Crysis - Testbericht

Intelligent, stark und gutaussehend

Die ersten 20 Minuten waren eine herbe Enttäuschung. Nach einem furiosen Start mit nahezu perfekten Gesichtstexturen und einer wuchtig designten Nanosuit, fühlte ich mich plötzlich ins Jahr 2004 versetzt. Die Landung am Strand, die Felsformationen, die Palmen und selbst das Gameplay erinnerte frappierend an den Vorgänger Far Cry.

Mein erster Durchgang mit den vom System vorgeschlagenen Details war auch optisch durchwachsen. Gerade zu Beginn geizt Crysis noch etwas mit seinen Reizen und ohne einen starken Rechner bewegt man sich nur selten auf Next-GenNiveau. Aufploppende Gegenstände, platte Texturen und mittelprächtige Lichteffekte sollten doch eigentlich der Vergangenheit angehören.

Aber der erste Eindruck täuscht. Mit etwas Feinarbeit und Geduld entpuppt sich Crysis mit der Zeit als der erwartete Grafikhammer, ein intelligentes Actionspiel und ganz großes Kino. Man muss nur die Details etwas weiter nach oben stellen und auch mal weniger als 30 Frames ertragen können. Im Gegenzug bekommt man eine prächtige Optik geliefert, die in puncto Realismus Zeichen setzt (Tuning-Tipps folgen).

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Auch mit der Nanosuit ist man nicht unverwundbar.

Kaum erreiche ich nämlich den Urwald, wabern Nebelschwaden durch das Dickicht, die Pflanzen werden durch Berührung zur Seite gedrückt und mir rutscht gleich bei der ersten Zwischensequenz das Herz in die Hose. Mag die Umgebung in den ersten Stunden auch noch so vertraut sein, am Ende ist Crysis eben doch aus einem ganz anderen Holz geschnitzt als sein in die Jahre gekommener Vorgänger.

An dem grundlegenden Gameplay hat sich dabei wenig geändert. Gerade in der ersten Hälfte schlagt Ihr Euch durch verschiedene feindliche Stellungen, die mit ihrer offenen Architektur und den hochintelligenten Gegnern ständig Far Cry zitieren. Es gibt zwar eine deutlich besserer Geschichte, glaubhaftere Charaktere und ein kraftvoll in Szene gesetztes Exoskelett, an der non-linearen Vorgehensweise hat sich aber Gott sei Dank nichts geändert.

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Die Gesichtstexturen und die dichte Vegetation sind wirklich atemberaubend.

Wie es Crytek-Chef Cevat Yerli in seinem Review-Video passend erklärt, ist man in den ersten Stunden ständig in so genannten Action-Bubbles unterwegs. Diese folgen stets einem ähnlichen Ablauf, der sich aus Annäherung, Erkundung und Ausführung zusammensetzt. Im späteren Verlauf wird das Gameplay zwar auf eine dichtere Erzählstruktur und dramatischere Gefechte in engere Bahnen gelenkt, doch bis dahin stehen einem nahezu alle Wege offen. Um Euch dieses Sandkasten-System näher zu bringen, begleiten wir den Hauptdarsteller Nomad auf eines der größten Schlachtfelder, den Hafen der Insel Lingshan.

7. August 2020, Pazifik, Lingshan

Die Nordkoreaner haben ohne mit der Wimper zu zucken, die gesamte Insel besetzt. Nach der Entdeckung eines Artefakts durch ein paar Wissenschaftler haben sie im Eiltempo Truppen verlegt und wir müssen den Saustall nun aufräumen. Zusammen mit meinen Kollegen vom Marine Corps, sind wir in einer Nacht- und Nebel-Aktion über der Insel abgesprungen und mussten trotz unserer High-Tech-Rüstungen erste Verluste hinnehmen. Irgendwas auf der Insel läuft schief und die Koreaner sind nicht unser einziges Problem.

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