BlackSite

Hätte, wäre, wenn und würde

Eigentlich soll man sich ja über Videospiele nicht aufregen. Doch wie es den Entwicklern von BlackSite gelungen ist, trotz fantastischer Voraussetzungen nur Durchschnitt zu produzieren, ist mir ein Rätsel. Star-Designer Harvey Smith, die Unreal Engine 3, die genialen Physikroutinen von Stranglehold und ein erfahrenes Entwickler-Studio allein machen eben noch keinen Hit. BlackSite ist ein Paradebeispiel für eine verpasste Chance und wird viele Fans schwer enttäuschen. Gerade im hart umkämpften Weihnachtsgeschäft reicht es nicht, Standardware abzuliefern. Dabei hatte alles so wunderbar begonnen...

Pünktlich zum Midway Gamers Day 2007 wurde ein Shooter angekündigt, der auf dem Papier schon mal recht viel versprechend klang. Die Macher des schwer unterschätzten Alien-Shooters Area 51 wollten gemeinsam mit der Game Designer-Legende Harvey Smith (Deus Ex, System Shock, Thief) einen „politischen“ Nachfolger produzieren, der in bester Verschwörungstheorie die amerikanische Außenpolitik an den Pranger stellt. Garniert mit einer schicken Grafik-Engine und einem gefälligen Gegner-Design galt der Titel lange als echter Geheimtipp und wurde bei den Fans des Szenarios ganz hoch gehandelt.

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Braun in braun in braun: Die wüste Wüste.

Auch die erste Demo im Mai diesen Jahres sah fantastisch aus. In einer verregneten Nacht musste sich eine amerikanische Spezialeinheit durch das verschlafene Örtchen Rachel kämpfen und es mit genetisch manipulierten Supersoldaten und waschechten Aliens aufnehmen. Dank gelungener KI, zerstörbarer Umgebung und nahezu perfekter Präsentation schien da eigentlich nichts mehr schief gehen zu können. Doch es kam, wie so oft, ganz anders als man denkt und der Titel glitt den Entwicklern aus den Händen.

Als bei der nächsten Präsentation erste Schwierigkeiten auftauchten, schob man es zuerst auf die unfertige Version. Doch einige der grundlegenden Gameplay-Elemente, wie die deutlich zu stumpfsinnigen Rail-Shooter-Sequenzen, funktionierten einfach nicht. Trotzdem gibt man als echter Fan die Hoffnung nicht auf. Schließlich sitzt da ein hervorragender Game Designer dran. So viel kann da ja nicht schief gehen. Wieder falsch gedacht!

Nun steht das Endergebnis im Laden und es entspricht leider nicht den Erwartungen. Dabei ist die Story eigentlich noch ganz ansehnlich. Die politische Komponente ist zwar irrelevant, doch der Rest ist herrlich verquasteter Trash, den man so viel zu selten zu sehen bekommt. Gleich der erste Twist im Irak, wo man erst auf der Jagd nach Massenvernichtungswaffen ist und dann in einem Bunker ein außerirdisches Artefakt findet, ist durchaus gelungen. Doch leider zeigt dieser Level auch schon eklatante Mängel, die sich im Laufe der Zeit kaum bessern.

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Ich sehe ein Licht am Ende des Tunnels.

Die extrem schwankende Grafik-Qualität ist von Anfang an ein Dorn im Auge. In einem Moment reißt Ihr noch vor Begeisterung den Mund auf, um die satten Farben und Effekte zu bewundern, nur um ihn im nächsten Moment wieder enttäuscht zu schließen. Ihr werdet nicht glauben, welch platte Texturen und langweiligen Modelle mit der mächtigen Unreal Engine 3 möglich sind.

Das Waffenhandling ist dagegen gar nicht mal so schlecht. Das Sturmgewehr besitzt zwar keinen nennenswerten Rückstoß, doch dank der leichten Streuung wird es nicht zur Überwaffe. Auch das Scharfschützengewehr, der Raketenwerfer und die Pistole gehören zur netten Standardausrüstung, die durch ein paar interessante Alien-Kreationen ergänzt wird. Eine Schrotflinte, die auch um die Ecke schießt und eine mächtige Plasma-Gun trösten über einige Unzulänglichkeiten hinweg.

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