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Resident Evil: Revelations 1 & 2 - Mein liebster Grind, jetzt auch zum Mitnehmen

Feiert Weihnachten, fahrt weg, killt ein paar Millionen Zombies

Resident Evil: Revelations, das Episodenspiel der Reihe. Da muss man doch nach Resi 7 gar nicht mehr drüber reden, oder? Alte Schuhe, ausgelatscht, das neue VR-Monster macht sie alle kalt, richtig? Hm, ja, ist wohl richtig, zumal Resi 7 ein wirklich gutes Spiel ist, mit dem ihr ruhig der alternden Verwandtschaft zum Fest das Erlebnis VR näherbringen dürft. Ich dagegen halte mich jedoch weiterhin lieber an Revelations, das in seiner ganzen Glorie nun auch für die Switch zu haben ist.

Warum? Sicher nicht wegen der Story. Man muss Revelations dabei nicht schlechter machen, als sie sind, weder eins noch zwei sind die großen Sternstunden einer Serie, die diese größtenteils beim Trash-Faktor genoss, sobald die Protagonisten was zu sagen hatten. Ihr habt ein bis zwei Dutzend nette, sehr gradlinige Grusel-Stündchen, bei denen ihr immer wisst, wann die nächste Horde Monster kommt: Immer dann, wenn ihr gerade etwas mehr Munition gefunden habt. Aber auch das geht in Ordnung, gerade auf der Switch spielt man nett Abends einfach mal ein Stündchen weg, Horror-Entspannung im Gameplay-technischen Autopilot.

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Ihr wisst, dass so was kommt, wenn ihr zuvor ein paar Tonnen an Munition gefunden habt.

Der Grund jedoch, warum ich an einem Screen von einer Größe klebe, der ich eigentlich längst abgeschworen hatte - im Alter werden die Augen ja nicht besser und das Leben beginnt bei 55 Zoll - ist der Raid-Modus. Bevor ich etwas ausführlicher erzähle, was das ist: Es ist ein Grind. Ein gnadenloser, manchmal stupider, zum Ende hammerharter, ehrlicher Grind. Level, Waffen, Mods, in endloser Abfolge, immer auf der Jagd nach diesen zwei Prozent mehr Schaden. Normalerweise nichts, dem ich mit großen Enthusiasmus entgegensehen würde.

Der Ablauf ist einfach: Ihr wählt eine Figur aus dem Hauptspiel aus, gebt ihr ein paar Waffen und geht in einen kurzen Abschnitt aus dem Hauptspiel, um eine bestimmte Zahl an Gegnern zu erledigen. Das bringt Erfahrung und euch im Leben weiter. Oder so. Von diesen Abschnitten gibt es Massen, in immer wieder neuen Konstellationen aus Gegnern, Belohnungen und Fallen. Zufall ist dabei nur, was ihr als Belohnung bekommt, der Ablauf in einem Abschnitt wird immer identisch sein und so gibt euch das Spiel auf den höchsten Stufen eine Chance, zu lernen.

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Darum geht es wirklich: Level, Erfahrung und Horden von Monstern in stimmigen und vor allem clever entworfenen Umgebungen.

Optisch ist das alles nicht wild, aber auf dem kleinen Screen stört das wenig und sieht sogar weit besser auf, als in die große Diagonale gezerrt. Der Sound ist okay, aber nach Teil sieben wohl kaum noch der Rede wert. Was dagegen einen seltsamen Reiz für mich ausübt, ist die Steuerung. Es ist diese halbe Panzersteuerung, mit der ihr euch beim Zielen etwas bewegt, nicht ganz stocksteif versucht, eure Figur in die richtige Richtung zu zwingen und das satte Feedback der Waffen mit sehr zufriedenstellendem Treffer-Splatter, der ein wenig an eine gewisse alte SEGA Zombie-Arcade erinnert. Nicht schön, aber kernig und das immer und immer und immer und immer wieder. All night long, all night. Vor allem, weil es Gold geben könnte.

Der spaßige Teil eines guten Grinds, den exklusive Skyrim-Spieler nie erfahren werden, ist, dass eure Figur immer besser wird, mehr Schaden anrichtet und alte Stages, an denen ihr zuerst verzweifelt seid, im Spaziergangmodus erledigt. Das wird natürlich schnell langweilig, wenn man sich dann nicht auch in höhere Stufen weiterbewegt, aber es gibt diesen kurzen Sweetspot, wenn ihr einem zuvor verhassten Level mit dem neuen, so kleinen wie essenziellen Waffenupgrade ganz locker das Licht ausknipst, bevor ihr euch woanders in die Verzweiflung stürzt. Wenn ihr das dann hinter euch habt, jagt ihr nach 80 oder mehr Stunden dann einen ganz anderen Drachen: Die goldenen Waffen droppen alle Jubeljahre mal und ich hatte damals das unfassbare Glück, so gut wie nie eine aus den Waffenkategorien zu bekommen, die ich auch wirklich nutzte. Aber das ist okay, ich bin auch der Typ, der in Brave Exvius nie die guten Figuren zieht, bis er dann drei Mal die Gleiche bekommt. Das war der Punkt, wo ich dann doch irgendwann dem Raid-Modus abschwor. Nach gerade mal 140 Stunden Spielzeit, nur in Revelations 2.

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Noch mehr Spaß macht das natürlich, wie fast alles im Leben, zu zweit, daher gibt es auch den lokalen Koop auf der Switch, wobei jeder einen Joy-Con bekommt. Ideal ist das natürlich nicht ganz, aber die zusätzliche Firepower eines zweiten Spielers gleicht das Handicap locker wieder aus. Was auch fantastisch funktioniert - und das auf einer Nintendo-Konsole, Zeichen und Wunder - ist der Online-Koop. Es war kein Problem einen Wegbegleiter zu finden und mit ihm dann unbekannterweise die Welt etwas Zombie-freier zu machen. Dazu habt ihr nun noch eine optionale Bewegungssteuerung mit dem Joy-Con, die ich gern ignoriere, aber da ist und auch ganz ordentlich funktioniert. Alle vorigen Download-Inhalte sind bei beiden Spielen komplett mit dabei, aber neue Sachen gibt es jetzt nicht direkt. Macht nichts, war auch so schon genug vorhanden.

Also, wenn ihr zu Weihnachten eine endlose Bahnfahrt vor euch habt, danach drei Tage bei Menschen sein müsst, bei denen ihr nicht sein wollt, aber soziale und gesellschaftliche Verpflichtungen euch dazu nötigen und dann wieder endlos zurückfahren müsst, dann macht wenigstens was Sinnvolles in der Zeit. Tötetet eine Billion Zombies und holt euch goldene Waffen in diesem erstaunlich spaßigen Dauergrind. Ich würde dabei direkt zu Revelations 2 gehen, denn der Raid-Modus ist hier noch etwas ausgefeilter, aber eigentlich bieten beide Teile das gleiche Maß an Spaß in der etwa gleichen Abwägung: Bei beiden Revelations bekommt ihr eine ganz solide, wenig aufregende Resi-Folge, die sich wie der etwas lieblose Bonus-Modus zu dem eigentlichen Raid-Spaß anfühlt. Und der fühlt sich auf der Switch absolut wie genau für diese Konsole gemacht an. Wenn ihr noch nicht eure Hundert Stunden hier versenkt habt, dann wird es wohl Zeit. Wetter ist eh furchtbar.

Entwickler/Publisher: Capcom - Erscheint für: Nintendo Switch (neu), PS4, Xbox One, PC, Vita - Preis Switch-Version: ca. 20 Euro (Teil 1), ca. 25 Euro (Teil 2), ca. 50 Euro (beide in Box)- Erscheint am: erhältlich - Sprache: Englisch, Deutsch - Mikrotransaktionen: Nein

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