Geheimakte 2: Puritas Cordis

Wo bleibt die Liebe?

Liebe Geheimakte 2,

ich möchte ehrlich zu dir sein. Ich möchte, dass du weißt, was ich für dich empfinde, wie ich über dich denke und welche Gedanken hinsichtlich unserer - ich nenne es mal - Beziehung in meinem Gehirn herumschwirren. Darum nehme dir bitte ein paar Minuten Zeit, um diesen Brief in Ruhe zu lesen. Es ist mir wirklich wichtig.

Vielleicht erinnerst du dich genauso gut wie ich an unser erstes Treffen Anfang August. Es war warm und sonnig draußen, doch statt das Wetter mit mir zu genießen, entführtest du mich in dunkle Gemäuer. Die Stimmung im gedämpften Licht, eingerahmt von den kalten Mauern der Kirche, war fast schon mystisch und ich konnte die prickelnde Spannung zwischen uns ganz deutlich spüren. In diesem Moment war ich mir sicher, dass ich mit dir etwas Besonderes gefunden hatte. Natürlich tasteten wir uns noch vorsichtig aneinander heran. Du gabst mir Zeit, um mich an deine Art und die Interaktion mit dir zu gewöhnen. Tatsächlich warst du jedoch etwas übervorsichtig, schließlich habe ich (hoffentlich klingt das jetzt nicht nach blödem Macho-Getue) im Laufe meines Lebens schon reichhaltige Erfahrungen mit Spielen von deinem Kaliber sammeln können. Nichtsdestotrotz verstanden wir uns wirklich gut und du nahmst mich mit auf eine abenteuerliche Reise, mitten in die Geschichte um eine fanatische Sekte namens Puritas Cordis, Naturkatastrophen und die nahende Apokalypse.

Ja, ich setzte große Hoffnungen in dich. Zwar warst du mir immer wieder ein echtes Rätsel, aber genau das machte dich so interessant. Ich wollte dir sozusagen auf den Grund gehen, deine kniffligen Aufgaben lösen und mein eigenes Können auf die Probe stellen. Doch kaum hatten wir die anfänglichen Hürden genommen, offenbarten sich deine ersten Macken. Ich musste feststellen, dass wir in puncto Humor einfach nicht auf der gleichen Wellenlänge liegen. Nicht nur, dass du immer wieder auf irgendwelchen Geschlechterklischees rumkauen musstest, deine Sprüche kamen auch nie locker und spritzig daher. Stattdessen wirktest du immer etwas verkrampft, was sich auch in deinen Animationen widerspiegelte.

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Irgendwie müssen wir den Imbisswagen fortschaffen, damit uns der Laserstrahl den Weg zum nächsten Hinweis zeigt.

Verstehe mich bitte nicht falsch, du hast mich an wirklich hübsche und malerische Orte geführt, man denke nur an das wunderschöne Indonesien mit dichtem Urwald und einem Hauch Exotik. Deine Bewegungen waren allerdings stets grobmotorisch und es kam mir so vor, als hättest du deine zahlreichen Gesichter nicht wirklich unter Kontrolle. Es fiel mir wirklich schwer, aus Gestik und Mimik irgendwelche Emotionen zu lesen. Kein Wunder also, dass deine Charaktere immer etwas eindimensional und teilweise sogar unglaubwürdig wirkten. Dennoch hattest du mich sozusagen am Haken, ich wollte mehr über dich erfahren, dich besser kennen lernen.

Nun hatte ich endlich die Möglichkeit, dich in deiner Gänze zu erfassen. Zu meinem Bedauern musste ich allerdings feststellen, dass du keinen Deut lockerer oder witziger geworden bist und kein Stück an deiner Motorik gearbeitet hast. Ganz im ernst, die Story mit der Sekte kaufe ich dir inzwischen auch nicht mehr ab. Viel zu viele Logikschnitzer trübten deine Ausführungen. Gleich zwei Geheimkammern, eine davon nur minimal verschüttet, sollen französische Archäologen tatsächlich übersehen haben?

Und dann soll ich dir noch glauben, dass deine Protagonisten Nina und Max, die sich am Anfang an völlig unterschiedlichen Orten befinden, beide rein zufällig in die Machenschaften der Puritas Cordis verstrickt werden? Also ich weiß ja nicht, irgendwie haben mir solche Ungereimtheiten ein wenig den Spaß an der Geschichte verdorben. Ganz davon abgesehen, dass du die Essenz dieser schon viel zu früh offenbart hast. Dadurch waren die vermeintlichen Überraschungen im Grunde vorhersehbar und die Entwicklung der Story stagnierte.

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Nur in Paris darf man ein vergleichsweise großes Areal erkunden. Die Karte dient dem schnellen Reisen.

Ein Glück, dass du immerhin deine große Stärke, die Knobleien, voll zur Geltung kommen lassen konntest. Wie du mich beispielsweise in Paris nach kleinen, blauen Steinen hast suchen lassen, werde ich so schnell nicht vergessen. Da musste ich mit einem kaputten Fußball doch tatsächlich Wasser schöpfen, auf diese Weise einen alten Springbrunnen neu befüllen, dessen Öffnungen mit Wachs und einem Schnuller verstopfen und das alles nur, um mit dem verbleibenden Hochdruckstrahl die bröckelige Farbe von der Decke darüber abzubekommen. Immerhin verbarg sich dahinter zur Belohnung einer der gesuchten Klötze.

Mit solchen Denkaufgaben hast du mich stets in deinem Bann gehalten und konntest damit sogar, dass gebe ich ganz ehrlich zu, häufig deine Schwächen kaschieren. Dank des ausgewogenen Schwierigkeitsgrades kam ich nur in absoluten Ausnahmesituationen auch nach langem Grübeln nicht auf die zündende Idee. Dann hast du mir jedoch mit eleganten Hilfestellungen aus der Misere geholfen. Sei es durch einen Denkanstoß oder das Aufzeigen der benutzbaren Objekte, du hast mich im Notfall nicht hängen lassen. Auch deswegen hat das Rätseln mit dir viel Spaß gemacht. Ich glaube aber, dass du einen echten Profi nicht so leicht aus der Reserve locken könntest.

Du fragst dich sicherlich, welche Schlüsse ich nun aus unseren Zusammentreffen ziehe, oder? Ich will dich jedenfalls nicht länger auf die Folter spannen, denn die gewisse Enttäuschung hast du meinen Worten sicherlich entnehmen können. Du hast es einfach nicht geschafft, das anfängliche Knistern zwischen uns zu bewahren. So aufregend wie in den ersten Momenten war unser Beisammensein später zu keiner Zeit. Die Geschichte, in die du die gelungenen Rätsel gebetet hast, erschien mir zudem immer unglaubwürdiger. Am Anfang unserer etwa zwölfstündigen Beziehung knisterte es noch, dann flauten die Gefühl ab und es blieb schließlich fast nur noch das logische Skelett der spaßigen Knobeleien übrig. Ich fürchte, dass es mit der großen Adventure-Liebe bei uns auf diese Weise nicht klappen wird. Können wir vielleicht einfach nur gute Freunde sein?

P.S.: Hast du eventuell eine etwas reifere Schwester, die mir noch nicht vorgestellt wurde?

7 / 10

Für nur etwa 35 Euro dürft Ihr Eure grauen Zellen mit Geheimakte 2: Puritas Cordis auf die Probe stellen.

Unsere Wertungsphilosophie Geheimakte 2: Puritas Cordis Steffen Salomon Wo bleibt die Liebe? 2008-09-10T12:00:00+02:00 7 10

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