amplitude die einzelnen Instrumente auf separaten Spuren spielt und aktiviert, vermisse ich besonders bei zahlreichen Pop- oder Rock-Songs einen komplexen Aufbau. Zudem hört es sich nicht gut an, wenn bei Liedern wie I Am Hated von Slipknot plötzlich zentrale Bestandteile wegfallen.

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Trotz des geringen Budgets sieht Amplitude einfach fantastisch aus.

Elektronik passt daher wesentlich besser zum Gameplay und Harmonix konnte die eigenen Songs perfekt an die Spielstruktur anpassen. Jedes Stück beginnt mit einem simplen Beat und man fügt in geregelten Abständen andere Facetten hinzu, wobei je nach Zusammensetzung vollkommen verschiedene Kreationen entstehen, die sich dennoch stets gut anhören. Jeder vom Spieler erschaffene Aufbau eines Songs wirkt beabsichtigt und komplett. Man bearbeitet die Lieder und erschafft sich dabei eine persönliche auditive Erfahrung. Harmonix will euch die Transformation von Musik mit einfachen Mitteln ermöglichen, weshalb der Soundtrack des neuen Amplitude so hervorragend funktioniert. Aber falls einem die Klänge nicht gefallen, nützt es leider wenig. Ich bin jedenfalls großer Fan der Musik und warte deshalb verzweifelt auf einen offiziellen Soundtrack-Release, damit ich die Stücke auch ohne Effektgeräusche in Ruhe genießen kann.

Ansonsten gibt es über das restliche Spiel nicht viel zu erzählen. Wie bereits erwähnt, wird jedes Bestandteil eines Songs durch eine separate Spur repräsentiert. Über die Schultertasten aktiviert man die Noten und sobald ihr einen farblich markierten Bereich ohne Fehler abschließt, sucht ihr euch die nächste Spur aus. Schafft ihr den Übergang ohne Patzer, erhöht sich der Multiplikator. Ziemlich simpel und leicht zu verstehen.

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Der Multiplayer funktioniert aktuell nur lokal.

Einziges Problem bei der Steuerung ist die R2-Taste. Im Gegensatz zum Dualshock 2 sind die Trigger des PS4-Controllers wesentlich tiefer und erfordern demnach eine dezent längere Fingerbewegung. Hört sich vielleicht blöd an, aber besonders auf den höheren Schwierigkeitsgraden kann das Spielen äußerst anstrengend werden. Zum Glück existieren verschiedene Tastenkonfigurationen, trotzdem fühlt es sich seltsam an, die Face-Buttons zeitgleich mit den Schultertasten nutzen zu müssen. Am Controller kann Harmonix leider nichts ändern, und das ist zumindest der bestmögliche Kompromiss.

Ebenfalls nervig ist das aufgezwungene Freischalten zusätzlicher Songs. Über den Verlauf der kurzen Kampagne spielt ihr nur die ersten 15 Lieder. Die andere Hälfte muss anschließend durch mehrfaches Komplettieren der anwählbaren Tracks Stück für Stück hinzugefügt werden. Fühlt sich für mich stark nach Spielstreckung an und hindert eher meinen Spaß. In einem Spiel, bei dem die freie Auseinandersetzung mit Musik im Vordergrund steht, fühlt sich diese Zwangsprogression irgendwie rückständig an.

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Warum?!

Amplitude ist schlussendlich genau das, was Harmonix zu Beginn ihrer Kickstarter-Kampagne versprachen: eine treue Umsetzung des PS2-Originals ohne große Veränderungen. Es sieht schön aus, hört sich ebenso großartig an und die Musik ist wesentlich besser auf das zufällige Zusammenspiel der einzelnen Bestandteile abgestimmt als im Vorgänger. Allein der für das Spiel unpassende Trigger des Controllers sowie die unnötige Restriktion des halben Soundtracks halten das volle Potenzial ein wenig zurück. Amplitude ist sicherlich keine Offenbarung im Genre der Rhythmusspiele, aber ein mehr als solider Eintrag. Außerdem ist es immer schön, die Auferstehung vergessener Retro-Klassiker zu erleben.

Amplitude - Test Björn Balg Zurück zu den Wurzeln. 2016-01-14T12:00:00+01:00 3 5
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