Final Fantasy IV

Liebe. Rücksetzpunkte. Autosave.

Liebe. Rücksetzpunkte. Autosave. Drei Dinge, die man erst vermisst, wenn sie nicht mehr da sind. Nummer eins ist kompliziert und hat auch nicht so viel mit dem Thema zu tun, also konzentrieren wir uns auf zwei und drei. Zwei Bequemlichkeiten, die Ihr in der letzten Dekade lerntet, als Selbstverständlich hinzunehmen. Und jetzt denkt zurück. Ganz weit, bis 1991, als die Erde jung und Final Fantasy IV – bzw. II in den USA – neu waren. Tote Party heißt Hauptmenü, nicht gespeichert heißt verlorene Lebenszeit. Kein Autosave und keine Rücksetzpunkte. Und Junge, vermisse ich sie!

Zwei Situationen stießen sofort und schon zu Beginn so bitter auf, dass ich mir ein paar nicht druckfähige Worte kaum verkneifen konnte. In der zweiten Stadt begann ich ein wenig zu leveln und war damit nach einer Dreiviertelstunde auch zu annehmbaren Ergebnissen gekommen. Leider vergaß ich zwischendurch mal zu speichern. Der zufällig erscheinende Super-Wüstenwurm tauchte auf und fraß meine Party. Ein Happs und weg waren sie. Inklusive 45 Minuten meines Lebens.

Situation zwei ereignete sich ein wenig später. Ein sich selbst sprengender Endgegner erfordert eine spezielle Strategie, damit er nicht regelmäßig die gesamte Truppe mit in den Untergang reißt. Bis ich sie hatte, vergingen vier Versuche. Vier Starts, die jedes mal am Fuß des Berges begannen, durch einige Screens führten, ein paar Zufallsmonster anlockten und Zeit ohne Wert fraßen. Es hätte nicht weh getan, mich einfach vor dem Endgegner starten zu lassen. Es ist nicht so, dass Euch auf dem Weg etwas großartig gefährlich werden könnte.

Trailer

Sollten Euch solche Situationen zur Weißglut treiben, genießt Ihr Squares aktuellen Ausflug, umgesetzt von den Matrix-Studios, in die 16-Bit-Tage besser mit Vorsicht. Zwei andere Old-School-Unsitten finden sich auch in diesen Beispielen. Reagiert Ihr allergisch auf Zufallsbegegnungen im ganz ernst gemeinten Drei-Sekunden-Takt, haltet Ihr besser einen Stressball bereit. Oder lasst es gleich bleiben, denn ohne gelegentliches Level-Grinding – welch ein schickes Modewort – geht hier nicht viel. Ihr braucht all die Begegnungen, egal, wie sehr Ihr sie hasst.

Ihr lest trotz dieser Widrigkeiten weiter? Sehr gut, Final Fantasy IV entlohnt Euch für diese Bürden. Und das mit dieser Version mehr als je zuvor. Die Optik fällt als erstes ins Auge. Mit dem 2D-Baustein-Look der SNES- oder der GBA-Umsetzung hat das hier nicht mehr viel gemein. Genau wie Teil 3 erstrahlen Höhlen, Schlösser und Städte in ansehnlichem und zeitgemäßen 3D. Lediglich das Design der Kopffüßler verwirrt. Seltsam hochgewachsen und alienesk stolzieren sie durch die Lande. Besonders Held Cecil erinnert in seiner Rüstung an eine außerirdische Vogelart. Aber keine Sorge. Ihr werdet Euch schnell daran gewöhnen.

Und lasst Euch ja nicht von irgendwelchen Niedlichkeiten bei der Optik täuschen. Unter all den liebenswerten Figuren, ein klein wenig neuer Zugänglichkeit und Minimum an Komfort bei Einkauf und Charakterverwaltung schlummert eines der härtesten Rollenspiele überhaupt. Viele der Zufallsfeinde, gerade in der zweiten Hälfte, bedrohen nicht nur einen kleinen Teil Eurer Ressourcen auf dem Weg zum nächsten Boss, sondern sind durchaus selbst in der Lage, Euch zurück in die Erde zu schicken.

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Invasion vom Planet der Vogelmenschen! Jetzt auf DS! In Technicolor!

Den Autokampf könnt Ihr schon bald vergessen. Jeder Bösewicht verlangt nach einer ganz persönlichen Taktik. Stärken und Schwächen gegenüber Elementen sind lebenswichtiges Wissen und können Euer Untergang oder das Ticket zum Sieg sein. Und darin liegt auch Final Fantasy IVs größte Stärke. Es ist nicht schwer um seiner selbst willen, nicht der Zufall entscheidet, ob Ihr am Ende triumphiert. Entweder Ihr erkennt die richtige Taktik und wählt die passenden Angriffe oder Ihr geht sang- und klanglos unter. Mitunter hart und frustrierend, aber es lässt Euch nie unmotiviert zum Ausschalter greifen.

Die Veränderungen bei der Benutzerführung erscheinen anfangs klein und unscheinbar. Die Möglichkeit, das Kampfmenü so anzupassen, dass Ihr einen einzelnen Zauber nicht mehr erst aus der Liste picken müsst, wirkt nett, aber was solls. Bis Ihr an eine Stelle kommt, wo Feuer das einzig Wirksame ist und auch noch so schnell es nur irgend möglich geht ausgelöst werden will. Dann macht Ihr Euch die Mühe und belegt die Menüpunkte um. Und gewinnt. Endlich und nach vielen Runden. Und vollführt kleine Freudentänze, denn so zufrieden wie dieses Modul lässt Euch kaum ein Rollenspiel nach einem endlich erlegtem Oberfiesling zurück. Ihr habt alles richtig gemacht, seine Schwächen genutzt und es hatte nichts mit Glück zu tun.

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