Der Pate 2

Weck den Don in Dir

"Einmal kam Mama nachts an mein Bett und sagte 'Du bist nicht mein Sohn, Zigeuner haben Dich auf der Türschwelle ausgesetzt'" Ein harter Spruch, oder? Kein Wunder, dass aus Federico Corleone, dem Bruder des Dons, ein manischer Krimineller, ein ehrloser Feigling und ein notorischer Fremdgeher wurde. Doch nicht nur das filmische Original, auch sein Videospiel-Pendant aus Der Pate 2 wäre von seiner Mutter gnadenlos verstoßen worden. Denn die Charakter-Modelle der Pre-Alpha-Version rauschen mit ungebremster Wucht ins Uncanny Valley.

Starre Augen, wächserne Haut und magere Texturen lassen nicht mehr erkennen, dass hinter der Filmumsetzung die potente Dead Space-Engine lauert. Die Figuren wirken im aktuellen Zustand noch wie Aliens, die sich mit Schlaghosen in die 60er verirrt haben und mit viel zu steifen Animationen Menschen imitieren. Doch keine Panik: Besser sieht zu diesem Zeitpunkt kaum ein Titel aus. Noch satte sieben Monate ist der Release entfernt. Ungewöhnlich, dass Electronic Arts das Spiel so früh ans Tageslicht lässt

Sieht man aber über die Wachsfiguren gnädig hinweg, vermag Der Pate 2 auf den zweiten Blick zu gefallen. Der Grafik-Stil unterscheidet sich deutlich vom Vorgänger. Statt sich nur auf das düstere New York mit 20er Jahre Flair zu versteifen, präsentiert die zweite Pate-Versoftung gleich mehrere Städte, die Ihr nach und nach einnehmen müsst. Gezeigt wurde uns ein geschrumpftes Miami bei strahlendem Sonnenschein, schicken Palmen und einem dynamischen Tag- und Nachtwechsel. „Beim letzten Mal haben wir uns zu sehr darauf konzentriert, dass Spiel nach New York aussehen zu lassen. Diesmal werden wir die Umgebung so anpassen, dass das Spiel besser funktioniert.“, erklärt Executive Producer Hunter Smith. Autos, Kleidung und selbst die coole Sonnenbrille passen perfekt zum Flower-Power-Szenario. In einer Zeit, in der Koks und Champagner aus der Nase laufen und sich Frauen mit Strickbikinis bekleiden, ist einfach alles möglich.

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Der Don mit seiner hässlichen Crew

Doch die Unterschiede zum Vorgänger beschränken sich nicht auf das 60er Jahre-Szenario und die hübschen Next-Gen-Tapete. Mit dem Don-Modus möchte sich Electronic Arts endlich vom großen Vorbild Grand Theft Auto lösen und verfolgt seine eigene, viel versprechende Strategie. Dazu Hunter Smith: „Im Gegensatz zur Konkurrenz stellen wir nicht unorganisiertes, sondern organisiertes Verbrechen dar. Statt nur Aufträge für andere zu erledigen, könnt Ihr sie diesmal selbst planen und ausführen. Unsere Devise: Agiere wie ein Schläger, denke wie ein Pate. Wir wollen uns mit dieser Mischung Platz im Markt schaffen und von den Mitbewerbern absetzen.“ Aufmerksamen Lesern wird der Ansatz von der PSP bekannt vorkommen. Die entsprechende Umsetzung des ersten Teils lieferte den so genannten Mob Wars-Modus, der mit seinem Kampf um Familien-Territorien einen ähnlichen Ansatz Salon-fähig machte.

Statt wie beim Vorgänger nur den Laufburschen und Schläger zu spielen, werdet Ihr diesmal selbst zu einem Paten, zumindest wenn Ihr die harte Anfangszeit überlebt. Eure ersten Sporen müsst Ihr Euch noch im Action-Part verdienen, an dem wenig geändert wurde. Ihr betrachtet Euren Charakter weiter aus der Third-Person-Perspektive, werdet in Kämpfen handgreiflich, erteilt Euren Mitstreitern Befehle und zieht für eine schnelle Exekution die Waffe.

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Die Don-View ist ein Spiel im Spiel.

Wie gehabt streift Ihr per Auto oder per Pedes durch die Sunshine-City, schnappt Euch Aufträge und Helfershelfer. Gerade letztere spielen diesmal eine entscheidende Rolle. Wie es sich für einen echten Paten gehört, müsst Ihr nämlich Eure eigene Crew aufbauen, die sich vornehmlich aus Familienmitgliedern rekrutiert.

Schon bei deren Charakter-Statistiken merkt man dem Titel die Strategieausrichtung deutlich an. Statt simplen Handlanger bekommt Ihr einmalige Charaktere geliefert, die nicht nur über verschiedene Charakterwerte, sondern auch über Spezialfähigkeiten verfügen. Während der eine Zäune aufbricht und hervorragend Sprengladungen platziert, kann Euch ein anderer während eines Gefechts heilen oder besonders gut Opfer unter Druck setzen. Schon die Wahl Eurer Mannschaft artet so in eine umfangreiche Strategie-Sitzung aus. Denn Eure Kämpfer lassen sich nicht beliebig austauschen. Findet Ihr einen besseren Mann, muss für ihn Platz geschaffen werden, auch wenn dies den Tod eines anderen bedeutet. Hunter Smith: „Das sind harte Entscheidungen, die dem Spieler vermitteln sollen, wie es ist, ein Don zu sein.“ Kleine Rollenspiel-Elemente, wie die Auswahl der Ausrüstung und die Verbesserung ihrer Fähigkeiten liefern dem Spiel noch mehr Tiefe ohne den Spieler zu überfordern.

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