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Champions Online

Erste Bestandsaufnahme: Keine Zeit für Verlierer

Dieser erste "Test" wird nicht leicht. Denn Champions Online macht es einem nicht leicht, aber, und darüber ist ja in den letzten Monaten viel diskutiert worden, welches MMO tut das schon?

Dennoch, in den zehn Jahren, die ich mich jetzt mit MMOs auseinandersetze, hab ich nur selten ein so ambivalentes Spiel wie Champions auf der Festplatte gehabt. Für jedes tolle Feature hat es wiederrum eine unverzeihliche Schwäche. Es gibt Dinge, die sind genial. Und dann gibt es Sachen, die so offensichtlich Blödsinn sind, dass man ein bisschen innerlich stirbt, wenn man auf sie stößt. Und dann kann man wieder fliegend Monster mit Feuerbällen beschießen und alles ist vergessen.

Trotzdem: Die Ambivalenz bezieht sich diesmal nicht nur auf die konkreten Spielelemente. Ist ja alltäglich, dass ein Spiel gute und schlechte Ideen liefert. Die Kritik geht diesmal etwas tiefer. Champions Online ist nämlich schizophren. Warum und wieso, werde ich versuchen, auf den nächsten zwei Seiten zu erklären.

Aber zuerst die Einleitung. Champions Online ist das zweieinhalbste Superhelden-MMO von Entwickler Cryptic (nach City of Heroes und City of Villains) und fängt fantastisch an. Denn: man hat sich auf eine der großen Stärken der vorherigen Titel besonnen und ausgebaut. Und so ist der Detailgrad, mit dem der Character Creator ausgestattet ist, fast schon einen eigenen Test wert, alles andere würde bei dem Versuch seine ganze Tiefe in Worte zu fassen, kläglich scheitern.

Deshalb glaubt mir einfach, wenn ich sage, bei der Charaktererschaffung könnt ihr fast alles machen, was man sich in seinen wildesten Träumen nur vorstellen kann. Das gesamte Superhelden ABC. Von stylish bis absurd, von nachgemacht bis realistisch. Jeder, den man davor setzt, wird hier alleine unzählige Stunden verbringen, um wirklich das Letzte, das Beste und das Albernste für seinen zukünftige Helden herauszuholen.

Champions Online – Gameplay-Trailer

Das wirkt natürlich im Spiel weiter. Immer wieder bleibt man stehen und wundert sich, schüttelt den Kopf und lacht laut, zuhause, alleine vor seinem PC. So treffe ich Agent 47 (aus Hitman) und Mr. Incredible aus dem Pixar Film The Incredibles. Ich teame mit übergewichtigen Batmans, mit Samuraischert-schwingenden Katzenfrauen, die mittels Feuerschuhen durch die Gegend fliegen. Totale persönliche Verwirklichung in einer ihrer genialsten Formen. Hier ist wirklich jeder Held eine wunderschöne, individuelle Schneeflocke.

Aber, so toll das ist (und es ist sehr toll), es hat zwei Probleme.

Das erste nenne ich mal philosophisch das Spore-Problem und damit meine ich nicht den Kopierschutz. Genau wie bei Will Wrights Evolutionsexperiment, kann auch bei Champions alles, was nach so einer zu tiefst kreativen Charaktererschaffung kommt, eigentlich nur enttäuschen. Denn egal wie hübsch oder häßlich, egal ob man nur einmal auf den Random-Knopf gedrückt hat oder sieben Stunden mühsam jedes Detail modelliert hat, auf das Spiel wirkt sich die Mühe nur bedingt aus.

Punkt zwei: Der Held, der am Ende rauskommt (egal ob cool oder lustig), ist fertig. Er sieht genauso aus wie er soll und hat genau die Power, die er hat. Er kann schon nach fünf Leveln fliegen (oder was auch immer ihr euch für eine der tollen Transportkräfte aussucht). Ihr könnt Feuerbälle schießen oder die Gegner mit zwei Pistolen über den Haufen knallen. Aber die klassische Heldenreise vom einfachen Bauern zum Superkämpfer findet weniger statt. Neues Equipment verstaut ihr einfach anonym in eurer Gegenstandsleiste und eure Werte verbessern sich. Vielleicht gibt es noch einen zusätzlichen visuellen Effekt im Kampf, aber das war's. Von außen seht ihr immer noch so aus wie in Level 1 bei genau 0 XP.

Die Gegenstandsleiste bringt uns wieder zu einer guten Idee. Jeder Held kann mit verschiedenen Builds ausgestattet werden. Einer zum Beispiel ausgelegt auf das Solo-Spiel, einer für Gruppenarbeit und so weiter. Diese Builds können mit einem einfachen Knopfdruck umgeschaltet werden, und zwar komplett. Um die Mechanik zu nutzen, bedarf es einer gewissen Planung, die aber zahlt sich aus. Ein Klick und man ist auf die meisten Kämpfe gut vorbereitet.

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