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Redeemer - Test

Immer mitten in die Fresse rein!

Brutaler Brawler, der sich in wüsten Rachefantasien ergeht. Verflucht schwer, ein bisschen verbuggt und manchmal auch recht eintönig.

Manche Spiele lassen sich mit einfachen Gesten und ein paar Alltagsgegenständen auch solchen Menschen erklären, die sonst nicht spielen. Bei Tetris könnte ich einfach ein paar entsprechend geformte Klötzchen ausschneiden und aneinanderlegen, bei Doom würde ich Pew-Pew-Geräusche machen und mit meinem Finger imaginär in die Luft schießen. Bei Redeemer jedoch verhält sich das eher wie bei Mortal Kombat. Um zu zeigen, worum es hier geht, müsste ich schon jemandem mit einem Vorschlaghammer eins auf den Kopf geben und ihm danach die Gedärme herausreißen. Denn Redeemer ist ein Top-Down-Brawler im Stile eines God of War. Ihr prügelt, metzelt und ballert euch durch Massen an Gegnern auf der Suche nach dem Eingang ins nächste Level. Das war's.

Naja, nicht ganz. Hinter Redeemer steckt eine (Ironie an) sehr fantasievolle und innovative (Ironie aus) Hintergrundgeschichte. Ihr verkörpert den supermuskulösen Vasily! Vasily war mal Elite-Söldner und Waffen-Experte, der sich für seine Auftraggeber um notwendige Jobs wie Auftragsmorde und Folterungen kümmerte. Dann aber begann er nachzudenken und kam zu dem Schluss, dass all das Morden für ihn zur Sucht geworden ist, weshalb er sich in ein buddhistisches Kloster begab um dort ganz ohne Waffen, aber nach wie vor mit seiner Steroid-Figur, zu meditieren. So verbrachte er viele Jahre, bis seine ehemaligen Auftraggeber von dieser (Ironie an) Schlappschwanz-Aktion (Ironie aus) erfahren und deshalb blutige Rache an ihm nehmen wollen. Und das geht am besten, indem sie einfach ihn und seine Mönch-Freunde erschlagen und erschießen, Blutbad Galore! Das kann Vasily natürlich nicht mit sich machen lassen und deshalb will er jetzt seine ehemaligen Auftraggeber umbringen. Mit ihren eigenen Waffen! Denn Vasily hat wieder von seiner ehemaligen Droge gekostet, dem Töten. Und jetzt kann er nicht mehr damit aufhören.

1

Nicht so leicht zu erkennen: Held Vasily bei der Leichenproduktion.

Entschuldigt bitte das ausführliche Schildern der doofen Geschichte, aber es musste sein. Denn sie steht sinnbildlich für alles, was Redeemer ist und sein will: ein Massaker. Vasily hat im Grunde nur zwei Angriffe: einen Schlag, mit dem er einen einzelnen Gegner treffen kann und einen Kick, der mehrere Feinde auf einmal trifft. Er kann aber je nach Situation auch auf andere Taktiken zurückgreifen. Dank seiner muskulösen Statur kann er beispielsweise auch riesige Gesteinsbrocken vom Boden aufheben und sie auf seine Gegner werfen, das gleiche geht auch mit Fässern und Kisten. Zudem lassen manche Gegner auch ihre Waffen fallen, darunter Elektroschock-Stäbe, Messer und Äxte. Die zieht ihr dann euren Gegnern ebenfalls über die Rübe, wobei diese schneller vor die Hunde gehen, die Waffen selbst aber auch relativ schnell zerfallen. Zudem kennt das Spiel Genre-übliche Mechaniken wie Blocken und Kontern. Auch lassen sich beide Basisangriffe aufladen.

Weil Vasilys ehemalige Söldner-Organisation aber nicht mit fairen Mitteln kämpft, haben eure Feinde auch keinerlei Probleme damit, gegen euch - einen halbnackten Typen, der mit Fäusten und Äxten um sich schlägt - auch die Schusswaffe einzusetzen. Wenn sie euch treffen, zieht das besonders viel Lebensenergie ab, weshalb ihr euch gerade in solchen Situationen darum kümmern solltet, diese Schützen vor allen anderen Gegnern auszuschalten. Auch hier könnt ihr denn ihre Waffe aufnehmen und sie gegen eure Widersacher einsetzen. Das ist besonders gegen die etwas stabileren Feinde sinnvoll, denn die neigen dazu, euch zu Boden zu werfen und euch so lange ins Gesicht zu schlagen, bis ihr oft genug A gedrückt habt. Und wo wir schon bei der A-Taste sind: Ich persönlich fand, dass sich Redeemer mit einem Controller am besten spielt, obwohl es bislang nur für den PC erschienen ist.

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Eine der Exekutionen. Geht so schnell, dass man auf einem Standbild kaum etwas erkennt.

Ein kleines Highlight für alle, die auf ausufernde Gewalt stehen, sind die Umgebungskills. Ihr steht neben einem kleinen Lüftungsschacht? Drückt euren Feind doch mit dem Gesicht voran in den Ventilator! Ein toter Baum? Spießt euren schreienden Feind doch an einem Ast auf! Eine buddhistische Gebetsglocke? Zerdeppert sie doch mit einem gerade noch lebenden Körper. Solche Exekutionsszenen sind im Grunde das Herzstück von Redeemer. Neben den Umgebungskills könnt ihr einige Gegnertypen auch dann exekutieren, wenn sie besonders wenig Lebensenergie haben. Dann erscheint über ihrem Kopf ein Icon und dann könnt ihr beispielsweise euren Elektroschock-Stab in ihre Gedärme rammen. Oder einfach ihren Kopf zerquetschen oder sie gegen die nächste Wand werfen. Dabei passiert es übrigens schon mal, dass sie durch die Wand fliegen, denn frei von Fehlern ist Redeemer nicht gerade. Manchmal bleibt die KI auch in größeren Gruppen an irgendeiner Ecke hängen, so dass ihr euch fröhlich daneben stellen und eure Munition auf sie abfeuern könnt. Unspielbar wird der Titel dadurch nicht aber (Ironie an) das Gefühl mitten in dieser tiefen, spannenden und reichhaltigen Geschichte (Ironie aus) zu stecken, wird eben ein bisschen gebrochen.

Leider ist Redeemer auch grafisch nicht unbedingt ein Meisterwerk. Was ihr da seht, funktioniert, ich kann erkennen, wer wo steht und wer auf mich schießt und ich weiß, wen ich gerade verprügle. Aber ein God of War ist dieses Spiel nun wirklich nicht. Für die eingangs thematisierten Nichtspieler dürfte Redeemer aussehen wie ein grau-brauner Matsch, der von Schrei-, Prügel- und Schussgeräuschen untermalt wird. Da hilft es auch nicht, dass das Spiel in den Exekutionsszenen ganz nah heranzoomt. Beinahe wirkt das übrigens ein wenig, als hätten die Entwickler um die Schwächen ihres Spiels gewusst. Denn die Gewalt wollen sie mit einem solchen Zoom schon zeigen - nicht aber, wie verwaschen die Texturen aussehen. Deshalb geht alles ganz schnell und bis euer verprügelter Kopf überhaupt begreifen kann, was er da grade gesehen hat, müsst ihr sowieso schon den nächsten Muskelpaketen den Elektroschocker auf den Kopf hauen.

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Zwischen den Missionen gibt's erstklassiges Esoterik-Blabla.

Bei all der Ironie: Redeemer ist hier und da schon ein bisschen geschmacklos. Das nicht nur, weil das Spiel zu deutsch sarkastischerweise Erlöser heißen würde. Auch, weil die Tötungsszenen zwar unrealistisch sind, sie die Humorschwelle aber nicht unbedingt so überschreiten, wie das etwa die Mortal-Kombat-Spiele machen. In letzteren ist die Gewalt so überdreht, dass sie schon wieder lustig ist, Redeemer nimmt sich aber selbst sehr ernst. In den Zwischensequenzen, die übrigens weitgehend aus Standbildern bestehen, redet Vasily mit bis ins Ekelhafte überzogenem Pathos von seinem Blutdurst, gleichzeitig seht ihr im Hintergrund Flammen und an Bäumen hängende Leichen. Das ist nicht nur die denkbar generischste Variante von Videospielgewalt, es ist auch einfach blöd. Ich habe nicht grundsätzlich etwas gegen eine drastische und auch gewalthaltige Inszenierung von Computerspielen - aber gut gemacht, passend und angemessen sollte sie dann schon sein.

Was die Gewalt aber kann: Relativ gut den Schwierigkeitsgrad des Spiels repräsentieren. In drei Worten: Es ist schwer. Ihr könnt zu Beginn zwischen einem normalen und einem bockschweren Schwierigkeitsgrad wählen, aber selbst auf normal gibt es immer wieder Situationen, in denen ihr nicht viel tun könnt, außer euch erschlagen zu lassen. Was hilft, ist langsames Vorantasten, aber selbst dann lauft ihr häufig in unerwartete Situationen, was in einem frustrierenden Versuch-und-Irrtum-Vorgehen resultiert. Der Frust wird noch schlimmer durch die nicht gerade großzügig verteilten Rücksetzpunkte. Also: Sterbt und lernt!

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Immer eine Option: Der Einsatz der Schusswaffe.

Redeemer ist bei weitem nicht der God-of-War-Ersatz auf dem PC, als der es vor der Veröffentlichung wahrgenommen wurde. Ja, es gibt brutale Tötungsszenen und für etwa 30 bis 90 Minuten macht auch der virtuelle Massenmord an euren Gegnern noch Spaß. Dann aber merkt ihr: Das Spiel ändert sich jetzt nicht mehr. Klar findet ihr nach der Pistole noch eine Shotgun und nach dem Elektroschocker kommt die Axt. Aber alles was passiert, bewegt sich im Rahmen des Erwartbaren. (Ironie an) Trotz seiner spannenden Geschichte und der ausgefeilten Charakterzeichnung (Ironie aus) ist Redeemer daher leider keine Empfehlung wert.

Entwickler/Publisher: Sobaka Studio/Gambitious Digital Entertainment - Erscheint für: PC - Preis: etwa 15 Euro - Erscheint am: erhältlich - Getestete Version: PC - Sprache: deutsche Bildschirmtexte / englische Sprachausgabe - Mikrotransaktionen: Nein

Redeemer - Test Markus Grundmann Immer mitten in die Fresse rein! 2017-07-31T15:00:00+02:00 3 5
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