Family Ski

Budget-Skireise zum Vollpreis

Mein persönlicher Favorit beim Skifahren ist nicht unbedingt der möglichst schnelle Schuss Richtung Tal, sondern das eher gemächliche Parallele entlang des Hangs. Das Kratzen von Schnee und Eis bei Kurven, das Beschleunigen, eine neue Kurve mit einer leicht andren Ausrichtung, einfach mal gucken, wie es da drüben aussieht. Vor allem aber das Gefühl, mit dem Schnee unter den Kufen zu spielen und zu arbeiten. Nichts davon kann Family Ski von Namco vermitteln.

War aber auch nicht zu erwarten, also wie schlägt sich Family Ski – in den USA We Ski genannt, wer mag wohl die Rechte für Wii Ski besitzen? – im Rahmen der Möglichkeiten? Auf den ersten Blick gar nicht mal übel. Zumindest, solange Ihr mit dem inzwischen ja für die Wii stellvertretenden Superknuddel-Look der unausstehlich frohsinnigen Animepuppen klarkommt, die Eure ja kaum weniger knuffigen Miis umkreisen. Man kennt es ja. Shiny happy people holding hands. Sprichwörtlich.

Das Herz von Family Ski ist das umfangreiche Ski-Ressort des freien Modus, das von Hunderten, gar nicht mal so ähnlich aussehender Skifahrer aller Geschlechter, Rassen und Alterstufen bewohnt wird. Kindergruppen rauschen herum, Pistenrowdies verderben anderen den Spaß, Anfänger kullern vorbei, Pärchen fahren Händchen haltend. Alle grinsen grenzdebil, dazu spielt das James Last Happy Orchestra mit Piano voll auf Pep-Pills alte Namco Hits von Galaga bis Katamari. Wii halt.

Der wichtigste Darsteller, der Berg, kann dagegen bei der ersten Abfahrt „von ganz oben runter“ schon beeindrucken: Groß und mächtig ragt er auf, fast ein Dutzend einzelner, nach Tieren benannter Pisten haben auf ihm Platz. Oben angefangen vom Löwen bis ganz unten zur Schildkröte. Dazwischen immer wieder Lifte, Hütten, Restaurants und alles, was Ihr sonst so in einem echten Ressort erwarten dürft. Nur so beeindruckend es in den ersten Minuten auch scheint, nach ein paar Abfahrten wird Euch klar, wie klein am Ende das Ressort bei näherer Betrachtung geriet.

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Die nehmen das zu ernst. Hier gibt’s nix zu gewinnen.

Ihr könnt vom Start weg alles anwählen, auf neue Pisten wartet Ihr vergeblich. Dafür sollt Ihr Euch an Hunderten von Kleidungsstücken und Skiausrüstungsgegenständen erfreuen, die eigentlich keine große Rolle spielen, solange Ihr nicht notorische Sammlernaturen seid. Mutig startet Ihr auf der Spitze, rauscht mehr schlecht als recht gen Tal, es gibt keine Unterbrechungen auf dem Weg zu den mittleren Pisten, und zum Schluss nehmt Ihr, weil es ja auf dem Weg liegt, noch die Schildkröte mit. Und schon habt Ihr in der ersten Abfahrt etwa ein Drittel des Berges erkundet. Noch zwei oder drei weitere Fahrten und Ihr rühmt Euch, nach ca. 20 Minuten jede der Abfahrten zumindest schon einmal gesehen zu haben.

Und dass Ihr mit den anderen Fahrern belanglosestes Blödsinns-Geschnatter austauschen könnt, dürfte wohl kaum den mal wieder fehlenden Online-Modus ersetzen. Wenn Ihr es zulasst, nimmt sich Ski viel zu viel Zeit, Euch mit „Wusstest Du schon, dass…“-Sprechblasen zu belästigen, ähnlich vertraut aus Nintendos eigenem Wii Fit oder Sports. Aber auch das gehört wohl zur Wii-Erfahrung mittlerweile dazu und hier könnt Ihr den Belehrungen meist aus dem Weg gehen.

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Hey, was sind denn das für Handschuhe? Schande! NO FUR!!

Angesichts der trotz des guten Designs des Ressorts dünnen Auswahl an Pisten, liegt das Hauptaugenmerk darauf, richtig gut zu fahren. Und dafür wiederum ist natürlich die Steuerung die Essenz. Und welche Konsole sollte besser geeignet sein, um das Fahren irgendwie gefühlvoll und ein wenig „echt“ umzusetzen.

Die reine Mote/Chuck-Variante funktioniert prinzipiell sehr anständig, nur das sonst bei der Wii übliche „intuitiv“ könnt Ihr komplett vergessen. Ich stellte mich auf die Piste und hatte keine Ahnung, was ich tue. Wie im richtigen Leben, also auf in die, bis auf die gehirnschmelzende Musik nett gemachte Skischule. Ihr haltet die beiden Controller parallel und leicht geneigt vor Euch. Durch Drehungen der beiden in die gewünschte Richtung, bewegt Ihr Euren Fahrer in mehr oder weniger sanfte Kurven beim Parallelfahren. Dreht jetzt beide Sticks nach außen und der Fahrer geht in die Hocke, was deutlich mehr Tempo bringt, sich aber natürlich auch etwas weniger diffizil steuern lässt. Gewedelt wird mit Druck auf B und Z, essentiell, geradezu überlebenswichtig bei Buckelpisten.

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