FlOwer - Lesertest

Wer Bilder von Flower sieht, ist wahrscheinlich erst einmal verwirrt. "Das soll ein Spiel sein?" oder "Oh, das ist aber ein schöner Bildschirmschoner!" - das sind Sätze, die man hört, wenn man Freunden Bilder oder Trailer von dem Spiel zeigt und um ehrlich zu sein, man kann sie dafür nicht anherrschen - denn so kommt es einem vor, wenn man es selbst noch nicht gespielt hat.

Doch man kann ohne Zweifel sagen, dass es ein Spiel ist. Ein Spiel mit Botschaft zudem, doch die erfährt man am besten, wenn man es selbst spielt, nicht wenn man sie aus zweiter Hand erfährt. Nur eins noch; wenn es überhaupt ein Spiel gibt, das einen dazu überreden kann, in Öko-Sandalen durch die Natur zu streifen und Bäume zu umarmen dann dieses.

Es macht Spaß, Flower zu spielen. Die Steuerung mittels Sixaxis ist nach kurzer Eingewöhnungsphase nahezu perfekt. Ihr kontrolliert die den Wind, der zu Beginn ein einziges Blütenblatt vor sich her treibt. Ihr sammelt mehr und mehr Blütenblätter, wenn ihr an geschlossenen Blumen vorbei streift, die sich darauf hin öffnen, bis ihr schlussendlich mit einem langen Blütenschweif über die wunderbaren, grünen Hügel der Level gleitet. So simpel kann ein Spiel sein.

Anders als flOw bietet Flower eine Geschichte, die sich über die Level ausbreitet und euch einen Grund gibt weiter zuspielen. Dazu wird kein Erzähler herauf beschwört oder ein ellenlanger Text präsentiert, nein, nur durch Bilder wird angedeutet was geschieht, der Rest entsteht in eurem Kopf. Fast wie in einem guten Buch.

Alles so schön bunt hier.

Jeder Level repräsentiert den Traum einer Topfpflanze in eurem Zimmer, das als Hauptmenu fungiert. Die Träume der Pflanzen starten alle sehr ähnlich: Ihr seht eine einsame Blume, die leicht in einer sanften Brise schwankt. Ein kurzes Drücken der X-Taste genügt, um den Traum zu beginnen. Es löst sich ein Blatt von der Blume und ihr könnt nun nach Herzenslust über die Wiese toben und weitere Blumen öffnen. Jede Blume gibt einen leichten Klang ab, so wie ihr sie öffnet. Das treibt euch dazu an, sie möglichst schnell, der Reihe nach aufzusammeln, so dass eine kleine Melodie zu hören ist. Es gibt zudem noch besonders gefärbte Blumen, die - sobald ihr sie alle geöffnet habt - die Landschaft drum herum wieder mit Leben erwecken und in Farbe tunken, ähnlich der Wiederbelebung der Umgebung in Okami.

So schwebt ihr nun über die malerischen Hügel und bringt mehr und mehr Farben und Licht in diese schöne Welt. Es mag zwar nicht das schönste Spiel aller Zeiten sein, doch würde ich es, mit seinen in Sonne gebadeten Wiesen und Blumen zu den Top 10 zählen. Selten sah man so schöne, vollständig animierte Grasflächen, ein so stimmiges Farbkonzept und gelungene Darstellung. Fliegt ihr zum Beispiel niedrig über die Wiesen, verbeugen sich die Gräser sanft vor eurem Blütenschwarm, als wärt ihr der gutmütige Herrscher, der durch die Reihen seines glücklichen Volkes lustwandelt.

Eine kleine Nachtmusik

Ob ihr nun in eurem Zimmer/Hauptmenu seid oder über die rollenden Hügel gleitet, die akustische Untermalung ist immer passend. Sanft pfeift der Wind in den ersten Level und die Gräser rauschen, wenn ihr durch die Wiese streift, leise tröpfelt der Regen. In späteren Abschnitten kommen noch, passend zur Umgebung, dunklere Klänge hinzu. Alles sehr passend und sehr realistisch. Ich hatte sogar mit dem Gedanken gespielt, das Spiel die Nacht über laufen zu lassen, da die Geräuschkulisse mich an eine angenehm warme und ruhige Sommernacht erinnerte, die nur ab und zu von einem bellenden Hund unterbrochen wurde.

Wer unbedingt etwas Schlechtes in diesem Spiel (und es ist ein Spiel, kein Bildschirmschoner!) der mag sich vielleicht daran stören das, hat man erst einmal eine große Anzahl an Blüten gesammelt, es schwer sein kann zu erkennen, welches das führende Blatt ist, wenn man einmal eine kleine Pause eingelegt hat und nur entspannt in der Luft hängt. Doch das ist wirklich nur eine Kleinigkeit, zudem man doch meist in Bewegung ist.

Alles in allem ein sehr großes, kleines Spiel. Wer es nur einmal kurz durchspielt, wird vermutlich so um die zwei Stunden brauchen, wer jedoch noch auf die Trophäen aus ist, der wird länger beschäftigt sein, denn diese treiben ein dazu an, Dinge zu machen, die der, der Flower nur hinter sich bringen will, verpassen wird. (Ein Wort der Warnung. Schaut euch die Trophäen-Liste erst an nachdem ihr das erste mal das Spiel durchgespielt habt. Die Liste verrät sehr viel über den Verlauf des Spiels)

Großes Kopfkino zu einem Preis, der zwar hoch erscheint doch in Relation zu dem, was Flower bietet, ist er durchaus gerechtfertigt.

So, nun müsst ihr mich entschuldigen, mein Bonsai wird schon wieder ganz strubbelig.

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