Deathspank

Das Ron-Gilbert-Comeback

Fast 20 Jahre hat sich Lucasarts-Mastermind Ron Gilbert auf seinen Lorbeeren ausgeruht und bei keinem Vollpreis-Erwachsenen-Titel mehr die Finger im Spiel gehabt. Erstaunlich, schließlich hat der Schöpfer von Maniac Mansion, Monkey Island oder Indiana Jones and the Last Crusade absolute Meisterwerke geschaffen, die noch heute in puncto Humor Weltklasse sind. Erst jetzt wagt er sich mit einem für ihn wirklich ungewöhnlichen Titel in den harten Konkurrenzkampf des Jahres 2010.

Warum ungewöhnlich? Zum Einen ist Deathspank ein reiner Download-Titel, den ihr über Xbox Live Arcade bzw. PSN beziehen könnt. Zum Anderen steckt hinter seinem humorigen Comeback ein waschechtes Action-Rollenspiel, das beim Gameplay auf Standards, wie umfangreiches Looten und klassisches Grinden, setzt. Die eigentliche Spielmechanik wurde zwar bewusst vereinfacht, um eine größere Zielgruppe zu erreichen, sonst bekommt ihr aber wenig geliefert, dass es in einer anderen Form nicht schon bei Diablo und Co. zu sehen gab.

Allein bei der Grafik gehen die Entwickler der Hothead-Games einen ganz eigenen, wundervollen Weg, der auch noch hervorragend zu der abgedrehten Fantasy-Geschichte passt. Der Bilderbuch-hafte Look liefert euch 3D-Landschaften, die mit 2D-Objekten gefüllt wurden. Bewegt sich der Held der Geschichte, Deathspank, nach oben oder nach unten, wandern sie wie Pappaufsteller über den künstlichen Horizont. Zusammen mit dem erstklassigen Design der Figuren entsteht eine unverbrauchte Optik, die euch von Anfang an in ihren Bann zieht.

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Und auch der Humor stimmt. Ron Gilbert zieht genüsslich das komplette Rollenspiel-Genre samt WoW mit all den durchgekauten Standards durch den Kakao. Es geht um gesichtslose NPCs, sinnfreie Bring-Quests und exzentrische Endbosse, die ihre Untergebenen mit Opernarien das Leben zur Hölle machen. Die Qualität seiner alten Titel wird dabei zwar nicht ganz erreicht, aber ab und an kann man sich ein Grinsen oder einen herzhaften Lacher nicht verkneifen. Und hey, es gibt nur zwei bis drei Fäkalwitze. Gar nicht so schlecht für ein Comedy-Game.

Abseits der lustigen Anspielungen, witzigen Dialoge und frischen Charaktere hat die Geschichte aber wenig zu bieten. Deathspank selbst, der etwas dämliche Hauptdarsteller, soll als Karikatur eines überzogen ehrenhaften Kriegers durchgehen. Das klappt anfangs recht gut, nutzt sich nach einer gewissen Zeit aber ganz schön ab. Sonst ist die Geschichte ganz in der Tradition anderer Action-Rollenspiele vor allem das Vehikel, um das Gemetzel der Hunderten meist gesichtlosen, aber immerhin schön schräg designten Gegner zu rechtfertigen und in diesem Fall, um ein paar gute Witze zu reißen.

Eure Aufgaben sind recht simpel: Deathspank muss ein Artefakt beschaffen, Waisenkinder retten und einen Tyrannen stürzen. Dass es später auch um seinen lila String geht, die Kinder zum Abtransport in einen Sack wandern und der Oberbösewicht mit seinem Selbstbewusstsein zu kämpfen hat, lockert das Geschehen aber merklich auf. Leider hat die Figur aus Ron Gilberts „The Grumpy Gamer“-Comic aber gerade beim Gameplay ein paar Probleme, die sich auch mit viel Humor nicht wegzaubern lassen.

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So sieht ein Kangamoo aus?

Als Krieger setzt der Protagonist vor allem auf Schlagwaffen, kann alternativ aber auch eine Armbrust auf die Angriffsknöpfe legen. Attackiert ihr abwechselnd mit unterschiedlichen Waffen, baut sich eine Art Kombo-Meter auf, der euren kritischen Schaden erhöht. Habt ihr den sogenannten Justice-Meter aufgefüllt, könnt ihr durchschlagkräftige Spezialattacken auslösen, die je nach Waffe extrem unterschiedlich ausfallen können.

Mit einem Zauberstab löst ihr so zum Beispiel einen Kettenblitz aus, mit einem Schwert eine Wirbelattacke und einem Hammer eine Betäubung. Mit Runen lassen sich auch zwei unterschiedliche Waffen kombinieren, um noch brutalere Zerstörungen anzurichten. Mal sind das eine Feuerwaffe und ein Hackebeil, mal ein vergifteter Stab und ein Hammer.

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