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Razer Raiju PS4 / PC Controller - Test

Mit Kabel wird das nie was.

Die Suche nach einem Elite Controller für die PS4 geht weiter, diesmal ist Razer mit ihren Raiju an der Reihe. Wie praktisch alle Controller, die ein paar Euro mehr kosten, geht dieser als E-Sport-Gerät an den Start, hat einen ganzen Schwung an Zusatzfunktionen und will natürlich auch mit tadelloser Verarbeitung glänzen. Kein Wunder, das gute Stück soll immerhin um die 130 Euro kosten - initial war es sogar noch deutlich teurer -, da muss es auch was bieten. Das ist nämlich sogar mehr als ein Xbox-Elite kostet und etwa das Doppelte eines regulären PS4-Controllers.

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Schick und Feature-lastig, ohne dabei überfrachtet zu sein.

Gegen den DualShock 4 setzt der Raiju sich auf jeden Fall schon mal in der Verarbeitung durch. Alles fühlt sich wertig und stabil an, nichts klappert mehr als es sollte, ihr bekommt sofort den Eindruck eines teuren Produktes. Die Oberfläche ist dabei ein Mix aus fein angerautem Plastik bei allem, was Schwarz ist und unten habt ihr ein paar blau gummierte Griffbereiche für sicheren Halt. Hier liegt das Pad auf dem Mittelfinger auf und Mittel-, Ring- und kleiner Finger greifen sicher zu. Die Ergonomie scheint auch nach knapp 200 Stunden mit dem Raiju noch durchdacht, jedenfalls gab es keine Fingerkrämpfe oder Ermüdungserscheinungen der Finger. Beim Layout bleibt der Controller dem DualShock treu, das heißt, dass die beiden Sticks unten mittig sitzen und das Steuerkreuz links oben. Wer also den Nacon verschmähte, weil er das Xbox-Layout kopierte, bekommt hier das Sony-Ideal. Persönlich nicht mein Ideal, aber da das Raiju größer ist und so für mein haptisches Gefühl besser in der Hand liegt, kann ich auch ohne Schmerzen damit leben. Wortwörtlich, beim DualShock habe ich nach ein paar Stunden leichte Schmerzen in den Daumen, beim Raiju nicht.

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Die Trigger unterhalb des Pads sind keine echten Trigger, sondern Mikroschalter-Taster.

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Wenn euch beim Greifen das erste Features, die zusätzlichen Schnellfeuertrigger unter dem Pad, stören sollten, dann müsst ihr nicht verzweifeln. Sie lassen sich nicht ganz so einfach aushängen wie beim Elite, aber das hat auch den Vorteil, dass sie nicht gelegentlich ungewollt auf große Reisen in Couchfalten gehen. Beim Raiju wird ein kleiner Schraubenzieher mitgeliefert, mit dem ihr in Sekunden die Schraube löst und dann diese Trigger komplett abnehmt. Die Halterung hakt dann mit einem Schieber gesichert im Pad ein und alles ist, als wäre nie etwas da gewesen. Wenn sie dran sind, sind es frei belegbare zusätzliche Tasten und zwar richtig gute. Die Metalltrigger sind nicht analog, sondern Mikroschalterauslöser. Diese Schalter bieten den sauberen, satten Klick, den man von dieser Technik gewohnt ist, der nötige Druck fällt dabei gewollt sehr niedrig aus. Das heißt auch, dass ihr durchaus mal aus Versehen hier was auslösen könnt, muss man sich ein wenig dran gewöhnen. Aber als Option und dann auch noch so flexibel wie qualitativ hochwertig umgesetzt sind sie auf jeden Fall willkommen.

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Links dran, rechts ab: Die unten Trigger-Taster lassen sich mit dem mitgelieferten Schraubendreher schnell ab- und wieder anbauen.

Das andere zusätzliche Tastenpaar liegt innen neben den normalen Triggern. Ihr erreicht diese Tasten - erwachsene Hände vorausgesetzt - mit den Spitzen eurer Zeigefinger, während ihr die Trigger mit dem mittleren Fingerglied auslöst. Das funktioniert weit besser als gedacht, ich gewöhnte mich relativ schnell dran und da auch hier hochwertige Mikroschalter verbaut sind, machen diese Zusatztasten ebenfalls nicht den Eindruck, als wären sie ein billiger Schnellschuss. Ehrlich gesagt fühlt sich der Druckpunkt sogar fast besser an als bei den normalen Schultertasten, die etwas höheren Widerstand leisten. Sie sind sicher nicht schlecht, ganz im Gegenteil, aber fallen angesichts des restlichen Pads nicht besonders auf.

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Die Federtrigger sind stabil und sehr feinfühlig.

Das gilt auch für die beiden normalen Trigger, hinter denen eine solide Federkonstruktion liegt, die zumindest dem Augenschein nach halbwegs langlebig sein sollte. Sicher, an dieser Stelle muss ich natürlich sagen, dass alle Angaben zur Haltbarkeit unter dem Vorbehalt gemacht werden, dass "nur" zwei Monate und 200 Stunden Nutzung als Grundlage herhalten müssen. Nach dieser Zeit gab es aber keine echten Abnutzungserscheinungen, was Anlass zur Hoffnung gibt, dass der Raiju es in der Nachhaltigkeit mit dem Kauf eines Elite aufnehmen kann - der erst dann kaputt geht, wenn jemand einen halben Liter Kakao darüber entleert. Aber in dem Falle würde ich es auch dem Raiju nicht ankreiden, wenn er dann die Hufe hochreißt.

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Rechts gut zu sehen: Keine Mikroschalter für Dich, Du böses Steuerkreuz! (Macht nichts, taugt eh nicht viel).

Ein Zusatzfeature, das auch der Elite kennt, ist die Möglichkeit, die Wege der Trigger dramatisch auf vielleicht ein Viertel zu Verkürzen. Dazu habt ihr jeweils neben den Triggern einen etwas schwergängigen Schiebeschalter, den ihr so aber zumindest nicht aus Versehen bedient. Der Sinn ist, dass es bei Shootern meist keine Nutzung des langen, analogen Wegs gibt und ein kurzes Antippen eigentlich reicht. Mit der Verkürzung werden die Trigger so effektiv zu digitalen Tasten, was gerade bei Shootern auf Dauer sehr viel angenehmer ist. Großartige Funktion, ausgezeichnet, dass sie hier ist.

Weiter mit den Sticks, die einen deutlich eleganteren Widerstand bieten als die des DualShock und auch etwas weicher als zum Beispiel ein Xbox One Controller sind. Selbst der Elite kriegt die Mischung aus genug Gegendruck und doch fast schwereloser Bewegung nicht ganz so gut hin wie der Raiju, definitiv eine echte Stärke des Controllers. Justierungsfehler gab es in der Testzeit nicht, und sogar der austauschbare blaue Gummi-Überzieher sah nach der Zeit fast noch neu aus. Was jedoch auffällt, ist der sehr hohe Widerstand der Stick-Tasten. Gerade wegen der Leichtgängigkeit überrascht das und ihr werdet öfter mal eine kleine Bewegung auslösen, bevor die Taste ihren Kontakt gefunden hat. Es dürfte aber nur sehr wenige Situationen geben, wo das spielentscheidend sein könnte, selbst hypothetisch.

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Die unteren Tasten für Headset-Nutzer ein echter Gewinn. Ist halt doch ein kürzer Weg als ein Griff an das Headset oder zu einer Kabelfernbedienung.

Weiter mit dem Mikroschaltervergnügen und die unter dem Touchpad oben in der Mitte bieten ebenfalls ordentlichen Widerstand, bevor sie mit einem erstaunlich satten Klicken, vergleichbar mit einem echten Arcade-Button, ihre Funktion auslösen. Während die anderen Schalter auch nicht lautlos sind - wie auch? - gehen ihre Geräusche selbst bei geringen Spiellautstärken komplett unter. Wenn ihr aber das Touchpad drückt, dann hört ihr das. Seltsam, dass hier so massive Schalter verbaut wurden, aber halten werden sie wohl ewig. Wenn das Pad irgendwann doch durch ist, könnt ihr sie wahrscheinlich immer noch rausnehmen und damit einen Pac-Man-Automaten retten. Die Oberfläche des Touchpads fühlt sich sehr leichtgängig an, fast als würde man mit dem Finger über eine Teflon-Oberfläche gehen. Sehr angenehm, nur schade, dass das Pad selten für mehr als eine weitere Taste genutzt wird.

Die weiteren Tasten auf der Oberseite - Front-Buttons, Option, Share und PS-Button - sind ebenfalls Mikroschalter-verwöhnt, haben nur einen Millimeter Weg und sind sehr leichtgängig. Und sie fühlen sich fantastisch und direkt an. Alles super also? Nun, leider endet die Glorie mal wieder am Steuerkreuz, der Achillesferse so vieler Pads. Hier entschied man sich für eine Vier-Button-Lösung, kein geschlossenes Kreuz. Das ist bei Shootern und anderen modernen Spielen, wo das Kreuz nur für Menüs oder Waffenauswahl genutzt wird, kein Problem. Aber was ihr vergessen könnt sind Retro-Games, Turnier-Fighter und überhaupt alle Spiele, in denen die Bewegung mit dem Steuerkreuz ausgeführt wird. Es ist komplett die Seuche, um es sachlich zu sagen. Special-Moves sind praktisch unmöglich und selbst eine Runde emuliertes Super Castlevania auf dem PC machte keinen Spaß. Und dabei macht Super Castlevania immer Spaß. Dazu kommt, dass von allen Tasten auf dem Pad sich ausgerecht diese so anfühlen, als wären es keine Mikroschalter, sondern billige Rubberdomes, was wohl klarmacht, welche Priorität das Kreuz bei der Entwicklung genoss.

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Tief versenkt: In diesen Micro-USB-Port darf nicht jedes Kabel festmachen. Eigentlich nur eins, um genau zu sein, also passt gut darauf auf.

Was gibt es sonst noch: Unten habt ihr einen Kombi-Eingang für Kopfhörer oder Headset und dieser hat auch etwas mehr Power als der Wandler des normalen DualShock. Zumindest 32-Ohm-Kopfhörer wurde ausreichend laut, die Qualität war okay. Gerade so, aber immerhin deutlich besser als bei den meisten Konkurrenten. Darüber habt ihr vier Sondertasten: Einen Lautstärkeregler, der in Verbindung mit dem Steuerkreuz funktioniert, eine Stummschaltung und zwei Tasten zur Belegung der Sondertasten. Die Taste zur Umbelegung haltet ihr kurz gedrückt, dann drückt ihr eine der vier Sondertasten und dann die Taste, die die Sondertaste kopieren soll. Dauert nur ein paar Sekunden und funktioniert problemlos, wildem Herumprobieren, welche Taste der vier idealerweise was macht, steht also nichts im Weg. Es gibt sogar zwei Profile, zwischen denen ihr mittels der letzten der vier Sondertasten wechseln könnt. Wiederum, nicht sonderlich komplex, praktisch, tut was es soll. Und bei gerade mal zwei Profilen kommt auch keiner durcheinander...

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Die zusätzlichen Tasten lassen sich auch in Windows nutzen.

Und nun, Damen und Herren, die Design-Meisterleitung, die diesen bisher fast perfekten Controller zumindest in meinen Augen - und damit bin ich sicher nicht allein - ein ganzes Stück nach unten reißt. Erst einmal gibt es wieder das Problem, dass der Raiju wie auch zum Beispiel der Nacon nicht kabellos ist. Die Ausrede ist wie immer E-Sport, geringstmögliche Latenzzeiten und so weiter und das mag für 0,001 Prozent aller Spieler auch eine Rolle spielen. Deshalb wäre eine optionale Kabelanbindung auch sinnvoll bei so einem Gerät. Hier gibt es keine Optionen außer "Kabel oder nichts". Das Kabel selbst ist von der üblichen textilumantelten, hochwertigeren Sorte und mit drei Metern für die meisten wohl lang genug. Hier reicht es gerade so, aber mich mit dem Pad auf der Couch zur Seite drehen geht bei mir zum Beispiel schon wieder nicht mehr, ohne es aus der Konsole zu rupfen. Aber dafür sind ja Verlängerungskabel da. Dann ist das das Phänomen, dass die PS-Taste die Konsole nicht einschaltet, das müsst ihr am Gerät selbst machen, sofern ihr nicht noch einen DualShock nebenbei liegen habt. Ich nehme an, dass es irgendeine Auflage seitens Sony gibt, die das nicht erlaubt, aber das hilft halt nicht viel bei dem Umstand, dass man sich nicht auf die Couch fallen lassen und die Konsole starten kann.

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Das Highlight ist aber das USB-Kabel selbst und der Anschluss-Port am Raiju. Hätten sie ihn noch tiefer in das Gehäuse gesetzt, dann wäre er am anderen Ende wieder rausgekommen. Okay, das ist übertrieben aber fast einen Zentimeter tief in einer speziell ausgekerbten Mulde sitzt der Port nicht mal besonders fest. Wenn ihr an dem Pad zieht, ist es 50-50, ob der Stecker an der Konsole oder dem Pad gezogen wird. Ich habe hier ungefähr 20 Micro-USB-Kabel, keines passt, jedenfalls nicht ohne ein Taschenmesser zu greifen und es zurechtzustutzen. Es ist sinnvoll, dass der Port etwas versenkt ist, um Brüche zu vermeiden, aber das hier ist die denkbar uneleganteste Lösung. Zumal ihr mit dem Kabel sehr vorsichtig sein müsst, einfach Nachkaufen geht scheinbar nicht.

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Immerhin: Für den Preis gibt es eine Tasche dazu, damit wichtige Accessoires wie der Schraubendreher auch später noch auffinbar sind.

Enden wir aber lieber auf einer positiven Note: Der Raiju ist PC-kompatibel und ist bei Steam als Plug-and-Play sofort einsatzbereit. Bei Spielen außerhalb von Steam gibt es einen Raiju-Treiber, der für allgemeine Kompatibilität sorgt, sodass ihr nicht mit Drittlösungen herumexperimentieren müsst. Wenn ihr am PC also auch die DualShock-Sony-Anordnung der Sticks haben möchte, ist der Raiju eine echte, höherwertige Option.

Nein, das ist wieder nicht mein "Elite für die PlayStation". Schon wieder nah dran und doch verfehlt. Der Raiju ist ohne Frage ein durchdachtes, weitestgehend toll verarbeitetes, teures, aber wie ich denke nicht zu teures Stück Technik - wohlgemerkt für die 130 Euro Straßenpreis, 170 wäre dann jenseits der Schmerzgrenze. Die Mikroschalter-Wut im Unterbau ist großartig, die gesamte Haptik von Form und Tasten absolut gelungen und die Features wie die zusätzlichen Tasten und ihre unkomplizierte Belegung praktisch ideal umgesetzt. Die Trigger gefallen mir sogar besser als die "Pedale" des Xbox Elite. Auch ist PC-Kompatibilität mit eigenem Treiber immer ein Plus, also woran hapert es? Bei einem Premium-Produkt für das Geld will ich nicht auf ein so selbstverständliches Feature wie kabellose Nutzung verzichten. Kabel als E-Sport-Option, sicher. Nur Kabel, noch dazu ein sinnlos pseudo-proprietäres, das ist kein Feature, das ist ein Rückschritt in der Entwicklung. Obendrein ist das Steuerkreuz eher ein Wahlschalter als ein echtes Steuerkreuz. Damit werden jedenfalls nicht viele Hadoken geworfen werden. Verregnet das jetzt die ganze Party? Nein, es ist immer noch nah genug an dem dran, was ich haben möchte: Ein echter PlayStation-tauglicher Konkurrent zum Elite und wenn ein Raiju 2 dann irgendwo noch einen Akku-Pack für die Kabellosigkeit unterbringen könnte, wäre dieses eigentlich simple Ziel endlich erreichbar.

Razer Raiju PS4 / PC Controller - Test Martin Woger Mit Kabel wird das nie was. 2017-12-07T08:55:00+01:00 4 5
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