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Poochy & Yoshi's Woolly World - Test

Aus dem Ärmel geschüttelt.

Ein süß gestaltetes, spaßiges Spiel für unterwegs, ohne dass es jenseits kleinerer Portionierungen fesselt oder ewig hängen bleibt.

Als Yoshi's Woolly World vor eineinhalb Jahren für die Wii U erschien, kippte es rasch aus meiner Spielrotation. Die Prämisse etwas verwinkelter Jump-and-Run-Level mit mehr Sammelei als Herausforderung traf in der ersten Welt nicht unbedingt meinen Nerv. Oder einfach nicht die damalige Tagesform, weshalb ich irgendwann den Faden verlor. Alles danach kannte ich bisher nur von meinem neunjährigen Neffen, der das den ganzen Tag spielen könnte. Strahlend wie die sich mit dämlichem Grinsen gen Wolken zwirbelnden Sonnenblumen und quiekend wie der Dino selbst, den man durch eine aus verschiedensten Stoffen gestrickte, gehäkelte und wie auch immer handgearbeitete Welt begleitet.

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Alles bunt und furchtbar knuffig. Und das ist durchaus ein Kompliment, sieht man das Spiel in Bewegung.

Poochy & Yoshi's Woolly World ist nun die inhaltlich leicht erweiterte 3DS-Version dieser textilen Feel-good-Angelegenheit und verantwortlich für einige vergnügliche Bahnfahrten. Bis zu dem Ausstiegspunkt, der mit einem blau-weißen Schild als "Gesundbrunnen" an mir vorbeizog, weil ich gerade damit beschäftigt war, wollenen Shy-Guys die Nähte zu ziehen und Wolkenaffen mit Melonenkernen zu bespucken.

Die Herausforderung in den ersten Welten ist ebenso begraben unter der kariessüßen Fassade, wie man zunächst eher aus Sympathie gegenüber der Aufmachung weiterspielt. Es ist eben ein Nintendo-Spiel (entwickelt vom japanischen Studio Good-Feel, verantwortlich u.a. fürs stilistisch ähnliche Kirby's Epic Yarn) mit entsprechender Produktionsqualität, die eine Menge trägt und ohne weiteren Input schon mal für eine angenehme Zeit sorgt. Kein Meter bleibt dem Zufall überlassen, egal ob der Level "Wurstls Schloss", "Schnappnaht-Gebirge" oder "Flauschvogel-Flugschule" heißt. Nichts befindet sich hier "einfach nur so", seien es mit Wollknäueln zu füllende Plattformen oder abseitig unerreichbar scheinende Vorsprünge, die nur durch einen Hopser auf einen Gegnerkopf davor in greifbare Nähe rücken.

Trotzdem, wer zwei, drei von links nach rechts gerichtete Jump-and-Runs hinter sich hat, erfährt bestenfalls eine süß aufgemachte Übung. Es sind keine Stages, an denen man sich in aufgeheizter Abfolge des Scheiterns festbeißen kann wie in Donkey Kong Country Returns. Mit dem verbinde ich einen der am schnellsten verstrichenen Drei-Stunden-Flüge meines Lebens. Gegen Welt 8 ankämpfend schlug ich nach jedem knapp verfehlten Vorsprung auf den Ausklapptisch am Vordersitz, während mein Sitznachbar unbeirrt Sudokus löste. Jedenfalls tat er so. Schien ein netter Kerl zu sein, im Reinen mit sich, aber auch heilfroh, als der Pilot endlich zum Landeanflug auf Tegel ansetzte.

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Yoshi und Poochy dagegen, sagen wir, es ist schön, wie zufrieden und ausgeglichen man nach ein, zwei bewältigten Leveln aus der S-Bahn steigen kann, runter zur U-Bahn, hinein und noch einen Abschnitt. Mehr nicht und nie zu viel am Stück. In solchen Dosen verabreicht ist Woolly World ein sehr solider Begleiter. Man muss sich nie hineindenken oder nach dem Aufklappen des 3DS erst mal überlegen, was los war (zu erzählen hat das Spiel abseits der üblichen Nintendo-Soap ohnehin nichts). Zumal es in den hinteren Welten durchaus anspruchsvoller wird. Manchmal auch einfach nur süß, wie in der Yoshi's-Cookies-Stage, wo man über umklappendes Gebäck hüpft, das aussieht wie meine Sesselkissen.

Es gibt sogar kleine labyrinthische Abschnitte mit Rätseln. Mal ist eine Tür mit vier Schlössern verhangen und davon ästeln vier verschlungene, ihrerseits voller Abzweigungen steckende Gänge ab, die zu erkunden euch den Schlüsseln näherbringt. Woanders geht es auf einem fliegenden Teppich durch den Himmel, während man Gegnern und ihren Geschossen in alle Richtungen ausweicht, als wäre es eine Unterwasser-Stage in Super Mario. Bevor man als Schatten hinter beweglichen Leinwänden herumhopst, vor einer ansteigende Lava imitierenden Kuscheldecke oder einer Schneekugel wegrennt.

An Ideen für ein Hüpfspiel mangelt es nicht, obwohl vieles ein alter Filzhut ist und wenn wir nicht gerade die übliche Nintendo-Themenschablone in Betracht ziehen. Klar ist das alles herzallerliebst und hochwertig gestaltet, knallig bestickt mit Flicken und gewellten Vorhängen im Hintergrund, aber immer nur Grasland, Wüste, Dschungel, Eis... verkneifen wir uns das blöde Wortspiel mit "Strickmuster".

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Im ''Handarbeit''-Modus könnt ihr euren Yoshi mit gesammeltem Zeug einfärben und anderweitig umgestalten und das Ergebnis per Street-Pass mit anderen teilen.

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So züngelt sich Yoshi durch sechs Welten von je acht Stages, ribbelt ganze Fassaden aus Handtüchern auf, indem er an einer Masche zupft. Verknotet Piranha-Pflanzen mit geworfenen Wollknäueln die Schnauze (quasi die Eier aus Yoshi's Island) und freut sich, dass er nach längerer Zeit ohne bloßen Sidekick-Status von der Leine darf. Mit dabei hat er Poochy, den Hund, der mit "Schnuffel" übersetzt in dieselbe Kerbe schlägt, wie das Spiel aussieht: so unglaublich "oohknuddelknuffhihi", dass man Angst haben müsste, ihn beim Umarmen glatt zu zerquetschen. Was mit dem entsprechenden Woll-Amiibo zum Glück nicht passieren kann. Vermutlich.

Poochys eigene, nach und nach freigeschaltete Inhalte sind Selbstläuferlevel, und das in einem tatsächlichen Sinn wie zuletzt beispielsweise in Super Mario Run. Er rennt oder rutscht automatisch, ihr müsst nur hüpfen und möglichst viele Diamanten dabei erwischen. Eine schwungvolle Angelegenheit, ebenso schön auf dem Sprung genießbar, dank knapper Dauer auch, wenn man nur kurze Wege vor sich hat. Zusätzlich hat die 3DS-Version ein Yoshi-Kino mit 30 freischaltbaren Stop-Motion-Filmchen, im Gegensatz leider zum Koop-Modus der Wii-U-Fassung.

Am Ende fanden wir doch noch zusammen, immer über die Dauer eines halben Stündchens irgendwo zwischen Ein- und Ausstieg. Eine Fahrt von A nach B mit Yoshi und seiner bestaunenswert schicken Textilwelt ist besser als ohne, auch wenn ich zu Hause zig anderen Spielen den Vortritt lassen würde. Solchen, die an den Ehrgeiz statt an den Sammler von Diamanten, Aufnähern und Garnrollen appellieren. Für Kids, die ohne Mario 3 oder Donkey Kong aufgewachsen sind, mag Poochy und Yoshi Ersteres sein. Und selbst für die Altgedienten ist es trotz weniger Überraschungen mindestens Veranschaulichung genug, wie liebevoll Nintendo noch immer seine Jump-and-Runs fertigt.

Entwickler/Publisher: Good-Feel/Nintendo - Erscheint für: 3DS - Preis: ca. 35 Euro - Erscheint am: erhältlich - Sprache: Deutsch - Mikrotransaktionen: Nein

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