Blog: Die Internetsperre im Jahr 2019
In die Schweiz für Wikipedia
Wir schreiben inzwischen das Jahr 2019, aber ich weiß noch, wie es 2009 alles anfing. Da wurde das Internet für alle Kinderschänder gesperrt. Das war eine gute Sache. Oder wäre es zumindest gewesen, wenn es denn so einfach geklappt hätte. Die Gestalten, die sich des Rechtes, sich Menschen zu nennen, selbst beraubten, surften fröhlich weiter, änderten ein klein wenig ihre Vertriebskanäle und setzen ihr perverses Dasein fröhlich fort. Ab da dann sogar ungestört von der deutschen Regierung, schließlich hatte man ja die Seiten gebannt. Man hatte doch was getan, man hat ja auch noch andere Sorgen.
Die hatte man wirklich, denn was macht man denn mit so einem coolen Filter, wenn er erst mal da ist? Man filtert fröhlich weiter. Rechtsextreme Seiten oder verrückte Bombenbauer kamen erst mal nicht ins Gespräch. Stattdessen widmete man sich dem Staatsfeind Nummer 1, dem Killerspiel. Flugs ein paar Filter dazu und schon ballert kein 17jähriger mehr auf Pixel. Keine Amokläufe mehr, Friede in Lummerland. Endlich.
Als zwei Jahre später ein grausiger Amoklauf in einer Schule stattfand, wurden natürlich sofort die Schuldigen ausgemacht. Er hatte Songs von Bushido, Pantera und den Backstreet Boys auf dem MP3-Player. Da es schwerfiel, sich hier auf ein bestimmtes Genre einschießen, sperrte man sicherheitshalber alle Musik aus dem deutschen Internet aus. Außer natürlich guter, ordentlicher, deutscher Volksmusik. Die blieb.
Dass sie die einzig ordentliche Musik sein muss, wurde klar, als zwei Jahre später eine furchterregende Mordserie das Land erschütterte. Der Täter hatte gar keine Musik, dafür aber neben 6000 anderen, weit gefächerten Büchern auch eine Ausgabe von Brad Easton Ellis American Psycho auf seinem eBook Reader. Seine Taten und Motive konnte die Polizei zwar auch mit viel Fantasie nicht mit dem Buch verbinden, Politikern fiel dies aber deutlich leichter, und so verschwand über Nacht 90 Prozent des Buchmarktes aus dem Netz. Amazon machte noch am selben Abend seine Deutschland-Seite zu.
Weitere zwei Jahre später erschoss ein völlig harmlos anmutender Schüler eine Vielzahl von Menschen. Auf das Warum antwortete er lakonisch: „Weil mir langweilig war. Außerdem war Montag.“. Er hatte keinen Computer, keine Bücher und keine Musik. Woher auch, der deutsche Zoll war, neben der Regulierungsbehörde für das Internet, inzwischen auch die größte Instanz im Land, die gewissenhaft alles an der Grenze abfing. Irgendjemand wagte es ketzerisch zu fragen, ob vielleicht Fehler in der Erziehung des Kindes eine mögliche Ursache sein könnte, aber man ließ sich gar nicht erst auf solche wirren Gedanken ein. Der Amokläufer war halt verrückt. Fertig.
Heute, eine kurze Dekade nach dem verhängnisvollen Fehlschuss gegen die Kinderschänder, zeigt sich, wohin gute Absichten führen können. Ich plane gerade eine Reise in die Schweiz, weil dort der Zugriff auf Wikipedia noch nicht gesperrt wurde. Das kam hier nämlich, als China gegen den Eintrag des Dalai Lamas und der Uiguren protestierte. Um nicht wirtschaftlichen Schaden zu riskieren und die guten Handelsbeziehungen mit dem Fernen Osten zu gefährden, setze man dann lieber gleich alles, was Wiki heißt, in den Filter. Sicher ist sicher. Und wenn ich schon mal in der Schweiz bin, kann ich vielleicht das neue Album der The Killers kaufen. Dass die mit dem Namen, und auch noch Rockmusik, hier gefiltert werden, ist ja doppelt selbstverständlich.
…Zeitmaschine zurück…
Zurück in die Gegenwart. Meine kleine Zukunftsvision scheint euch aus der Luft gegriffen und unendlich weit hergeholt? Vielleicht ein wenig übertrieben, aber die Kurzschlussgedanken des CDU-Politikers Thomas Strobl zeigen, dass diese Leute nicht den Hauch einer Ahnung haben, wie tief sie mit solchen Vorschlägen in die Grundrechte dieses Landes eingreifen. Im Prinzip wird damit nichts anderes ganz lapidar verkündet, als dass eine Einschränkung von Artikel 2 und 5 keine große Sache mehr sei. Man setzt ja nur ein Häkchen im deutschen Superrouter. Das ist doch kein Eingriff, das macht man zu Hause doch auch gelegentlich.
Was soll man jetzt tun? Amoklaufen? Nie eine gute Idee. In die Illegalität abtauchen und wie ein perverser Kinderschänder im Netz auf die Jagd gehen, nur halt nach Spielen, die in allen uns umgebenden Ländern legal sind? Auch nicht so prall, warum sollte man sich selbst kriminalisieren lassen. Auswandern? Hmm, eigentlich mag ich es hier.
Ich weiß nicht, was ihr macht, aber ich gehe in die Politik. In der SPD bin ich schon seit langer Zeit und ich werde sehen, ob sie es noch schaffen, das Gesetz zu verhindern, wie einige der Genossen es vorhaben . Ich kann es nur hoffen, weil es mir die Arbeit spart, auszutreten und zur Piratenpartei zu wechseln. Wenn ihr noch nicht wisst, dass es eine Partei ist, die für informelle Selbstbestimmung, digitale Freiheiten und auch Spiele eintritt, dann guckt Euch doch einfach mal deren Seite an.
Was auch nicht schaden kann, ist sicher die Unterzeichnung der Netzpetition direkt beim Bundestag. Kostet nichts, und ihr seid in guter Gesellschaft. Fast 120.000 Leute waren schon vor Euch da. Aber beeilt Euch, es läuft nur noch bis zum 16. Juni.
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Kommentare (28) Latest comment vor 3 Jahren
Die Kommentare sind nun geschlossen. Vielen Dank für deine Beiträge!
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Um das fortzuspinnen:
Bis 2029 werden wir Bürger privat gar keinen Zugriff mehr auf das Internet haben, wir bekommen unsere Informationen direkt aus dem Info-O-Mat des Staates. Privates Surfen steht unter Strafe, es könnte ja unter Umständen etwas Gefährliches daraus entstehen. Irgendwie erinnert mich das an Zeiten, die doch eigentlich schon vorbei waren....
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Och, keine Sorge, denen geht es weder um Kinderpornographie noch um Killerspiele. Es geht genau darum, die Grundrechte weiter einzuschränken.
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Ich erinnere mich noch an Zeiten, da waren die Gamer noch nicht politisiert, Links oder Rechts war scheißegal. Man ließ die hohen Damen und Herren machen was sie wollten, denn sie störten ja sowieso nicht, und Interesse hatten sie ja auch nicht an den Gamern.
Ja, man könnte sagen es gab ein gegenseitiges Desinteresse.
Dann gab es ein paar Irre, die unbedingt Leute umbringen mussten, und weil man bei ihnen Spiele fand (wie bei etwa 80% aller anderen Menschen der gleichen demografischen Gruppe auch) die nicht in die gute kleinbürgerliche Welt passten, in der unsere Politiker noch immer leben, musste es ja der einzige Auslöser sein. Anderfalls hätte man ja den Fehler bei sich selbst suchen müssen, und das kann man doch nicht machen, so als Politiker.
Nein, schnelle und billige Lösungen wieder besseren Wissens mussten her, um dem bildlesenden Pöpel zu gefallen...
Naja, es wäre jedenfalls schön, wenn du uns auf dem Laufenden halten könntest, also welchen Erfolg du bei der SPD hast.
Falls es nicht funktioniert, kannst du hier ja immernoch deinen Parteieintritt in die Piratenpartei bekanntgeben. ;-)
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Zur Europawahl habe ich die Pirates schon gewählt.
Die Schweiz ist allerdings auch nicht unbedingt die beste Wahl.
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Stimmt, da muss man schon nach Schweden! :-)
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Damit möchte ich keinesfalls Kinderpornografie in irgendeiner Weise rechtfertigen, nur ist es ziemlich hetzerisch wenn ihr alle über einen Kamm schert. Man geht davon aus das der Großteil aller pädophilen abstinent ist und diese Leute selbst massive Probleme mit ihrer Sexualität haben, wie auch Filme wie "The Woodsman" gut zeigen. Die Thematik ist halt mal wieder viel komplizierter als von tumben "Todesstrafe" Forderern oft dargestellt.
Daher muss Kinderpornografie selbstredend bestmöglich verhindert werden.
"Menschen" sind Konsumenten solcher Medien aber trotzdem. Nur halt mit einem existenziellen "Problem".
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btt: Internetsperren helfen Straftätern
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Kinderpornographie hosten ist heute schon VERBOTEN. Und mehr noch: das BKA muß dagegen vorgehen, wenn sie davon hören. Das heißt: wenn das BKA die Daten hat, um eine Site auf die Zensurliste zu tun, dann hat sie auch genug Daten, um die Löschung der Site betreiben zu können und zu müssen, und zwar ohne Verzug.
Eine Frau, die auf die Idee kommt, Kinder zu Testkäufern von Alkohol zu machen, die träumt selbstverständlich auch davon, einen Schalter im Browser (den sie kaum kennt) zu installieren, mit dem man das “liebe BKA” über gefährliche Inhalte im bösen Internet fix mal informieren kann.
Es genügt nicht, unfähig zu sein, man muss auch in die Politik gehen.
spd-basis rebelliert gegen zensursulas sperre, aber am 18. kippen die wie so oft zuvor wieder um. Das Szenario ist schon sehr treffend beschrieben.
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Da gabs auch einen Bericht von dem AK Zensur zu. Das BKA geht da lieber den langen Dienstweg, wenn die Server im Ausland gehostet werden. Und das dauert so im Schnitt einen Monat bis die Provider überhaupt erfahren, das über ihr System KiPo verbreitet wird.
Der AK Zensur hat zum Vergleich einfach mal die Provider direkt angeschrieben, und siehe da - in den meisten Fällen wurden die Seiten innerhalb von 24 Stunden vom Netz genommen, und zwar Weltweit. Aber was kann man auch anderes von einem Land erwarten, in dem allein ein Drittel aller Steuergesetze der Welt existieren...
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heise.de
Warum wieso weshalb?
Twitter weiß die Antwort.
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Dann lass dich doch bekehren!
/unschuldig-in-der-Gegend-rumpfeif
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Trotzdem werden tausende Kinder am Tag verschleppt, mißbraucht und nachdem Sie fertig sind auch ermordet. Für den Staat ist es unglaublich einfach diese Perverse zu dingfest zu machen, aber an die USA woher die meisten Seiten stammen, traut sich natürlich keiner heran.
Was würde ich machen ? Alle Kinderporno Seiten Betreiber verhaften, nach intensiver Nachforschung eine großangelegte Jagd auf die Perversen Material lieferer veranstalten. Länder die diese Schweine schützen boykottieren. Ich bin mir sicher, der dumme Steuerzahler würde gerne die Milliarden von Euros in Kauf nehmen , damit unsere Kinder mehr geschützt werden.
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Hmm, ich denke das wissen diese Leute sehr genau, dumm sind sie nämlich nicht. Es mag einem leicht fallen diese Leute als dumm zu bezeichnen, aber sie als dumm zu bezeichnen wäre eine Beschönigung. Sie sind skrupellose Opportunisten und Populisten, Heuchler die ihre eigene Mutter verkaufen würden. Es geht darum alte Leute an die Wahlurne zu bringen. Die jungen Leute wählen ja eh nicht und das ist gut so.
Aber es gibt für alles einen Ausgleich. Die Strafe für ihr handeln sind SIE SELBST, vielmehr ihr verkommener Geist. Im Grunde bestrafen sie sich selbst, aber sie wissen das nicht Mal, das gehört zu deren Strafe dazu. Jedes Mal wenn man so handelt macht man sich selbst kaputt. Im Grunde sinds bemitleidenswerte, hoffnungslose Kreaturen.
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Wir ham das richtige (Welt)bild
von Betina Winsemann, Telepolis
Internetsperren verhindern keine Straftaten, aber Strafverfahren
von Marita Wagner, Telepolis
Community sagt alle weiteren Gespräche mit SPD-Verhandlungsführer ab
von Alvar Freude, AK Zensur
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(1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.
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Anders gesagt: Berlin und Peking liegen nur einen Mausklick auseinander.
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<a href="http://spdpiraten.wo rdpress.com/">http://spdpiraten.wo rdpress.com/
</a>
Bin mal gespannt wann die anderen Parteien nachziehen.