Inhalt

Seite zurück 1 2 3 vor

Werbung

Drakensang: Am Fluss der Zeit Test

PC Test von Martin Woger

8 Februar, 2010

Seite 3 von 3. <- Seite 2

Nein, es ist kein leichtes Spiel und es lebt auch davon, wie geschickt ihr mit den völlig frei verteilbaren Punkten umgeht. Eine der guten Eigenschaften des modernen DSA ist die Entkopplung der Steigerungspunkte von der Stufe. Diese legt in Verbindung mit den Attributen die Maximalgrenzen fest. Die Attribute zu steigern ist teuer, Fertigkeiten wie Menschenkenntnis, Taschendiebstahl, Alchemie, Zauber- oder Waffentalente sind gerade in den niedrigen Zahlen preiswert. Daraus ergibt sich das Bild eines recht gefestigten Menschen (oder Elf und Zwerg), der zwar nur wenig seine körperliche Form ausbildet, aber im Laufe der Reise hart an seinem Können arbeitet, was letztlich viel mehr Sinn macht.

An den Komfortfunktionen hätte man aber ruhig mal noch ein wenig schrauben dürfen. Das gilt eigentlich für alle Bereiche des Spiels. Im Kampf dürft ihr zwischen gerade mal zwei verschiedenen Verhaltensweisen wählen: Angriff oder Verteidigung. Letztlich läuft es darauf hinaus, dass der Kampf entweder nicht so schwer ist und ihr könnt die Gruppe laufen lassen, weil sie auch bei suboptimaler Taktik gewinnen werden. Oder ihr nehmt es selbst per Space-Pause in die Hand und koordiniert alles brav selbst. Spezialangriffe und Zauber lassen sich stapeln, nur bringt das wenig, da gerade bei harten Fights immer was dazwischen kommt. Eine automatisierte Inventarverwaltung glänzt durch komplette Abwesenheit, was gerade bei Sammelwütigen für echte Zusatzarbeit sorgen kann.

'Drakensang: Am Fluss der Zeit' Screenshot 5

Hätte ich gewußt, dass dies ein Screenshot wird, hätte ich doch noch schnell aufgeräumt...

Wer Gebrauch von Bogenbau, Schmiedekunst und Alchemie macht – und um Letzteres kommt ihr kaum herum, wenn ihr wenigstens ein paar Tränke haben wollt –, sortiert ständig seine Zutaten hin und her. Warum kann ich nicht einfach auf alle Zutaten in der aktiven Gruppe zugreifen? Warum muss der aktive Held alles in der eigenen Tasche sammeln? Die Fragen gehen noch weiter, schließlich habt ihr einen eigenen Flusskahn, der mit Werkbänken ausgestattet werden kann und eine alles fassende Sammelkiste trägt. Warum kann nicht einfach bei der Benutzung der Werkbank alles angezeigt werden, was sich in der Kiste direkt daneben befindet? Warum muss ich es erst heraussuchen? Komfort ist einer der objektiv bewertbaren Aspekte. Und hier sammelt Am Fluss der Zeit ein paar definitive Abzüge in der B-Note, weil es sich schlicht unnötige Schwächen leistet, die euch Zeit kosten, ohne Mehrwert zu bieten.

Dafür fängt die Optik die Atmosphäre perfekt ein. Am Fluss der Zeit spielt mit Impressionen, die an stellenweise auf eine sehr drollige und liebenswerte Art an kitschige Fantasy-Neo-Romantik erinnern. Sonnenuntergangsstimmung in lichten Wäldern, verschneite Bergdörfer oder Nacht in den Gassen von Disneys Mittelalterattraktion, hier Ferdok genannt. Kleine Mängel finden man auch: Ein wenig Clipping hier, eine schwache Textur da, aber der Gesamteindruck stimmt. So stellte ich mir die Welt von Aventurien vor meinem inneren Auge vor. Und das ist es, was zählt. Für mich wenigstens.

Nur die Kämpfe hätte ich mit cineastischer gewünscht. Es liegt in der Natur des Timings des Systems, dass es behäbig zugeht und alle schon mal für ein paar Sekunden tatenlos umeinander herumstehen, während ihr denkt „NU HAUT SCHON ZU! IHR LUSCHEN!“. Auch hätte man Paraden, Ausweichmanöver und überhaupt alle Bewegungen optisch geschliffener aufeinander abstimmen können. Während sich hier alle Geschmäcker einig sein dürften, könnten die Sprecher wieder für Zwiespalt sorgen. Die Stimmen passen bei den Helden und den wichtigen NPCs, kleinere Ausreißer gibt es nur am Rande. Und sie sind perfekt geeignet, um „Nun ist es an der Zeit, meine Freunde! Für den Kaiser und Land!“ so zu sprechen, wie es auch an einem Rollenspieltisch bei einer guten Runde – mit guten Sprechern – der Fall gewesen wäre. Diese Stimmen scheinen aus dem Off des Spieltisches zu kommen. Es ist nur ein Gefühl, vielleicht steh ich damit allein da. Irgendwie macht dieser Eindruck aber auch einen Teil des Zaubers von Am Fluss der Zeit aus.

'Drakensang: Am Fluss der Zeit' Screenshot 6

Hmmm, Elfen halt. Baumküsser in freier Wildbahn, was soll man als Zwerg-Fan schon groß dazu sagen.

(Ein kleiner Zusatz: Seitens des Publishers wurde zwar versprochen, dass es in der finalen Version behoben ist, aber man weiß ja nie so genau. In der bosparanischen Ruinen geht eine Tür scheinbar nicht auf, egal was ihr macht. Dahinter findet sich ein wichtiger Gegenstand. Die Tür öffnet sich mit folgendem Trick: Bewegt euren Schlösserknacker-Helden ganz nah per Tastensteuerung an die Tür, legt einen Dietrich oder etwas Vergleichbares auf eine der Schnelltasten und benutzt den Dietrich per entsprechender Taste. Der Held wird jetzt versuchen die Tür zu knacken. Bewegt den Helden nicht, bis er fertig ist. Bei mir öffnete sich jetzt schon die Tür, es kann sein, dass ihr noch ein zweites Mal den Dietrich benutzen müsst. Es war der einzige Bug, der mir beim Durchspielen auffiel.)

Jetzt kommt der schwierige Part. Ich muss eine Wertung unter all das setzen. Und die soll auch noch ein objektiver Ausdruck in Relation zum Rest der Spielewelt sein. Ich kann offensichtlich Drakensang nicht so hoch bewerten wie zuletzt Dragon Age. Was das mit seinen Figuren und Geschichten machte, geht weit über den konservativen Plot und Ansatz von Am Fluss der Zeit hinaus. Ich liebe es aber subjektiv fast genau so sehr und hatte dank meiner nostalgisch verklärten Affinität zum Schwarzen Auge beinahe gleich viel Spaß. 9 Punkte? 8 Punkte? 7 Punkte, wenn ihr die bittere, seelenlose Hülle eines von der Welt enttäuschten Rollenspielers seid? Eines davon. Sucht es Euch aus.

Seid ihr DSA-Fans, dann ist das hier ein Traum. Spielt es, fertig, müssen wir nicht drüber reden. Was sage ich aber normalen RPG-Liebhabern? Das hier ist kein Dragon Age, kein Witcher und auch kein Divinity oder Neverwinter. Es ist anders. Kitschig, ein bisschen umständlich, ein bisschen träge, aber gleichzeitig auch wunderbar komplex, lebendig und wiederum kitschig. Kitschig ist manchmal gut und Drakensang: Am Fluss der Zeit kultiviert das auf die beste Art, die denkbar ist. Es fängt den Geist der Vorlage perfekt ein und lebt darin auf. Es erinnert einen daran, was man mal am Schwarzen Auge mochte, und an alles, was dieses System seit Jahrzehnten so erfolgreich sein lässt. Und muss man immer nur objektiv sein? Kann man es immer? Ist es falsch, mal ein wenig den eigenen Enthusiasmus ob des gerade Erlebten laufen zu lassen?

Ja (leicht genervt). Ist es und man muss. Solange es Wertungen gibt, bleiben diese die Bastion des Versuchs der Objektivität. Es wäre Verrat an der hart erarbeiteten Wertungsphilosophie, wenn hier etwas anderes drunterstehen würde als diese Wertung. Drakensang: Am Fluss der Zeit ist zwar ein Schritt nach vorn gegenüber seinem Vorgänger, aber es bleiben noch genug kleinere Schwächen. Und vor allem ein gesunder Abstand zum überlegenen Storytelling eines Dragon Age. Am Ende ist Drakensang: Am Fluss der Zeit ein wirklich gutes Rollenspiel und ein Geschenk an die Fans des Schwarzen Auges. Sie werden hier glücklich. Ich war glücklich. Ist das auch eine Wertung?

Drakensang: Am Fluss der Zeit ist PC-exklusiv und mit SecuROM gesegnet. Bäh. Erscheinen wird es am 19. Februar. Eine Special Edition gibt es dann natürlich auch.

Werbung
Kommentare

Wenn Du diesen Artikel kommentieren möchtest, musst Du registriert bzw. eingeloggt sein.

Kommentare: 1-14 von 14

Autor
Kommentar Niedrig bewertete Kommentare ausgeblendet. Log Dich ein, um sie zu sehen.
Nekator
08/02/10 @ 08:45
#1
0
Du hast diesen Kommentar begraben!
Kommentar unterhalb der Anzeige-Grenze
Anzeigen
Liest sich gut und ist schon lange bestellt :)
m_coaster
08/02/10 @ 09:28
#2
0
Du hast diesen Kommentar begraben!
Kommentar unterhalb der Anzeige-Grenze
Anzeigen
12 Jahre war ich alt als ich mit DSA anfing... es wurde irgendwann, 10 Jahre später, eingestaubt weggestellt. Man hatte weniger Zeit und wenn dann mal Pen & Paper waren es meist andere Rollenspiele auf dem Tisch. Aufgrund meiner Vergangenheit und dem Test, hört sich das ja fast nach Pflichtitel an! :D
tomservo staff
08/02/10 @ 09:47
#3
0
Du hast diesen Kommentar begraben!
Kommentar unterhalb der Anzeige-Grenze
Anzeigen
hier, zur Ergänzung, das angesprochen "New Games Journalism-Manifest".

http://alwaysblack.com/blackbox/ngj.html
Harvey_Dent
08/02/10 @ 09:59
#4
0
Du hast diesen Kommentar begraben!
Kommentar unterhalb der Anzeige-Grenze
Anzeigen
Warum kann sowas nicht auch für die 360 erscheinen?

Es soll zwar ein 360 Pendant raus kommen, aber..:-!
Heavy_Rain
08/02/10 @ 12:48
#5
0
Du hast diesen Kommentar begraben!
Kommentar unterhalb der Anzeige-Grenze
Anzeigen
hier, zur Ergänzung, das angesprochen "New Games Journalism-Manifest".

Oder als Beispiel einen der bekanntesten Artikel dazu.


Das Fazit verwirrt mich etwas, ich dachte immer die Eurogamer Wertungen wären subjektiv?
Gonzo09 staff
08/02/10 @ 13:06
#6
0
Du hast diesen Kommentar begraben!
Kommentar unterhalb der Anzeige-Grenze
Anzeigen
@Heavy_Rain

Sind sie auch und ist auch diese hier (Ist bei Spielen am Ende nicht jede Wertung subjektiv, egal wo?). Aber eine höhere zu vergeben, nur weil ich in meiner Kindheit einen DSA-Schaden abbekam und in glücklicher, sehr persönlicher Nostalgie schwamm, die ich kaum anderen Spielern abverlangen kann, erschien mir ein wenig ZU persönlich. Es hätte auch in der Relation zu anderen RPGs nicht so gepasst. Insoweit: Diese Wertung ist also irgenwie ein wenig weniger subjektiv. Oder so. Wie auch immer man das genau nennen möchte.
Longbow
08/02/10 @ 14:38
#7
0
Du hast diesen Kommentar begraben!
Kommentar unterhalb der Anzeige-Grenze
Anzeigen
Klingt haargenau nach einem RPG nach meinem Geschmack!
gigsen
08/02/10 @ 14:43
#8
0
Du hast diesen Kommentar begraben!
Kommentar unterhalb der Anzeige-Grenze
Anzeigen
@ Longbow

obwohl es SecuROM benutzt.. ? dachte du magst sowas nich
cph
08/02/10 @ 14:54
#9
0
Du hast diesen Kommentar begraben!
Kommentar unterhalb der Anzeige-Grenze
Anzeigen
Leider habe ich aktuell keinen spielefaehigen PC, ansonsten haett ich es direkt gekauft.
Longbow
08/02/10 @ 15:26
#10
0
Du hast diesen Kommentar begraben!
Kommentar unterhalb der Anzeige-Grenze
Anzeigen
@gigsen
Ich sprach vom Spiel an sich. Dass es SecuRom hat, gefällt mir dagegen wirklich nicht!
SoSchautsAus
08/02/10 @ 21:41
#11
0
Du hast diesen Kommentar begraben!
Kommentar unterhalb der Anzeige-Grenze
Anzeigen
SecuROM ist ja nur ein Kopierschutz. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass DRM zum Einsatz kommt. Der Vorgänger Drakensang hatte auch SecuROM, allerdings die Offline-Variante, also ohne Online-Aktivierung oder gar Installationslimit. Ich vermute mal, dass es bei Am Fluss der Zeit wieder genauso sein wird. Sicher bin ich mir allerdings nicht.

SSA
Sevens
09/02/10 @ 04:16
#12
0
Du hast diesen Kommentar begraben!
Kommentar unterhalb der Anzeige-Grenze
Anzeigen
Gut geschrieben.
KayTwo83
09/02/10 @ 11:25
#13
0
Du hast diesen Kommentar begraben!
Kommentar unterhalb der Anzeige-Grenze
Anzeigen
ahhhh DSA und die Jungend *schwärm* wieviele Samstag Abnede und Nächte man da mit seinen Freunden, Pizza und billigem Rotwein verbracht hat :-)
philex
09/02/10 @ 20:57
#14
0
Du hast diesen Kommentar begraben!
Kommentar unterhalb der Anzeige-Grenze
Anzeigen
super artikel !
freue mich sehr auf dieses spiel

so die special edition ist bestellt

cool finde ich die stoffkarte von aventurien

ich nur welche aus ja dieses plastik papier - ne alte aus 3. edition und ne fast unbenutze (beide ebenfalls din A2) aus der 4. edition
Edited 1 times, most recently on 10/02/10 @ 21:40

Kommentare: 1-14 von 14

Wenn Du diesen Artikel kommentieren möchtest, musst Du registriert bzw. eingeloggt sein.

X Galerie ansehen