ArmA 2

Endstation Bug-Friedhof?

Armed Assault 2 oder eher gesagt ArmA 2 ist ein Monster von Spiel. Satte 225 Quadratkilometer Fläche, 50 Städte und Dörfer, über 40 Waffen und 120 Fahrzeuge warten auf ambitionierte Taktik-Shooter-Fans. Eine dynamische Kampagne mit sieben umfangreichen Einsätzen, sieben knackige Szenarios, die Waffenkammer zum Ausprobieren des Fuhrparks und der komplexe Editor samt Multiplayer machen es schwer, den Titel in eine Schublade zu stecken beziehungsweise auf seine Einzelteile zu reduzieren. Wie schon sein Vorgänger respektive Vor-Vorgänger Operation Flashpoint liefert dieser Taktik-Shooter zumindest theoretisch Monate-langen Spielspaß und ein wirklich einmaliges Spielgefühl.

Leider sieht die Praxis anders aus. Entwickler Bohemia Interactive hat sich auch diesmal an dem gewaltigen Brocken verschluckt. Die Verkaufsversion war so verbuggt, dass man noch nicht einmal die Kampagne im fiktiven Staat Chernarus durchspielen konnte. Vor allem die Missions-Skripte der komplexen Aufträge machten dem Titel schwer zu schaffen. Immer wieder kam man an einen Punkt, an dem es nicht weiter ging. Endstation Bug-Friedhof.

Immerhin wurde zum Release ein Beta-Patch 1.01 veröffentlicht. Der Not-Flicken kümmerte sich zwar nur um die dringendsten Probleme, doch die recht spannende Story ließ sich damit beenden und eine Menge seltsamer Grafik-Fehler tauchten wieder in der Versenkung unter. Trotzdem war das Spiel noch lange nicht fehlerfrei. Selbst mit dem finalen Patch 1.01 macht die Künstliche Intelligenz immer wieder Kapriolen und sorgt auf beiden Seiten für Kopfschütteln. Während einige Gegner schwerfällig reagieren und recht unbeteiligt in der Gegend rumstehen, erledigen euch andere Feinde trotz Deckung aus hunderten Metern Entfernung. Das gleiche Spiel bei euren Kameraden, aber dazu später mehr.

Trotz der fast fotorealistischen Grafik und der glaubwürdigen Schlachtfeldatmosphäre bewegt sich Armed Assault 2 zumindest in der Kampagne auf dem schmalen Grad zwischen packender Kriegssimulation und Totalausfall. In den deutlich kleineren Szenarien sorgt die geringere Komplexität für Erleichterung. Ohne dynamisch generierte Nebenaufträge werden die Ausfälle seltener. Stattdessen kommt genau die Spannung auf, die schon Bohemias Operation Flashpoint zum Meisterwerk krönten. Und auch der größtenteils funktionierende Multiplayer, der kooperative Online-Modus für bis zu vier Spieler und der mächtige Editor wird Hardcore-Fans glücklich machen.

ArmA 2 – Newsflash

Aber: Bei echten Liebhabern kreist das Spiel sowieso schon 24 Stunden pro Tag im Laufwerk. Sie schlagen mit ihrem Clan Schlachten um die fiktive Republik Chernarus, erstellen mit dem durchdachten Editor aufwändige Missionen und stürzen sich gemeinsam mit Freunden in die Kampagne, ohne groß über die zig Programmfehler zu jammern. Für diese spitze Zielgruppe ist dieser Test nicht gemacht. Vielmehr wollen wir klären, ob trotz der Bugs auch Neu- und Umsteiger glücklich werden. Jetzt zugreifen? Oder doch auf die nächsten Updates warten, die schon bei Armed Assault 1 aus einem unspielbaren Stück Beta-Software eine packende Militärsimulation machten?

Die Geschichte von Armed Assault 2 erinnert ein wenig an die Situation vor dem Kaukasus-Krieg. In einer fiktiven, post-sowjetischen Republik namens Chernarus ist ein Bürgerkrieg ausgebrochen. Nachbar Russland beäugt misstrauisch die Vorgänge, während eine amerikanische Marine-Einheit auf Friedens-Mission versucht, durch ihre Präsenz das Land zu stabilisieren.

Der Feind ist zumindest zu Beginn klar definiert. Die Marines müssen die Aufständischen davon abhalten, Macht und Hauptstadt zu übernehmen. In der Kampagne schlüpft ihr in die Rolle von Sgt. Matt Cooper, der als Teil von Team Razer, einer Force-Recon-Einheit, die Landung der amerikanischen Truppen vorbereitet, anschließend den Vormarsch sichert, nur um am Ende mitten im Kreuzfeuer der Kriegsparteien zu landen.

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