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The Disney Afternoon Collection - Test: Sechserpack Nostalgie

Erinnerungen an eine einfachere Zeit.

Die Qualität war schon damals nicht gleichbleibend hoch. Dennoch bedient diese Kollektion solide und gezielt ihre spezielle Marke Nostalgie.

Es ist klar, an wen sich das richtet: Eine weitere Retro-Kollektion für alle, die das NES Ende der 80er und Anfang der 90er liebten und die Sendungen guckten, die Disneys guten Namen nicht ruinierten - eine Aufgabe, die dann die Mitt- und End-90er-Disneys-Shows voller Wonne übernahmen. Fühlt ihr euch dieser Zielgruppe zugehörig? Fantastisch, dann gebt die 20 Euro aus, wenn euch der Sinn nach einem kleinen Trip die in ewig güldenes Licht getauchten "Memory Lane" hinunter stehen sollte. Weil: Wir reden hier von etwas mehr als einer Handvoll deutlich mehr als 20 Jahre alter Spiele. Die Welt hat sich weitergedreht und sei es nur bis zum Super Nintendo. Duck Tales war nie ein Mario. Aber es war eben immer Duck Tales.

Fangen wir mit dem Bodensatz an: TaleSpin mit Baloo dem Bären als Shoot-'em-up-Piloten war nie eine Mischung, die die Welt bereicherte. Ein mittelmäßiges, nicht sonderlich schönes und nicht mal wirklich faires Spiel in einem Genre, das schon damals so viel bessere Titel zu bieten hatte. Es ist halt dabei, es gehört sicher dazu, aber wie auch die Serie dazu war Baloo kein Zugpferd, mehr ein Mitläufer.

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Ja, ok. Thunderforce 4 geht anders.

Darkwing Duck ist im Prinzip eine Art Mega Man im Gewand eines der heute eher vergessenen Disney-Helden. Als Batman-Parodie für Kinder funktionierte Darkwing als Serie wie auch als Spiel, wobei letzteres deutlich besser ist. Eine Art zusätzliches Mega Man für das NES also, diesmal mit einem anderen Skin und da es ja damals nur sechs Mega-Man-Spiele auf dieser Plattform allein gab, kann ein weiteres nie schaden. Außerdem hat es die besten Animationen der Sammlung, was angesichts der Liebe, die Capcom und Disney in all diese Titel packten, einiges heißt.

Chip 'n' Dale Rescue Rangers, hier als A-Hörnchen und B-Hörnchen inzwischen weitestgehend vergessen, zeigen, wie man es richtigmacht und dann in einer lieblosen Fortsetzung verbockt. Der erste Teil ist eines der am besten entworfenen Hüpf-Spiele überhaupt, wenn es darum geht, euch einfach ein paar Stunden an kluges Leveldesign und eine nahezu perfekte Steuerung zu fesseln. Es hat einen fast idealen Spielfluss und lässt sich auch nach so vielen Jahren noch immer wieder für das bewundern, was es ist. Teil zwei dagegen glänzt als Modul nur durch seinen Seltenheitsfaktor und den damit verbundenen Wert. Als Spiel ist es im Grunde der erste Teil, was die Steuerung angeht, aber eine viel zu langgezogene Bedeutungslosigkeit in den Leveln, die durch viele leider nicht sonderlich gute Zwischenszenen überraschenderweise nicht kürzer werden. Kann man spielen, muss man nicht.

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Mach' den Pogo für mich!

Der Star des Nachmittags ist natürlich Duck Tales und seine mindestens genauso gute, wenn nicht bessere Fortsetzung. Es gab ein Remake, der Name lässt die Erwachsenenaugen wie die von Kindern strahlen und das, obwohl die Steuerung mit dem nach unten drücken im Sprung zu den unbequemeren Kuriosa der Spielewelt gehört. Aber das war ein Preis, den man gerne für ein Hüpf-Action-Adventure höchster Güte zahlte. Riesige, verwinkelte und mit Extras und Geheimnissen zugestopfte Level sorgten für sehr lang anhaltenden Spielspaß, der über übliche Games dieser Gattung hinausging. Dazu fantastische Animationen und natürlich die Ohrwurmmusik. Es wurde auf dem NES schon besser als das. Aber nicht so häufig.

Die Fortsetzung machte ein paar Jahre später alles richtig, außer vielleicht, dass das NES schon mehr oder weniger am Absterben war, weniger Exemplare auf den Markt kamen und so der Preis für das Modul inzwischen etwas absurde Regionen erreichte. Aber dafür kann das Spiel wenig und seine verbesserte Steuerung, die deutlich schneller in die Finger geht als noch in der ersten Runde macht das Spielen selbst zu einer Freude. Es ist einfach dieses besondere Feeling, das ein gut umgesetzter Tastendruck in Verbindung mit der exakten Reaktion der Figur auf dem Screen erreicht. Nicht so viele Spiele bekommen das so gut hin wie Duck Tales 2. Dazu ein den neuen Möglichkeiten gut angepasstes Leveldesign und ihr habt ein Spiel, das sicher keine 200 Euro aufwärts wert ist, aber zumindest doch seinen Anteil an den 20 Euro, die für diese Sammlung zu berappen sind.

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In Bewegung immer noch sehr ansehnlich: Darkwing Duck.

Die Emulation ist sauber. Ihr habt die üblichen Filtermodi - alle beide plus drei Bildformate - und weitere Scanline-Optionen sucht ihr vergeblich. Es ist immer wieder erstaunlich, wie viele Möglichkeiten so mancher Emulator der späten 90er bietet, die hier nach wie vor verweigert werden, aber da das Bild wirklich gut aussieht und der Sound keine Unstimmigkeiten zeigt, ist es wohl okay. Außerdem lässt sich schwarz als Hintergrund für das 4:3-Bild auswählen, was ich persönlich allen Bildern bevorzuge, selbst wenn sie wie hier ganz niedlich sind. Ihr habt einen Speicherstand pro Spiel und eine Rückspulfunktion, die gerade zum Üben Leben retten kann.

Extras sind vorhanden, aber keineswegs üppig. Die bisher nicht gezeigten "Hinter-den-Kulissen"-Bilder sind mit ganzen 30 wohl abgezählt, aber immerhin mit ein paar wirklich netten Texten ergänzt. Richtig gut ist der Soundtest, in dem ihr euch alle korrekt benannten Tracks immer wieder anhören könnt. Auch wenn es vor allem "Duck Tales! Uhu-Hu!" sein wird, das die meiste Laufzeit bekommt. Und schließlich gibt es da noch mit den ganz netten Boss-Rush-Modes für jeden Titel ein spielerisches Goodie mit Online-Score-Listen, das auch Kennern ein klein wenig was Frisches bietet.

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A-Hörnchen und B-Hörchnen - oder eben Chip und Chap - je nachdem, wann ihr eingestiegen seid.

Das Schlimmste der letzten Generation Alle Nieten aus der Generation PS3, Xbox 360 und Wii. Viel Spaß! Das Schlimmste der letzten Generation

Also ja, sechs uralte Spiele, irgendwo zwischen "Klassiker" und "nicht ganz zu Unrecht vergessen" findet sich hier qualitativ von allem etwas. Wer das hier kauft, kennt diese Spiele schon, was soll ich euch schon groß darüber erzählen? Die Aufmachung ist liebevoll genug, ohne dass jemand zu viele Überstunden schieben musste, die Emulation gehört zu den besseren ihrer Art. Es passt alles für das kleine Geld. Trotzdem, so richtig übermannt mich der Enthusiasmus nicht. Es gibt so viele "alte" neue Spiele, die auch gespielt werden wollen. Theoretisch gab es letztens sogar 30 alte NES-Titel, einige davon größere Klassiker, inklusive witziger Hardware für gerade mal 60 Euro - theoretisch, weil es ja kein "langfristiges Produkt" war.

Der Disney-Nachmittag ist ein netter, unkomplizierter Trip in die eigene, goldige - oder vielmehr pastell-neon-farbene - Kindheit in den späten 80ern beziehungsweise frühen 90ern und als solcher leistet er sich keine Schwächen. Geht ihn, wenn er euch was bedeutet oder ihr das glaubt, habt Spaß, summt "Duck Tales - Uhu-Hu!" und freut euch. Dafür ist die Disney Afternoon Collection da - und sie schlägt sich ganz ordentlich.

Entwickler/Publisher: Capcom - Erscheint für: PS4, Xbox One, PC - Preis: 19,99 Euro - Erscheint am: erhältlich - Sprache: Deutsch/Englisch - Mikrotransaktionen: nein

The Disney Afternoon Collection - Test: Sechserpack Nostalgie Martin Woger Erinnerungen an eine einfachere Zeit. 2017-04-19T11:00:00+02:00 3 5
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