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Crash Bandicoot N.Sane Trilogy - Test

Ride the Tiger, 90's Style

Wow, das war heftiger als gedacht. Spiele waren damals deutlich schwieriger - oder zumindest unvergebender -, das ist wohl keine Legende. Es war eine interessante Erfahrung, nach wirklich fast 20 Jahren Crash das erste Mal wieder zu spielen. Damals erschien es mir normal, alle Spiele waren so oder noch heftiger, vor allem, wenn sie nicht so sonderlich sauber programmiert waren. Das musste sich Crash nie anhören. Das Sprungverhalten war akkurat genug, wenn auch ein wenig gewöhnungsbedürftig, die Bewegungen präzise genug, die Glitches hielten sich in einem übersichtlichen Rahmen. Aber meine Güte, dass ich ein Spiel lernen muss, um durchzukommen, ist eine Erfahrung, die ich in den letzten 20 Jahren nur im Retro-Bereich fand. Ich bin noch nicht sicher, ob ich sie sonst vermisst habe...

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Der Dschungel-Vibe nimmt ja Uncharted schon fast vorweg...

Aber seien wir ehrlich, selbst wenn es mir persönlich nicht ganz so vorkommt, weil meine Gaming-Historie weiter zurückreicht, Crash ist Retro pur und als solches bekommt ihr für knapp 40 Euro nicht ein, sondern gleich drei Spiele als Flashback-in-die-90er-Sammlung. Der Entwickler Naughty Dog - mehr oder weniger obskur für Dinge wie Way of the Warrior und etwas bekannt, das sich Uncharted nennt - gab sich sichtliche Mühe, die Crash-Trilogie nicht ganz einfach hochzuskalieren und es beim Nötigsten zu belassen, sondern polierte fleißig genug auf einen frisch wirkenden Look hin. Das geht so weit, dass ihr Pro-Support bekommt, der entweder einen 1440p-Output produziert oder einen 1080p-Downsample und das Ganze noch mal eine Ecke schärfer wirken lässt. Was es nicht gibt, sind 60 Frames, stattdessen gleicht ein sehr eleganter Motion-Blur dieses Manko aus und lässt euch denken, dass die Framezahl höher sein könnte als die 30. Davon abgesehen dürfte Crash aktuell einer der erfolgreicheren Versuche sein, diese frühe Sony-3D-Ära nicht nur spielbar, sondern wirklich ansehnlich und fast schon zeitgemäß in die Jetztzeit zu retten. Es geht also, jetzt bitte Wipeout und Jumping Flash!.

Jenseits dieses dank meist solider Arbeit von Viscarious Visions - unbekannt seit 20 Jahren für Dutzende Game-Boy-Portierungen - wirklich ansehnlichen Eindrucks gibt es eine Art Versuch der Vereinheitlichung der drei Spiele, indem ihr meist mit Crash oder Coco spielen könnt und auch, dass sich die Steuerung über alle Titel hinweg weitestgehend einheitlich anfühlt. Leider fühlt sie sich bei allen Titeln vor allem mit dem Analog-Stick ein wenig "off" an. Kein Wunder, als die Spiele erschienen, hatte die PlayStation noch nicht mal einen solchen Stick, die Games wurden für das Steuerkreuz entworfen und mit diesem spielen sie sich fast wie früher. Minimal anders im Timing, aber nichts, was den Spielspaß schmälerte. Wo die Steuerung allerdings litt, das sind einige der Fahrzeuglevel und vor allem die Wasserskier - nie ein großer Spielspaßkracher in Crash - werden euch nun ein paar kleine Extranerven kosten. Der Sound wurde komplett neu aufgenommen und während es insgesamt etwas professioneller und homogener über die Spiele hinweg wirkt, mochte ich persönlich all die kleinen Eigenheiten der Originale, bei denen sich sicher keiner damals was dachte. Ein Fall von "anders, aber nicht schlechter". Vor allem die brillante, originalgetreue Upbeat-Musik lässt einen schnell darüber hinwegsehen.

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Die 'Fahrzeug'-Stages sind nach wie vor die seltsame Mischung aus Highlight und etwas zickig zu steuern. Aber hey, wer kann diesem Tiger in die Augen schauen und ihm irgendwas übel nehmen.

Kommen wir zum eigentlichen Gameplay zurück und damit dem dezenten Frustfaktor, ein Spiel Level für Level lernen zu müssen. Es ist nicht gänzlich unfair, ihr habt mit soliden Reaktionen und ein wenig Vorsicht eine gute Chance, durch die normalen Stages zu kommen. Zumindest solange die Spiele sich als "normale" Jump-and-Runs gebärden. Das passiert häufig in der 3D-Sicht, bei der ihr in den Screen hineinlauft, aber auch immer wieder auf der zur Seite gekippten 2,5-D-Ebene. Hier helfen euch die Items, die euch einen Schild gegen die direkten Treffertode spendieren - Crash hat keine Lebensenergie -, weit genug aus. Aber wenn das Spiel einen Gang hochschaltet und ihr auf einer Wildsau in den Screen hineinreitet oder aus ihm heraus, eine riesige Steinkugel dicht auf den Fersen, seht ihr etwas, das euch Spiele heute nur noch selten antun: Wenn ihr nicht wisst, was kommt und was ihr tun müsst - sprich den Level schon ein paar Mal gespielt habt -, gibt es eine gute Chance, dass ihr einfach sterbt. Und das tut ihr dann so lange, bis ihr es könnt. Extraleben gibt es schließlich genug. Viel Glück und so, aber Wissen ist hier definitiv besser als Glück.

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Ein direkter Vergleich zwischen PS4-Pro und dem Original. Ist schon was passiert, oder?

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Das Crash vorzuwerfen wäre schlicht unfair. Erst einmal, weil es wie gesagt nicht annähernd so schlimm ist wie bei manch anderem Titel der Zeit, vor allem aber auch weil es eben diese Zeit war. Die Trilogie fasste nur die Technik an, nicht das Gameplay, was ehemalige Fans genauso erwarten wie die Leute, die die Klassiker vielleicht um ersten Mal spielen wollen. Und eines darf man dabei nicht vergessen: Es sind ausgezeichnete Hüpfspiele. Nicht Mario-ausgezeichnet, das waren sie noch nie, aber die guten Crashs - also genau diese drei - hatten dieses gewisse Feeling der Kontrolle und der Kinetik einer soliden Sprung- und Angriffsmechanik, unterstützt von punktgenauen Sound- und visuellen FX. Dazu kommt der liebenswerte Wahnsinn eines Maskottchen-Plattformers der 90er, wenn ihr auf einem Tiger über die chinesische Mauer reitet, begleitet von einer geradezu widerlich zuckersüßen Musik, die euch so hartnäckig durch das Leben begleitet, wie es sonst die Kirby-Tunes vermögen. Die Crash-Trilogie bietet euch mehr als genug dieser Momente, für die man sich schon fast wie ein schlechter Mensch fühlen darf, wenn man sie denn nicht liebt.

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Bis ihr einen Stage mit allen Kisten hinter euch habt, vergeht viel Zeit. Aber mindestens einmal solltet ihr ein paar mehr auslassen. Um Crash einmal richtig leiden zu sehen und diese Trophäe zu bekommen.

Das und eine meist doch solide statt unfaire Herausforderung ist es, die euch glücklich durch vielleicht nicht jeden Level aus den drei Spielen am Laufen hält. Ihr gewöhnt euch daran, in manchen Stages immer wieder zurückgesetzt zu werden, bis ihr diesen einen Sprung kurz vor dem nächsten Checkpoint endlich hinbekommt. Es gibt wahnsinnig viel Abwechslung, indem Tempo und Art der Action immer wieder gern gemischt werden. Jeder Bosskampf hat zumindest eine kleine Idee, selbst wenn es nicht immer unbedingt die beste war, und so fühlt es sich nur selten nach Arbeit an, solltet ihr den einen oder anderen Stunt des... - was genau ist das Viech eigentlich? Ein Nasenbeutler? Beuteldachs?... okay... - Bandicoot nicht auf Anhieb bewältigen.

Dazu kommt, dass es erstaunlich viel zu entdecken gibt. Geheime Stages, Bonuslevel, Extras hier und da. Jedes der Spiele hat nun einen Herausforderungsmodus und manche dieser Level ohne einen Treffer zu bewältigen ist etwas, mit dem man gern auch mal einen Abend verbringen kann, so man denn will. Damals wollte ich, heute allerdings nicht mehr unbedingt. Was mehr an mir als an Crash liegt. Ein wenig haben wir uns dann über die Jahre doch auseinandergelebt. Was Crash über die Jahre allerdings ganz klar verloren ging, ist die große Relevanz. Viel davon hatte er eh nie, die Umbruchzeiten sind lange vorbei und die zeitlosen Ideen eines Mario 64 steckten hier nie drin. Aber wie gesagt, das hielt noch nie jemanden ab, mit Crash Spaß zu haben.

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Rein visuelle gehört es zu den bunten Spielen, die gerne verstärkt zurückkommen dürfen. Wenn ein poppiger Unterwasser-Level schon so düster ist, wie es nur wird, dann bleibt an der Oberfläche genug bunt nicht für drei sondern 30 aktuelle Games.

Die Crash Bandicoot N.Sane Trilogie gehört so sehr in die 90er, dass es fast schon schmerzt, sie heute zu spielen. Es war eine einfachere, fröhlichere Zeit und dies ist ein weiterer Beweis, dass längst nicht alles so gut war, wie man es sich ruhig mal verklären darf, wenn man sich danach der Realität bewusst bleibt. Diese lautet, dass die Crash-Reihe bei all ihrem Farbenfrohsinn und all der Tigerritt-Abwechslung - Oh don't you see, what I mean... - eben auch immer wieder durch eher fragwürdige Leveldesign-Eigenheiten auffällt. Sonys Mario-Killer, wenn es jemals wirklich einer gewesen sein soll, war eben nie einer. Aber es waren drei extrem - manchmal sogar 90s-EXTREME - unterhaltsame Jump-and-Runs, die erfolgreich die damals noch neue 3D-Welt erobern und sich für eine Zeitlang völlig zu Recht ihren Platz in ihr sichern konnten. Die auch heute noch dieses unbeschwerte Bunt verbreiten, das euch über den einen oder anderen Bildschirmtod hinwegtröstet. Das nächste Extraleben ist schließlich nie weit weg und ein Versuch geht hier immer wieder. Crash hat seinen Triumphzug unter der Maskottchensonne schon lange beendet und ich bezweifle, dass er ihn je wirklich fortsetzen wird. Aber sich mit dieser Trilogie daran zu erinnern, dass es ihn mal gab, das sollte man sich ruhig gönnen.

Crash Bandicoot N.Sane Trilogy - Test Martin Woger Ride the Tiger, 90's Style 2017-07-03T17:45:00+02:00 4 5
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