Crysis: Warhead

Besser als das Original?

Wann habt Ihr zum letzten Mal, ein wirklich erstklassiges Shooter-Addon gespielt? In der jüngeren Vergangenheit fällt mir da nur Half Life 2: Episode 1-2 ein. Der Rest, inklusive den eher mäßigen F.E.A.R.-Erweiterungen, fällt eher in die Kategorie "muss nicht sein, hatten wir schon". Crysis: Warhead macht da schon eine bessere Figur. Satte 5 bis 7 Stunden Dauer-Action, ein glaubwürdiger Haupt-Charakter, einige sehenswerte Grafik-Updates und ein eigenständiger Multiplayer-Part - das sieht auf dem Papier schon mal recht beeindruckend aus.

Nichts desto trotz ist Warhead ein reinrassiges Addon und kein Crysis 1.5. Denn neue Gegner, Gameplayelemente oder Landschaften sucht Ihr vergeblich. Crytek Ungarn bietet Euch stattdessen einen wilden Adrenalin-Ritt, der Euch als eine Art Crysis Reloaded eine spannende, aber auch vorhersehbare Neben-Story präsentiert. So weit, so gut, doch kann Warhead das einmalige Niveau des „Hauptprogramms“ halten oder gar übertreffen?

Eine kleine Enttäuschung vorweg: Hauptcharakter Psycho ist nicht ganz der durchgeknallte Charakter geworden, den ich mir noch in der Vorschau gewünscht habe. Immerhin streckt er im Gegensatz zu Nomad, dem Helden von Crysis, sein kantiges Gesicht gleich mehrmals in die Kamera und zeigt große Gefühle. Er ist keine eiskalte Killermaschine, sondern ein fühlender Mensch, der das ganze Spektrum, von Wut über Verzweiflung, bis hin zu Trauer durchlebt.

Trailer

Seine Handlungen wirken so deutlich glaubwürdiger als bei Nomad und man leidet richtig mit, wenn er zum Beispiel einen toten Freund in den Händen hält. Trotzdem wird auch Warhead keinen Oscar für den besten Hauptdarsteller gewinnen und erst recht nicht für das beste Skript. Stattdessen wird gutes Action-Kino mit einem leider bekannten Ende geliefert, das durch die große Komprimierung kaum Leerlauf bietet.

Statt also große Änderungen am Gameplay vorzunehmen, wurde die Taktrate deutlich erhöht. Gleich in den ersten 5 Minuten brennt die Luft. Hauptdarsteller Psycho gehört zu einer amerikanische Einsatzgruppe, die auf einer karibischen Insel ein außerirdisches Artefakt bergen soll, an dem leider auch die Nordkoreaner interessiert sind. Während sich Crysis um die Hauptstory kümmert, macht Psycho die andere Seite der Insel unsicher und wird sofort ins Gefecht geworfen. Während Ihr Euch auf die feindlichen Linien zubewegt, werden Luftangriffe durchgeführt, Artillerie-Schläge verteilt und ganze Wald-Abschnitte in Schutt und Asche gelegt.

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Eisige Begrüßung mit den Läufen der AVG-Maschinenpistole.

Eine langsame Vorgehensweise ist zwar immer noch möglich, über weite Strecken müsst Ihr aber über einen sehr ausdauernden Ballerfinger verfügen. Der Titel jagt Euch nicht von Action-Blase zu Action-Blase, nur um wie bei Crysis zur Hälfte in Linearität zu versinken. Stattdessen bietet er ohne viel Leerlauf ein recht lineares Grundlayout, das von Seitenmissionen und viel Bewegungsfreiheit aufgebrochen wird. Außerdem trefft Ihr auf deutlich mehr Feinde, die durch die verstärkte Nano-Rüstung zumindest auf dem normalen Schwierigkeitsgrad stets beherrschbar bleiben.

Trotzdem habt Ihr nie das Gefühl, locker durch das Szenario zu spazieren. Die Level-Designer haben diesmal ein deutlich besseres Händchen, was Spielfluss und strategische Vorgehensweise angeht. Ich kann jedem nur empfehlen, nach dem ersten Durchspielen einen Versuch mit dem Delta-Schwierigkeitsgrad zu wagen. Knallhart, fordernd und richtig motivierend.

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