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Drifting Lands - Test

Erfahrungspunkte in Space.

Schöne Mischung aus Shoot-'em-up und Rollenspiel - krankt aber arg an seinem lieblosen Leveldesign und einer schwer lesbaren Spielumgebung.

Typische 2D-Shoot-em-ups haben ein Grundsatzproblem. Sie sind zu schwer. Habt ihr mal Ikaruga gespielt? Ich schon und ich kam über den zweiten Level nicht hinaus. Das ist Teil einer Leidensgeschichte: Schon als Kind hatte ich R-Type für den Game Boy und habe da den vierten Level bis heute nicht bezwungen. Nun ist es keine Lösung, einfach ein Shoot-'em-up zu basteln, das besonders einfach ist. Das würde ja auch keinen Spaß machen. Das Entwicklungsstudio Alkemi ist allerdings auf eine Lösung gekommen, die mir zumindest grundsätzlich zusagt: Der Spieler selbst kann sich das Spiel vereinfachen. Und zwar durch eine bewährte Rollenspielmechanik: Leveln und looten. Drifting Lands heißt das Spiel, in dem ich endlich genau das machen darf. Von rechts nach links fliegen wie in R-Type, aber bei Bedarf einfach meine Waffen aufrüsten, meine Panzerung verstärken, meine Schilde upgraden. Für immer - nicht, bis euch zum nächsten Mal ein Gegner trifft.

Grundsätzlich arbeitet ihr euch bei Drifting Lands von Mission zu Mission vor - das Besondere ist aber, was zwischendurch passiert. Dann nämlich seht ihr euer Mutterschiff von innen, könnt so beispielsweise einen Laden besuchen, in dem ihr euch neue Upgrades für euer Schiff kaufen könnt. Ihr dürft aber auch frei eine Reihe von Spezialfähigkeiten aufrüsten oder während der Missionen gefundene Gegenstände verkaufen, außerdem die grundlegenden Eigenschaften eures Schiffs verbessern, etwa Hülle und Schilde sowie die Wirkung der eben genannten Spezialfähigkeiten. Mit den anderen Besatzungsmitgliedern reden dürft ihr auch, weshalb sich Drifting Lands in diesen Momenten schon fast ein bisschen anfühlt wie ein klassisches Wing-Commander-Spiel - mit der Ausnahme, dass ihr es hier nicht mit einem vor Bluescreens gefilmten Mark Hamill und ein paar grenzpeinlichen Katzenmonstern [gaaaaanz dünnes Eis! - Anm. Alex] zu tun habt, sondern mit statischen Comicfiguren.

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Manchmal ist auf dem Bildschirm schon recht viel los - wie ein Bullet-Hell-Shooter fühlt sich Drifting Lands trotzdem nicht an.

Man merkt dem Spiel an, dass den Entwicklern kein allzu großes Budget zur Verfügung stand, zumal die Story eher dürftig wirkt - und sich mir ehrlich gesagt nie so richtig erschlossen hat. Ihr spielt den Angehörigen eines diktatorisch geführten Mega-Konzerns auf irgendeinem zerbrochenen Planeten und bekämpft die Kollegen anderer diktatorisch geführter Mega-Konzerne. Zwischendurch verteidigt ihr euer Mutterschiff. Und zwar gegen, ihr ahnt es, diktatorisch geführte Mega-Konzerne.

Am besten spielt sich Drifting Lands übrigens zumindest während der Missionen mit einem Controller - dann nämlich habt ihr eine Spezialfähigkeit auf jeder der vier Tasten, die in Reichweite eures linken Daumens liegen. Dazu gehören etwa temporäre Unverwundbarkeit gegenüber feindlichen Geschossen oder aber eine Art riesiges Weltraum-Schwert, mit dem ihr die Gegner direkt vor euch (und später auch hinter euch) ziemlich effektiv ausschalten könnt. Am wichtigsten war für mich als jemand, der sich schon im ersten und zweiten Satz dieses Artikel über den Schwierigkeitsgrad dieser Gattung Spiel beschwerte, allerdings die Reparatur-Funktion. Denn euer kleines Raumschiff hat zwar einen Schild, der sich auch ohne euer Zutun von allein wieder auflädt, aber eben auch eine Hülle und die repariert sich nicht von selbst. Das müsst ihr also selbst machen - in meinen Gedanken hat dann immer ein kleiner R2D2 mit seinem Ärmchen die kaputten Kabel wieder zusammengelötet, die aus der zerschossenen Hülle des Raumschiffs hingen, aber das nur am Rande. Meine Gedankenkraft war überhaupt nur deshalb nötig, weil die Grafik des Spiels auch in den Missionen einigermaßen detailarm ist.

Und leider nicht nur die Grafik, auch das Level Design. Es ist praktisch nicht vorhanden. Während man in klassischen 2D-Shoot-em-ups ja tolle, umfangreiche Alien-Strukturen kennt, ich denke da an das berühmte Riesenraumschiff aus R-Type, gibt es hier ... nichts. Zwar werdet ihr mit diversen Gesteinsbrocken konfrontiert, die sind aber nur wahlweise Vorder- oder Hintergrund. Das Spiel wirkt also ein wenig, als würden euch die Entwickler einfach Plastiktüten voller Gegner um die Ohren schmeißen. Erschwert wird dieses Prozedere zudem dadurch, dass sich einige dieser Gegner nicht unbedingt von Power-ups unterscheiden lassen und umgekehrt. Was ist für euch ein grüner Leuchtpunkt, der von einer Art Saturn-Ring umkreist wird? Grün? Könnte ein Upgrade sein? Falsch - es handelt sich um eine tödliche Mine, die nicht nur explodiert, sondern auch noch um sich schießt, sobald ihr in ihre Nähe kommt. Mehr als einmal habe ich große Teile meiner wertvollen Raumschiffhülle eingebüßt, weil ich mich auf die jahrelang gelernten Konventionen des Upgrade-Designs in Ballerspielen verlassen habe. Ebendas sorgt leider auch dafür, dass ihr euch irgendwann nur noch zögerlich traut, überhaupt die tatsächlichen Updates aufzunehmen, hauptsächlich Geld, Waffen und Rüstungsplatten für euer Schiff. Das ist leider Gift für jedes Shoot-'em-up-Gameplay. So ein Spiel hat schnell und intuitiv zu sein, hier überlege ich aber automatisch drei Mal, bevor ich irgendwo hinfliege.

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Rund um den zerbrochenen Planeten dürft ihr hier die jeweils nächste Mission auswählen.

Aber genug der frustrierten Kritik - an Drifting Lands ist nämlich nicht alles schlecht. So fühlen sich beispielsweise die oben erwähnten Spezialfähigkeiten enorm nützlich an, ganz als würde das Spiel euch mit Gegnerformationen konfrontieren, die nur gemacht sind, um sie einzusetzen. Ein paar Raumschiffe in V-Formation eignen sich beispielsweise sehr gut, um in das V hineinzufliegen und dann eine kleine Explosion auszulösen, die alles um euch herum zerstört. Sieben Raumschiffe auf einmal ausgelöscht - das macht Spaß. Zudem dürft ihr im Spielverlauf auch eure Fähigkeiten erweitern und als mein mächtiges Weltraum-Schwert zum ersten Mal auch nach hinten stechen konnte, habe ich mich doch sehr gefreut - vorher hatte ich nämlich überhaupt keine Möglichkeit, die Gegner hinter mir zu besiegen.

Aus jeder Mission nehmt ihr Geld mit, je nachdem wie viele Feinde ihr besiegt und wie viele Items ihr eingesammelt habt. Gewisse Boni bekommt ihr, indem ihr euren Focus-Wert erhöht, was mit jedem Raumschiff anders vor sich geht. Raumschiffe gibt es drei an der Zahl und ihr dürft zu Beginn nur eines wählen, die anderen beiden könnt ihr kaufen. Ich habe mich zu Beginn für das Mittelklasse-Gerät entschieden, den Marauder, ein Kompromiss aus Geschwindigkeit und Panzerung. Im Ergebnis konnte ich meinen Focus-Wert aufladen, indem ich mich in einem bestimmten Bildschirmbereich aufgehalten habe, den mir das Spiel vorgegeben hat.

Beim Interceptor funktioniert das dagegen, indem ihr euch nah an gegnerischen Geschossen vorbei bewegt, ohne sie aber tatsächlich zu berühren. Jede Mission dürft ihr übrigens beliebig oft wiederholen und euch auf diese Weise theoretisch nach oben grinden, wenn euch die aktuellste Story-Mission gerade zu schwer ist. Das ist zwar einerseits angenehm, denn ihr müsst nicht gerade mogeln, um schwierige Spielinhalte zu bezwingen - andererseits ist es aber auch recht dumpf. Ich habe irgendwann nebenbei YouTube-Videos angesehen, während ich immer wieder die gleiche Mission wiederholt habe, einfach weil ich fand, dass ich daraus besonders viele Credits mitnehmen kann.

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Dieser Laser war im Laufe des Spiels eine meiner Lieblingswaffen: einfach während der gesamten Mission den Finger auf dem Abzug lassen.

Drifting Lands fühlt sich an, als seien zwei Gruppen von Menschen an der Entwicklung beteiligt gewesen. Die einen, die sich die vielen Waffen und Fähigkeiten ausgedacht haben, die das Upgrade-System entwickelt haben und die für alles zuständig waren, was zwischen den Missionen passiert. Die waren offensichtlich sehr motiviert. Und dann die anderen, die sich die eigentlichen Missionen ausgedacht haben. Die haben sich eher darauf beschränkt, die Werte der immer gleichen Gegnertypen ein bisschen anzupassen und sie anschließend in großen Mengen auf dem Bildschirm zu verteilen. Letzten Endes ist Drifting Lands kein schlechtes Spiel, man merkt die Hingabe, die in vielen Momenten in das Spiel geflossen ist. Es unterhält durch seine Rollenspiel-Anteile - aber es überzeugt eben dann nicht, wenn es einfach nur ein Shoot-'em-up sein will.

Entwickler/Publisher: Alkemi/Alkemi - Erscheint für: PC - Preis: 18,99 Euro - Erscheint am: erhältlich - Getestete Version: PC - Sprache: englisch - Mikrotransaktionen: Nein

Drifting Lands - Test Markus Grundmann Erfahrungspunkte in Space. 2017-06-27T09:09:00+02:00 3 5
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