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Brothers in Arms

Großer Krieg, kleiner Umfang

Ich habe lange überlegt, wie eine witzige und unterhaltsame Einleitung zu einem Spiel aussehen könnte, das doch ein sehr ernstes Kapitel in der Weltgeschichte thematisiert. Schließlich geht es in Brothers in Arms DS für Nintendos innovativen Taschenspieler um den Zweiten Weltkrieg. Aber so wirklich ist mir dazu nichts eingefallen, Krieg ist nun mal eine sensible Angelegenheit. Außerdem hat Deutschland dabei bis jetzt immer den Kürzeren gezogen, und über Niederlagen macht man zudem keine Witze!

Daher komme ich also ohne weitere Umschweife zum ersten WWII-Shooter der DS-Geschichte. Da der Ausgang aufgrund des historischen Hintergrundes sowieso festgelegt ist, schlagt Ihr Euch genretypisch auf die Seite der Alliierten, um gegen die „Krauts“, wie die Deutschen in dem Spiel historisch korrekt genannt werden, in den Kampf zu ziehen. Das waren sie dann auch schon, die Gemeinsamkeiten, die sich Brothers in Arms DS mit seinen Namensvettern auf den TV-Konsolen teilt, denn alle allzu komplexen Spielmechanismen wurden kurzerhand wegrationalisiert.

Erwartet daher von der Taschenversion keinerlei taktischen Einschlag oder zu komplexes Teamwork, insgesamt ähnelt das Spiel eher einer kleinen Version eines Call of Duty-Teils. Weltkriegsshooter-Experten könnten trotzdem irritiert sein: Statt wie Call of Duty oder die "großen" Brothers in Arms-Teile auf die Ego-Perspektive zu setzen, wählten die Entwickler bei der Handheld-Variante die Verfolger-Perspektive.

3

Sieht besser aus, als es sich steuern lässt.

Allerdings punktet die DS-Version wie die TV-Konsolen-Konkurrenz vor allem in Sachen Atmosphäre. Kaum seid Ihr zum x-ten Mal in der Normandie gelandet, seid Ihr mit Sicherheit wie ich von Brothers in Arms DS gewaltig überrascht. Eine eindrucksvolle Grafikkulisse umschmeichelt Eure Augen und für den Hauch eines Momentes glaubt Ihr nicht, ein DS-Spiel vor Euch zu haben. Die Grafik überzeugt in bestem 3D mit der typisch dreckigen und düsteren Atmosphäre dank seines Rauch-vernebelten Settings und jeder Menge Action.

Die Begeisterung über die grafische Qualität ist jedoch in dem Moment verflogen, in dem Ihr zum ersten Mal mit dem Rücken zur Wand steht oder neben Euch eine Granate hochgeht. Genau dann offenbart die Hardware schonungslos ihre Schwächen: Texturen besitzen bei entsprechend kurzem Abstand riesige Pixel, Pop-Ups ploppen in nicht nicht allzu weiter Ferne vor Euch auf und Clipping-Fehler konnten kaum ausgemerzt werden. Scheißegal, der Spielspaß stimmt, die Soundeffekte sind fett und das Missionsdesign ist wirklich abwechslungsreich.

Die Spannung auf dem Schlachtfeld ist zum Greifen nahe, die nächsten Deutschen, die auftauchen, pumpen einen weiteren Schuss Adrenalin in den bereits angespannten Körper, auch ohne 5.1-Unterstützung und HD-Grafik kommt sogar unterwegs bedrohliche Kriegsatmosphäre auf. Wer hätte gedacht, dass Nintendos Kleiner schon so auf dicke Hose machen kann? Nachdem Ihr den ersten Abschnitt aus der obligatorischen Normandie-Eröffnungsmission abgeschlossen habt, dürfte Euch die Steuerung sicherlich bereits begeistern. Dazu haben die Entwickler fast komplett das Interface von Metroid Prime kopiert, naja, oder sagen wir besser, sie haben sich von einem hervorragend funktionierenden Steuerungsschema stark inspirieren lassen.

Wie beim Nintendo-Vorbild steuert sich Euer Pixel-Alter Ego fast wie mit Maus und Tastatur, was tadellos von Statten geht - zumindest so lange Ihr das Fahren jeglicher Vehikel vermeidet. Aber nach einer kurzen Eingewöhnungszeit kommt Ihr auch damit ganz passabel zurecht.

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