DJ Hero

Selbst ist der Disco-Held

Kennt Ihr das? Erst fängt der Kopf leicht an zu wippen. In Gedanken wiederholt man den Refrain, den man gerade hört. Der Bass übernimmt die Kontrolle über den Herzschlag. Und plötzlich möchte man aufspringen und tanzen, wie eine heliumgefüllte Elfe nackt über eine von Morgentau benetzte Wiese hüpfen. So oder so ähnlich funktioniert gute Musik. Auch in DJ Hero.

Doch während man im echten Leben auf diese Weise eher in der Ausnüchterungszelle als in den Armen einer hübschen Tanzpartnerin landet, bietet DJ Hero etwas, das das echte Leben nicht im Angebot hat: eine Rückspultaste. Was für eine brillante Idee! Songpassage vergeigt? Einfach zurückspulen und noch mal ran. Lieber Gott, falls du das hier liest, weißt du, was ich mir zu Weihnachten wünsche.

Aus den Lautsprechern hämmern fette Beats. KRS-One, wie der Hip-Hop-Kenner hört. Finger streichen über einen Plattenteller. Mit energischem Druck ziehen die Kuppen eine Scheibe vor und zurück und drücken im Takt auf drei Knöpfe. Die andere Hand schiebt einen Regler zur Seite. „Let's dance!“ fordert daraufhin die Stimme von Musiklegende David Bowie zur artfremden Rhythmusuntermalung auf. Zwei Hits, ein frischer Song. Fast wie nachts in den Clubs, wo zu solchen Mixen Frauen mit kurzen Röcken und Baseball-Kappen-Träger über bunt beleuchtete Tanzflächen wackeln.

Aber nur fast, denn heute ist weder tanzwilliges Weibsvolk anwesend noch sind die Turntables echt. Dabei hätten die Stücke von Musikspiel DJ Hero durchaus das Zeug dazu, auch eine Party zum Kochen zu bringen. Die Lizenzen für rund 100 hat Herausgeber Activision angeblich für das Spiel gekauft. Gut so. Doch genug der Vorschusslorbeeren, mehr als drei Lieder durfte ich davon bisher nicht hören.

DJ Hero – Turntable Tour

„Wer möchte, darf gerne tanzen,“ scherzt Studio Manager Kevin McSherry in seiner roten Adidas-Trainings-Jacke bei der Präsentation seines Spiels. Dem Mann mit seinen zurückgegelten Haaren, dem Dreitagebart und dem verlebten Gesicht nimmt man die nötige Club-Erfahrung für das ambitionierte Disk-Jockey-Spiel sofort ab. Da ist Leidenschaft im Spiel, da wird kein festgefahrenes Programm für Geld runtergespult. Der Mann von Entwickler Freestyle Games hat eine Vision. Er will Hip Hop und Dance-Musik vor den Fernseher holen. Kompatibel machen mit allen videospielenden Taktlegasthenikern dieser Welt.

Gleichzeitig soll DJ Hero nahe an der Plattenaufleger-Realität bleiben. Das Team arbeitet eng mit bekannten Szenegrößen wie zum Beispiel DJ Shadow zusammen, der sogar einige Mix-Tracks beisteuert. Für meine Begriffe scheint gerade die Realitätsnähe auch geglückt. Vielleicht sogar etwas zu gut.

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