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Age of Mythology: Tale of the Dragon - Test

Bleibt lieber beim Original.

In der Theorie klingt neuer Inhalt für den Strategieklassiker ja ganz schön, aber Tale of the Dragon wirkt eher wie eine unfertige Mod.

Die Neuveröffentlichungen von Age of Empires 2 oder Age of Mythology sind eine gute Gelegenheit, sich noch einmal oder zum ersten Mal überhaupt mit diesen Klassikern des Strategiegenres zu beschäftigen - in beiden Fällen eine sehr lohnende Angelegenheit. Für Age of Empires 2 HD folgten sogar noch zwei neue Erweiterungen, die überwiegend positiv aufgenommen wurden. Das hat die Macher wohl beflügelt, bei Age of Mythology etwas ähnliches zu versuchen, allerdings haben sie hier leider eine ziemliche Bauchlandung hingelegt.

Seit dem 28. Januar ist Tale of the Dragon erhältlich und... nun, macht im jetzigen Zustand nicht wirklich Spaß. Dabei hätte es theoretisch ganz gut werden können, konzentriert sich die Erweiterung doch auf die asiatische Mythologie und die Chinesen als neue spielbare Fraktion. Viel Spielraum für Kreativität, allerdings fühlt sich das alles beim Spielen nicht nach etwas an, mit dem ihr das Spiel von einer gänzlich neuen Seite erleben könntet. Dafür ähnelt die neue Fraktion den alten einfach zu sehr.

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Die Chinesen unterscheiden sich nicht allzu sehr von den anderen Fraktionen.

Dieser Innovationsmangel setzt sich trotz einiger guter spielerischer Ansätze bei den Einheiten fort. Es gibt zwar Affenkönige, Terrakotta-Soldaten oder Azurdrachen, aber der Großteil der „neuen" chinesischen Einheiten und Gebäude basiert schlicht auf Reskins vorhandener Modelle - oder aber es wurden einfach Tiere größer gemacht. Das spricht nicht gerade für eine sehr motivierte Entwicklungsarbeit und hinterlässt eher den Eindruck einer kostenpflichtigen Mod, die manch andere aber vermutlich sogar besser hinbekommen würden.

Abseits dessen stimmt es aber auch auf der technischen Seite nicht. Schon die ersten Zwischensequenzen sorgen mit einigen Grafikfehlern für einen nicht gerade erbaulichen Ersteindruck, zudem erkennt man dadurch an vielen Ecken und Kanten die Einschränkungen der alten Engine, die das Spiel antreibt. Wenn ich aber an die ganzen Bugs denke, die mir beim Spielen aufgefallen sind, könntet ihr das Gefühl bekommen, Tale of the Dragon befinde sich noch in einer Art Early-Access-Phase.

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Von der Qualität der Erweiterungen für Age of Empires 2 HD ist Tale of the Dragon weit entfernt.

Schön wäre es, dann hätte man zumindest eine Entschuldigung für die ganzen Fehler, aber nein, das hier ist eine ganz normale Veröffentlichung. Mir war es zum Beispiel trotz zahlreicher Versuche nicht möglich, Einheiten in Gebäuden oder Wachtürmen zu stationieren, ich konnte keine Reliquie aufnehmen, die ich für die Erfüllung eines optionalen Missionsziels benötigt hätte, oder einen feindlichen Mönch nicht mal attackieren. Und das sind nur einige Dinge, die Probleme reichen von Schwierigkeiten im Zusammenhang mit installierten Mods über Spielabstürze bis hin zu Multiplayer-Problemen und einem nicht ausgereiften Balancing.

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Kurz gesagt: Tale of the Dragon befindet sich derzeit in einer sehr ungeschliffenen Form. Aber selbst, wenn man es schafft, alle Bugs und Probleme zu beseitigen, bleibt noch immer der Eindruck einer halbgar entwickelten Mod, die hier für zehn Euro verkauft wird. Und das hat Age of Mythology nicht verdient, vor allem nicht nach den eigentlich ganz guten Erweiterungen für Age of Empires 2 HD. Da stellt sich natürlich die Frage, warum man überhaupt dafür zahlen sollte? Genügend andere Mods, die euch etwas Abwechslung bescheren, findet ihr auch im Steam Workshop. Ansonsten solltet ihr in der aktuellen Fassung unbedingt die Finger von Tale of the Dragon lassen. Beschäftigt euch doch einfach noch etwas mehr mit dem Hauptspiel, davon habt ihr weit mehr.

Age of Mythology: Tale of the Dragon - Test Benjamin Jakobs Bleibt lieber beim Original. 2016-02-04T09:00:00+01:00 1 5
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