Enemy Territory: Quake Wars

Anfängerglück

Im Idealfall läuft ein Team unerschrockener Online-Kämpfer wie eine gut geölte Maschine. Unterschiedliche Klassen greifen ineinander, helfen sich gegenseitig aus und füllen die Lücken in der Verteidigungsformation. Mit kurzen Kommandos werden Aufgaben verteilt, auf Angriffe aufmerksam gemacht und Anlagen aufgebaut. Die Realität auf den Servern sieht allerdings oft ganz anders aus. Gerade Anfänger scheitern an den schlecht kommunizierten Missionszielen, leiden unter Orientierungsproblemen und der komplexen Steuerungsmechanik. Und der Zustand wird eher schlechter als besser.

Statt mehr und mehr Hilfen einzubauen, die mitunter die Orientierung erleichtern könnten, nutzen die meisten Entwickler die neuen technischen Errungenschaften vielmehr dazu aus, die Spiele noch weiter voll zu stopfen. Eingeschworene Fans von eher 'simplen' Shootern wie Counter-Strike müssen so schon seit vielen Jahren auf einen würdigen Nachfolger warten.

Diese Aufgabe kann auch Quake Wars nicht übernehmen, doch gelingt es dem Titel überraschenderweise, den Teufelskreis der Komplexität zu durchbrechen. Mit ein paar einfachen Tricks und zufällig generierten Untermissionen liefert das Spiel die dringend notwendige Orientierung, die zum Beispiel dem Mehrspieler-Modus von Crysis zur Schwerstarbeit macht. Dank einer übersichtlichen Karte, markierten Zielen und klaren Arbeitsanweisungen findet man sich innerhalb von Minuten zurecht und kann sich ganz auf das Erlernen der restlichen Funktionen konzentrieren. Und davon gibt es jede Menge.

Enemy Battlefield: Quake Fortress?

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Diese Karte ist eine Reminiszenz an alte Wolfenstein-Zeiten.

Denn Quake Wars will mehr sein als sein Quasi-Vorgänger, der als kostenloser Return to Castle Wolfenstein-Mod 2003 für Furore sorgte. Angesichts der übermächtigen Konkurrenz von Battlefield und Co. sollte aus Quake Wars der ultimative Multiplayer-Shooter werden, der alle anderen in den Schatten stellt. Er sollte die besten Elemente von Fahrzeugkampf, Teamdynamik, Upgrade-Funktionalitäten und schnellem Gunplay in sich vereinigen. Doch gelingt diese delikate Hochzeit aus Quake, Enemy Territory, Team Fortress und Battlefield?

So einfach ist das im ersten Moment gar nicht zu beantworten. Nur eins steht fest: Das Team hinter dem außergewöhnlichen Online-Shooter ist noch relativ jung. Splash Damage hat zwar auch schon bei Return to Castle Wolfenstein seine Finger mit im Spiel gehabt, das erste eigene Projekt war jedoch Enemy Territory. Ursprünglich war das Projekt als Erweiterung gedacht, doch der Einzelspieler-Part war eine solche Katastrophe, dass id Software nur den Mehrspieler als kostenlose Modifikation veröffentlichte.

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Hier hält ein eingespieltes team einen wichtigen Kontrollraum.

Seit dieser Zeit saß Splash Damage an dem ersten Vollpreistitel, der ihre Ideen in die Welt von Quake transportieren soll. Quake Wars beschreibt die Zeit zwischen dem ersten und dem vierten Teil der Shooter-Serie, bei dem die Menschheit ihren Kampf gegen die außerirdischen Strogg vor der eigenen Haustür austragen muss. Es erzählt die Geschichte der Invasion und die anfangs hilflosen Versuche, der überlegenen Technologie Paroli zu bieten. Erst nach und nach passt sich die menschliche Rasse an, stiehlt ihrem Gegner die Technologie und findet am Ende einen Weg, ihn bis zu seiner Heimat zu verfolgen.

Erzählt wird diese Geschichte nicht etwa in einem Einzelspieler-Modus, sondern in einer Reihe von Kampagnen, die aus jeder Online-Partie eine nahezu epische Schlacht machen. Jeder der drei Einzel-Level besitzt ein anderes Ziel. Mal muss Technologie ausgeschaltet oder ein Außenposten vernichtet werden. Ein anderes Mal geht es um Waffen, die den Strogg gefährlich werden können oder Fabriken, die für ständigen Nachschub sorgen. Ein Sieg bei einer dieser Aufgaben reicht nicht. Nur wenn zwei der drei Missionen von Erfolg gekrönt werden, darf man feiern. Ein Zyklus, der sich Tag für Tag tausendfach wiederholt.

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