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That's You - Lernt euch besser kennen!

… oder für immer hassen.

Ich möchte euch warnen: That's You ist dazu geeignet, Freundschaften zu zerstören. Bevor ihr spielt, müsst ihr euch sicher sein, dass ihr in der Lage seid, über euch selbst zu lachen. Von Vorteil ist es außerdem, wenn ihr euch in eurem Freundeskreis gern mal im Spaß beleidigt oder euch übereinander lustig macht. Wenn ihr sensibel seid, wenn es um sowas geht, wird euch dieses Spiel vielleicht zum Weinen bringen. Verstanden? Gut.

Jetzt, da das aus dem Weg geräumt ist, könnt ihr euch freuen, denn That's You ist ein wirklich unterhaltsames Partyspiel. Der Titel ist der erste aus der PlayLink-Reihe von Spielen, bei denen ihr das Geschehen nicht mit Controller steuert, sondern mit eurem iOS- oder Android-Smartphone. Dafür müsst ihr lediglich eine kostenlose App auf dem Handy installieren und euch in das gleiche WLAN einwählen, in dem auch eure PS4 angemeldet ist - dann kann es losgehen. In meinem Fall klappte die Verbindung mit den Smartphones aller Beteiligten (darunter sowohl iOS- als auch Android-Geräte) auf Anhieb völlig problemlos.

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Vervollständigt diesen Satz ...

Und worum geht's nun bei That's You? Ich sag mal so: Die Leser Mitte 30 und darüber erinnern sich sicher noch gut an die Hochzeitsshow Flitterabend mit Michael Schanze. Dabei gab es ein Spiel, in dem die teilnehmenden Brautpaare getrennt voneinander Fragen zum jeweiligen Partner beantworten mussten. Für Übereinstimmungen gab es Punkte. That's You funktioniert nach genau diesem Prinzip, wobei hier nicht nur zwei Spieler teilnehmen können, sondern bis zu sechs. Zu Beginn macht jeder ein Selfie von sich, das mit allerhand Filtern und Verzerr-Effekten bearbeitet werden kann.

Ein etwas überdrehter Moderator erklärt euch dann die Regeln. Innerhalb von verschiedenen Themengebieten werden euch dann Fragen gestellt - darunter harmlose wie etwa: Welchen Job würde eine bestimmte Person in einem Freizeitpark annehmen? Zur Wahl gibt's dann beispielsweise Killerwal-Trainer oder Freizeitpark-Maskottchen. Etwas intimere Fragen sind aber auch dabei, beispielsweise: Wie welches Tier verhält sich eine bestimmte Person beim Geschlechtsakt? Zur Wahl steht dann unter anderem ein Faultier. Das Besondere dabei ist nun, dass die Fragen zwar auf dem Fernseher gezeigt, aber auf dem Smartphone beantwortet werden, so dass niemand die Antwort seines Sitznachbarn sehen kann. Für Übereinstimmungen gibt's Punkte und wer sich ganz sicher ist, dass mindestens eine andere Person das Gleiche gewählt hat, kann einen Joker einsetzen um seine die Punkte noch zu verdoppeln.

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Am Ende jeder Partie dürft ihr nochmal die Fotos eurer Mitspieler verschönern.

Wie eingangs erwähnt, diese Fragen haben es teilweise in sich. In meiner Spielrunde war sich anschließend niemand für irgendeine Antwort böse, aber ich meine es durchaus ernst, wenn ich sage: Das könnte passieren. Bitte bedenkt: Dieses Spiel ist gemacht für einen Abend mit Bier und Chips. Vor allem mit Bier. Viel Bier. Wer gerade frisch verliebt ist und einen romantischen Pärchen-Abend verbringen will, sollte sich vielleicht eher was Schönes bei Netflix suchen. Die teils intimen Fragen sind aber noch lange nicht das einzige Spiel - hin und wieder müsst ihr aber beispielsweise auch ein Foto nachahmen, auf dem häufig eine Person zu sehen ist, die eine Grimasse schneidet. Außerdem müsst ihr Sätze so beenden wie eure Mitspieler das würden und sie mit dem Handy fotografieren, um anschließend nach bestimmten Vorgaben ins Bild hineinzumalen - ebenfalls alles per Smartphone. Zum Abschluss gibt's eine Finalrunde, bei der mehrere Personen hintereinander das Bild eines Mitspielers verschönern dürfen - wie würde euer Kumpel beispielsweise als Pirat, Astronaut oder Bauarbeiter aussehen?

Spiele-Cover, die ihr gesehen haben müsst! Und die Spiele, die sich dahinter verstecken. Spiele-Cover, die ihr gesehen haben müsst!

Gerade das Zeichen-Spielchen gerät auf dem Smartphone teilweise etwas fummelig. Mit meinen Patsche-Händchen habe ich selten bis nie eine schöne Zeichnung fertigbekommen, meine Mitspieler waren da alle zumindest ein bisschen talentierter. Wer ein Tablet zur Verfügung hat, kann sich aber gut damit behelfen. Grundsätzlich gibt es aber eine erstaunliche Vielfalt an unterschiedlichen Fragen und Bildern, die ihr nachahmen müsst oder bekritzeln dürft - gezählt habe ich sie nicht, es sollen aber insgesamt über 1.000 sein. Und: Per App dürft ihr auf dem Handy auch noch selbst neue eintragen und sie in eine passende Kategorie einordnen, das gleiche geht mit eigenen Zeichnungen - übrigens auch dann, wenn ihr gerade unterwegs und nicht mit der PS4 verbunden seid. Ihr könnt euch also in der U-Bahn durchaus auf den nächsten That's-You-Abend vorbereiten.

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So seht ihr das Spiel auf eurem Smartphone. Genau genommen geht es hier um die Frage, wie sich jemand bei einem One-Night-Stand verhält. Visualisiert mit Zahnbürsten. Ratet mal, welches Bild gewonnen hat.

So macht es auch nichts, wenn ihr drei, vier, fünf oder mehr Partien hintereinander spielt. Genau das habe ich mit meiner Runde getan und wir haben zwar einzelne Szenarien - sprich lose Themen und Hintergründe - häufiger gesehen, kein einziges Mal aber die gleiche Frage bekommen. Wenn ihr That's You spielen wollt, versammelt ihr am besten so viele Leute wie möglich vor eurem Fernseher. Wie schon erwähnt: Es geht auch zu zweit und macht auch zu zweit eine Weile Spaß. Umso lustiger wird das Spiel aber eben, je mehr Leute ihr seid. Dann tritt nämlich umso deutlicher zu Tage, wer was über wen denkt. Wer würde sich in der Schule am ehesten beim Lehrer einschleimen? Wer würde bei einer Wanderung einen Regenwurm retten? Wer würde auf dem Jahrmarkt mit jedem in der Karussell-Warteschlange rumknutschen?

Ich gebe gerne zu: Seit Wii Play und Wii Sports hatte ich mit einem Partyspiel nicht mehr so viel Spaß wie mit That's You. Das liegt vor allem daran, dass ihr weniger mit dem Spiel selbst interagiert als viel mehr mit euren Freunden vor dem Fernseher. Das Spiel selbst benimmt sich eher wie ein Moderator, dem man zuhören kann, aber nicht muss. Wenn mal jemand das teilweise etwas arg sinnlose Gerede des Sprechers überplappert, macht das nichts, denn was ihr tun müsst, seht ihr sowieso auf eurem Handy-Display oder dem Fernseher. Wenn mal jemand abgelenkt ist und eine Runde lang nicht teilnimmt, ist das nicht weiter schlimm, er kann jederzeit wieder einsteigen. In seiner Abwesenheit bekommt er natürlich keine Punkte, aber ehrlich gesagt: Wer gewinnt, ist bei That's You auch eher zweitrangig. Hier kommt es eher darauf an, dass ihr euch totlacht, wenn drei von vier Spielern eine Eiswaffel mit dem gleichen Fäkalhumor verzieren. Dass ihr euch mit kindlicher Freude amüsiert, wenn alle Spieler dem Autor des Artikels attestieren, dass er auf dem Jahrmarkt keinesfalls in ein Kaffeetassenkarussell steigen würde. Wenn klar ist, dass die Freundin des Autors dieses Artikels diejenige wäre, die den Regenwurm retten würde. Und wenn der Typ, der ein bisschen was von George Clooney hat, von allen eindeutig als der identifiziert wird, der seine Anmachsprüche vor dem Spiegel übt.

Spiele so schlecht, dass ihr es nicht glauben werdet: Die grausigen 90er In den Abgründen des 2D-3D-Wechsels Spiele so schlecht, dass ihr es nicht glauben werdet: Die grausigen 90er
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Trotz etwas dunklem Foto: Diese Nachahmung war eindeutig die Beste.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass es solche Klischees und Archetypen in jedem Freundeskreis gibt und sie sich im Spiel mit ähnlicher Wucht niederschlagen. Und deshalb sollten wirklich nur besonders zart besaitete Leute auf einen Party-Abend mit That's You verzichten. Ein Smartphone hat fast jeder und gerade gibt es das Spiel für PS-Plus-Abonnenten auch noch kostenlos. Es könnte außerdem sein, dass ihr ein paar interessante Lektionen über eure Freunde lernt. Und darüber, was sie über euch denken. Nur bitte: Nehmt euch selbst und alle anderen nicht zu ernst. Und kauft euch vor dem Spielen Bier. Viel Bier.

Entwickler/Publisher: Wish Studios/Sony - Erscheint für: PS4 - Preis: 19,99 Euro - Erscheint am: erhältlich - Getestete Version: PS4 - Sprache: deutsch - Mikrotransaktionen: Nein

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