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Disgaea 3: Absence of Justice

Paradies für Statistiker

Wann weiß man, ob ein Spiel gut ist? Jeder hat wohl seinen eigenen Instinkt, auf den er sich verlässt. Die einen erkennen es am Prickeln beim Spielen, die anderen können schon beim Anfassen der Verpackung eine Aura spüren. Bei mir sind es Träume. Nicht diese „ich hab zu viel Zoo Keeper gespielt und seh’ überall Löwen und Giraffen“-Träume. Sondern die Träume, in denen man schon Strategien für den nächsten Tag plant, in denen man genau weiß, wie das nächste Level anzugehen ist. Eben diese Heureka-ich-hab’s-Träume.

Ist Disgaea 3 also ein gutes Spiel, hatte ich diese Träume? Sie waren da, ja. Aber sie waren etwas anderer Natur. Denn der Titel ist ein Fest für Statistiker, für Nummern-Fetischisten. Wenn man von Disgaea 3 träumt, so sieht man Zahlenkolonnen, endlose Möglichkeiten, bestimmte Nummern von hier nach dort zu transferieren.

Soll ich mein Geld lieber in Rüstung oder in Waffen stecken? Wenn in Waffen, für welchen Charakter und worauf soll er spezialisiert werden? Hab ich die richtige Entscheidung getroffen, als ich meinem Zauberer diesen oder jenen Spruch hab lernen lassen? Wäre ein anderer nicht besser gewesen? Ist mein Mana wirklich schon aufgebraucht?

Es ist die Unruhe des Perfektionisten, die einen nachts wach hält. Das Spiel stößt einem die Türen weit auf, präsentiert einen riesigen Saal voller unbezahlbarer Wertgegenstände und fügt dann hinzu: „Aber du kannst immer nur einen davon tragen“. Disgaea 3 ist die Vollendung des Munchkin-Nirvana: Hier gibt es nichts, was nicht aufgewertet, verbessert und auf-gelevelt werden kann. Macht so was Spaß?

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Ein Fest für Statistik-Fetischisten: Zahlen, Zahlen, Zahlen.

Im Prinzip hab ich keine Freude an reinen Zahlenspielen, zudem ist Disgaea 3 kein sonderlich innovatives Spiel. Die übliche Japano-RPG meets Strategie-Architektur ist leidlich bekannt und man hat es eigentlich schon fast über: Auf einer Karte werden die Gefechte ausgetragen, reihum geht es Runde für Runde voran. Dazu können diverse Waffen, Zauber und Gegenstände eingesetzt werden. Hat man die Karte geschafft, geht die Story weiter und schon kommt die nächste Herausforderung. Das kennt man.

Was Disgaea 3 allerdings anders macht, ist das Bewusstmachen der Mechanismen. Das Spiel nimmt sich, seine merkwürdige Geschichte und auch den Spieler nicht ernst. Das ist manchmal etwas gezwungen, andererseits auch wieder herrlich surrealistisch. Es gibt keine Identifikationsfiguren, denn alles hier ist nur ein Videospiel. Darauf macht Disgaea 3 bei jeder erdenklichen Möglichkeit aufmerksam. So wird direkt klar, dass ein Sidekick nur eine marginale Rolle spielt – die Dame wird auch genauso betitelt. Selbst in den Stati der Charaktere finden sich immer wieder kleine Anspielungen.

Auch die Waffen und Rüstungen lassen nicht viel Interpretationsspielraum. Die Rüstung aus Papier bietet nicht wirklich viel Schutz. Es ist diese Art von Humor, gekoppelt mit einem kniffligen Strategie-Game, das Disgaea 3 über den reinen Aspekt des Auflevelns hinaushebt. Die Geschichte über Mao, einen Dämonenschüler, der sich an seinem Vater rächen will, Weil der ihm sein geliebtes Videospielsystem inklusive aller Speicherstände zertrampelt hat, ist dann auch von vorne bis hinten Humbug. Aber angereichert mit einer entwaffnenden Ehrlichkeit, so dass man einfach dran bleiben muss.

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