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Grand Theft Auto IV: The Lost and Damned

Rockt!

Dank Rockstar ist die Finanzkrise endlich auch in der Videospiel-Realität angekommen. In ihrem meisterlichen DLC The Lost and Damned wird die Paranoia, die das Land der unbegrenzten Möglichkeiten erfasst, mit ätzender Ironie auf die Schippe genommen. In nahezu jeder Radiosendung und bei einer Handvoll Missionen dreht sich alles um den Niedergang des amerikanischen Kapitalismus. Banker und Politiker sind hier die wahren Bösewichter, die mit vollen Taschen und einem dekadenten Lebensstil dem Untergang entgegen reiten. Unser Hauptdarsteller Johnny Klebitz, der mit seiner Rockergang The Lost ein paar Kröten mit Drogen verdient, wirkt da wie ein Kleinkrimineller, der am Sonntag in die Kollekte greift.

Mit beißendem Zynismus fragt er eine Hedgefond-Managerin, die sich mit einem 500 Millionen-Bonus in die Bahamas absetzen möchte und die er bei der Polizei heraushauen muss, wie sie nachts einschlafen kann. Ihr knappe Antwort: „Drei Valium und eine halbe Flasch Bourbon.“ Eine Kaltschnäuzigkeit, die man auch bei ehemaligen Lehman Brothers Brockern vermutet. Und doch nur die Spitze des Eisberges. Nahezu alle Jobs für den exhibitionistisch veranlagten Parlaments-Abgeordnete Thomas Stubbs - Hallo Penis! - führen uns in die Untiefen des US-amerikanischen Polit- und Wirtschafts-Systems.

Es wird gemordet, betrogen und manipuliert, bis selbst dem harten Johnny die Galle hoch kommt. Die feine Gesellschaft entpuppt sich dabei mehr denn je als Wolf im Schafspelz, die für die nächste Flasche Champagner nur allzu gern über Leichen geht. Zum Glück geht es danach wieder gegen seine Erzfeinde, die Angels of Death. Die gegnerische Rocker-Gang versteckt sich nämlich nicht hinter maßgeschneiderten Boss-Anzügen, sondern trägt ihre Zugehörigkeit direkt auf der Leder-Kutte.

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Doch die Geschichte um den harten Johnny bietet mehr als die hervorragende Einbindung aktuellen Zeitgeschehens. Rockstar bringt uns mit dieser 1,8 Gigabyte großen, 19 Euro teuren und über 15 Stunden umfassenden Erweiterung die Welt der Biker näher. Sie beleuchtet die Besonderheiten der Club-Kultur, befasst sich mit der zum Teil unhaltbaren Romantik um Ehre und Bruderschaft und liefert einen Einblick in das harte Alltagsgeschäft der verklärten Kriminellen.

Getreu einem Unternehmen gibt es auch bei „The Lost“ eine klare Hierarchie. An der Spitze lenken Johnny sowie Präsident Billy, ein durchgeknallter Irrer, der gerade aus dem Drogen-Entzug kommt, die Geschicke der Bruderschaft. Um die Finanzen kümmert sich Schatzmeister Brian, der Afroamerikaner Jim ist für die Planung von Überfällen verantwortlich und eine ganze Horde von „Soldaten“ geben Rückendeckung. Anfangs müsst Ihr Euch noch an das Kommando von Billy gewöhnen. Während er im Knast saß, hatte Johnny die Organisation der Gang in seine Hand genommen, einen Waffenstillstand mit den Angels of Death geschlossen und die Geschäfte angekurbelt.

Die Rückkehr des Präsidenten markiert einen Wendepunkt. Er ruft zum Krieg gegen die Erzfeinde, die Polizei und am Ende sogar gegen die eigene Gang. Die Story bietet dabei die von Rockstar gewohnte Portion Unberechenbarkeit, die Euch Auftrag für Auftrag vor die Konsole fesselt. Anfangs bewegt sich alles in den gewohnten Bahnen von Grand Theft Auto IV. Ihr rennt zu einem Auftraggeber, holt Euch die Mission ab und erledigt sie. Doch statt im Alleingang seid Ihr oft mit anderen Bikern unterwegs. Gemeinsam in Konvoi geht es in Richtung Auftragsziel, das sich schnell in ein gewaltiges Feuergefecht verwandeln kann.

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Biker-Feeling pur: Das Formationsfahren.

Überhaupt wird deutlich mehr geschossen als bei Nikos Abenteuer. Ihr müsst zwar an manchen Stellen auch der Polizei entkommen, trotzdem ballert Ihr Euch durch Dutzende Feinde, jagt mit einem Granatwerfer Autos in die Luft und räuchert das Hauptquartier der Angels of Death aus. Unterstützt durch Eure KI-Kumpanen, deren Fähigkeiten Ihr anfangs durch Formationsfahrten und später durch optionale Banden-Kriege aufmotzen könnt, kämpft Ihr um Ehre, die Vorherrschaft in der Stadt und letztlich vor allem um Euer Überleben.

Hilfreich bei dieser gewaltigen Aufgabe sind die neuen Waffen, die vom Motorrad aus jede Menge Schaden anrichten. Insbesondere die abgesägte Schrotflinte ist ideal, um andere Biker von ihren wackeligen Feuerstühlen herunterzuholen. Dank Monster-Streuradius und dem stark verbesserten Fahrverhalten der Motorräder ist es eine richtige Freude, die gegnerischen Biker durch die Stadt zu jagen. Doch auch die Automatik-Schrotflinte, die Auto-9mm und der bereits erwähnte Granatwerfer funktionieren hervorragend und ergänzen das vorhandene Arsenal nahezu perfekt.

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