Rein theoretisch: PlayStation 4

Könnte Sony schon 2012 eine neue Konsole starten?

DigiTimes zitiert taiwanische Zulieferer-Quellen, die behaupten, dass Sony aktiv an der PlayStation 4 arbeitet und dass die neue Konsole 2012 herauskommen soll, wobei sich die erste Auslieferungsmenge auf "mindestens" 20 Millionen Konsolen belaufen soll. Was daran am meisten erstaunt, ist, dass der Bericht nahelegt, dass die Herstellung bereits in diesem Jahr beginnen soll.

Wenig wurde bisher über die Zusammensetzung der neuen Maschine gesagt, außer des Gedanken, dass sie Body-Tracking in der Art von Microsofts Kinect bieten soll. Die Quelle behauptet, dass die Konsole von Foxconn und Pegatron Technologies in Taiwan hergestellt wird und spricht davon, dass die aktuelle PS3 ebenfalls von diesen Herstellern gefertigt wird.

Es ein interessanter Bericht, aber nach außen hin scheint der bloße Gedanke einer wahrhaften Next-Gen-PlayStation binnen nur 18 Monaten geradezu grotesk. Die PlayStation 3 ist für Sony gerade erst profitabel geworden und der Plattform-Hersteller wird auf eine möglichst lange Zeitspanne hoffen, in der er die enormen Verluste wieder einfahren kann, die diese Konsolengeneration mit sich brachte. Im Hier und Jetzt ist die PlayStation 3 noch nicht unter 199 Pfund gefallen, eine Marke, ab der man erwarten kann, dass die Verkäufe noch einmal signifikant anziehen. Dieses Chancenfenster verfrüht zu schließen, macht aus kommerzieller Perspektive nicht wirklich Sinn.

Der angebliche 2012er Verkaufsstart erscheint auch aus anderen Gründen unrealistisch. Das Videospiel-Business ist für seine Indiskretion geradezu berüchtigt. Wir wussten über die PSP2 und ihre grundlegende technische Zusammensetzung bereits seit Juli 2009 Bescheid und der neue Handheld ist immer noch nicht auf dem Markt. Nintendos E3-Enthüllung der Wii U wurde von Entwicklern und Publishern ausgiebig gespoilert und aktuell dringen bereits erste Infos über Microsofts neue Konsole an die Öffentlichkeit – und diese erscheint offenbar nicht vor 2013.

Demgegenüber haben wir über die Entwicklung eines PlayStation-3-Nachfolgers noch gar nichts gehört. Es gab keine Geheimbriefings mit der Presse, nichts Bemerkenswertes, was aus Entwicklerkreisen nach außen dringen würde. Und unsere Kontakte, die direkt an der PlayStation-Technologie arbeiten, an Dev-Tools und Hintergrund-Software, sind immer noch mit PS Vita und PS3 beschäftigt. Soweit wir wissen, passiert im Moment nichts, was dafür sprechen würde, dass im nächsten Jahr ein großer neuer Hardware-Launch stattfinden würde. Und es erscheint unwahrscheinlich, dass Sonys zentrales Entwicklerteam über genügend Bandbreite verfügt, nach der langen Entwicklung der PS Vita direkt mit der PS4 anzufangen.

Was dem DigiTimes-Artikel allerdings eine Prise Glaubwürdigkeit verleiht, ist, dass er über ein Kinect-artiges Interface berichtet. Wir wissen sicher, dass SCEAs Research & Development Teams viel Zeit und Aufwand darin investiert haben, eine eigene Interpretation von Microsofts "natürlichem User-Interface" zu entwickeln. Und tatsächlich gibt es sogar ein Patent, das Sonys Ideen bezüglich Body-Tracking beschreibt, bei dem ein PlayStation-Move-artiger Controller zusammen mit einem bodenbasierten Ultraschall-Projektor dazu dient, Spieler im 3D-Raum zu verfolgen. Der Gedanke dahinter ist, auf die grundlegenden Funktionalitäten von Kinect setzen zu können, während gleichzeitig die inhärenten Vorteile eines in der Hand gehaltenen Controllers geboten werden.

Der andere Aspekt, der den Bericht einen Tick realistischer erscheinen lässt, ist die Quelle. Die fernöstlichen Zuliefererkreise sind mittlerweile eine bedeutende Quelle für technikbasierte Gerüchte, die sich im Nachhinein als unheimlich akkurat herausstellen. Wir wussten über iPhone 4 und iPad 2 schon vor ihren geradezu zwanghaft heimlichtuerischen Enthüllungen – aufgrund von Leaks aus den herstellenden Fabriken. Und wer könnte vergessen, dass die PS3 Slim bereits Monate vor ihrem offiziellen Debüt auf der gamescom 2009 auf einem philipinischen Markt angeboten wurde? Kurz gesagt hatte der Ferne Osten bereits so viele schräge, aber wahre Geschichten parat, dass man Berichte von "Fertigungs-Quellen" so nicht leichtfertig beiseite fegen sollte.

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