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Hey! Pikmin - Test

Entspannung mit Stylus

Simpler und entspannter Plattformer um Captain Olimar. Netter Feierabend-Titel, der sich mit Schiebepad und Stylus steuert.

Erinnert ihr euch noch in die Pikmin? Natürlich tut ihr das. Sie sind zurück! In Pong-Form! Nein, natürlich nicht. Dafür aber als 3DS-Ableger. Hey! Pikmin heißt die neueste Auskopplung aus Nintendos Serie rund um die kleinen, bunten Helferlein mit Blatt auf dem Kopf. Im Gegensatz zu den Vorgängern auf den Fernseher-Konsolen handelt es sich dabei nicht um ein Strategiespiel, sondern um eine Art 2D-Plattformer. Captain Olimar stürzt mit seinem Raumschiff ab - mal wieder, der Typ sollte echt nicht mehr einsteigen - und ihr müsst es wieder funktionstüchtig machen. Das geht nur mit Glitzerium. Und wer hilft euch dabei, selbiges zu bekommen? Natürlich die Pikmin. Das müssen sie auch, denn Olimar selbst ist ein ziemlich unbeweglicher Zeitgenosse. Er kann laufen, ein Jetpack benutzen und in einer Trillerpfeife pusten, das war es auch schon. Das macht Hey! Pikmin einerseits relativ simpel - andererseits aber auch wunderbar entspannend.

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Werft eure Pikmin auf diese Schachfigur und sie werden sie euch bringen.

Ich möchte ein bisschen ausholen: Ich habe ein Feierabend-Ritual. Immer wenn ich nach Hause komme, lege ich erst mal die Beine hoch, lasse ein paar komische YouTube-Videos laufen und spiele dazu irgendwas, das keine allzu große Aufmerksamkeit erfordert. Normalerweise ist das sowas wie Card Crawl auf dem iPad, seit kurzem ist es aber eben auch Hey! Pikmin. Denn herausfordernd ist dieses Spiel wirklich nicht. Ihr lauft durch ein zweidimensionales Level mit ein paar Verzweigungen. Hier und da findet ihr hinter ein paar Steinen oder Baumstämmen ein paar Pikmin und die folgen euch dann, hilfsbereit wie sie sind. Dann könnt ihr sie mittels Druck auf den Touchscreen durch die Gegend schleudern. Eben das müsst ihr machen, um Gegner zu besiegen oder etwa brüchige Steine zu durchbrechen. Es gibt dabei unterschiedliche Typen von Pikmin - solche, die besonders weit fliegen können etwa, solche, die tauchen können, die, die auch harte Kristalle zerbrechen und diejenigen die fliegen können, um euch von hohen Abgründen herab nach unten zu tragen.

Wobei die Pikmin nicht nur euch selbst tragen. Sie tragen auch allerhand Gegenstände, beispielsweise die glitzernden Eicheln, die sich in jedem Level finden. Das ist Glitzerium. Werft ihr die Pikmin darauf, nehmen sie es auf und tragen es so lange herum bis ihr es entgegennehmen könnt. Das Gleiche trifft aber auch auf andere Gegenstände zu, denn der Planet, auf dem ihr euch befindet, ist der Erde nicht ganz unähnlich. Daher finden sich überall Hinterlassenschaften einer Menschen-Zivilisation und in jedem Level gibt es zwei bis drei solcher Dinge zu finden. Meist sind es Alltagsgegenstände: Ein altes Klapp-Handy beispielsweise oder eine Batterie. Weil weder Captain Olimar noch irgendein Pikmin aber weiß, was dieses Zeug ist, erhält jeder dieser Gegenstände einen eigenen Namen. Gesammelt wird alles in einem Album. Dort findet ihr dann beispielsweise das alte Klapp-Handy, das aber Business-Strandliege genannt wird. Eine Sanduhr wird gleichzeitig zum Sandpulver-Behälter und ein Vorhängeschloss zur massiven Handtasche. Das ist alles sehr liebenswert gemacht und unterstreicht den fröhlichen Charakter, der Hey! Pikmin in jeder Faser innewohnt.

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Der Pikmin-Park. Hier freuen sich gerade die roten Pikmin über die Entdeckung einer Kneifzange.

Das Spiel ist allerdings sogar so fröhlich, dass ich teilweise überhaupt keine Lust habe, meine Gegner zu besiegen. Gerade mit niedlichen Figuren kann man mich leicht kriegen. Warum also sollte ich dieses Riesenküken, das einfach nur hin und her läuft mit 20 Pikmin bewerfen, damit diese darauf herumtrampeln bis es das Zeitliche segnet? Darauf habe ich überhaupt keine Lust, ich muss es aber machen, weil ich sonst nicht vorbeikomme. Von mir aus dürfen Feinde ja durchaus böse kucken. Hier machen sie das aber nicht. Einfach alles in Hey! Pikmin ist niedlich, von ein paar Schleim-Klumpen mal abgesehen.

Und damit kommen wir auch schon zum größten Problem von Hey! Pikmin. Das Spiel ist sehr leicht und die Mechanik wird nicht tiefer als oben beschrieben. Gut, es gibt noch den Pikmin-Park. Dort siedeln sich alle Pikmin an, die ihr mit aus einem Level nehmt. Aber sie machen dort praktisch nichts. Sie leben halt da und ab und an bekommt ihr einen verschwindend geringen Teil Glitzerium, den sie dort farmen. Das wars dann aber auch. Erweitern könnt ihr das Spiel höchstens noch, wenn ihr Amiibos habt, die zu Pikmin passen. Dann könnt ihr das ein oder andere Bonuslevel freischalten, allerdings sind selbige im Grunde nie größer als ein bis zwei 3DS-Bildschirme. Insofern lohnt sich auch das nicht wirklich. Darüber hinaus ist es möglicherweise nicht ganz einfach, dieses Ding zu steuern. Während Captain Olimar wahlweise über das Schiebepad oder das Digi-Kreuz bewegt wird, werft ihr die Pikmin via Tippen mit dem Stylus. Das hat zur Folge, dass ihr euch den 3DS etwas komisch auf eure rechte Hand legen oder zwischen kleinen und Ringfinger klemmen müsst. Fühlt sich ein bisschen unnatürlich an, aber ehrlich gesagt: Man gewöhnt sich dran.

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Diesen Endboss müsst ihr an seiner empfindlichsten Stelle treffen: dem Bauch.

Ich kann nicht wirklich einen Ratschlag geben, ob man Hey! Pikmin spielen sollte. Ich sehe das so: Für Spieler die mich, die ab und an mal ein Entspannungsspiel brauchen, ist dieser Titel perfekt. Hey! Pikmin spielt sich leicht weg, während man sich nebenbei noch von anderen Informationen berieseln lässt. Es ist toll für den Feierabend, die Bushaltestelle, den vollbesetzten ICE. Nicht so gut ist es für all jene, die eine echte Herausforderung erwarten. Ich glaube, ich bin im gesamten Durchlauf zwei Mal gestorben, vielleicht drei Mal. Dieses Spiel ist möglicherweise für eine junge Zielgruppe gemacht. Oder aber eben für Leute wie mich, die gern mal zur Entspannung spielen.

Entwickler/Publisher: Arzest/Nintendo - Erscheint für: 3DS - Preis: 39,99 Euro - Erscheint am: 28. Juli 2017 - Getestete Version: 3DS - Sprache: deutsch - Mikrotransaktionen: Nein

Hey! Pikmin - Test Markus Grundmann Entspannung mit Stylus 2017-07-26T15:00:00+02:00 3 5
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