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Grand Theft Auto IV

Eines wie keines!

Es fällt mir schwer, die letzten 72 Stunden in Worte zu fassen. Immer nur kurz unterbrochen durch unruhige Schlafphasen, hab ich mich auf ein Abenteuer eingelassen, das fast nichts mehr mit einem normalen Videospiel zu tun hat. Grand Theft Auto IV ist ein Biest. Allein seine Kampagne weit über 25 Stunden lang. Es ist ein episches Meisterwerk, das den Begriff „Spiel“ neu definiert. Ein Quantensprung, wie zuvor der dritte Teil der Serie.

War die Revolution damals durch den Wechsel von 2D zu 3D gleich auf den ersten Blick sichtbar, sind die Unterschiede diesmal deutlich subtiler. Statt einer riesigen, aber sterilen Spielwiese, bietet Euch Rockstar eine lebendige, atmende Welt, die sich nur schwer in ein Wertungssystem pressen lässt. Nahezu jedes Detail entpuppt sich als ein gut geöltes Rad in einer monströsen Maschine, die nur dazu erschaffen wurde, Euch für viele Stunden aus der Realität zu entführen.

Dabei ist der Einstieg eher enttäuschend. Während andere Titel wie Epics Kettensägenmassaker den Spieler - mit viel Action und Grafik-Overkill - vom ersten Moment an bei den Eiern packen, geht Grand Theft Auto IV deutlich bedächtiger vor. In der ersten Stunde ist man sich noch nicht mal sicher, ob all die Vorschusslorbeeren berechtigt waren. Denn als der serbische Ganove Niko Bellic nachts mit einem Schiff in Liberty City ankommt, ist nur wenig von der Größe der vor ihm liegenden Reise zu spüren.

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Solche Panoramen gibt es Dutzendweise.

Es ist stockdunkel, Cousin Roman geht Euch tierisch auf den Keks und das erste Auto steuert sich katastrophal. Ihr fühlt Euch fremd und verloren. Es fehlt der Glanz, die Richtung und die Freiheit. Rockstar nimmt Euch zu Beginn fest an der Hand, damit Ihr in der gigantischen Stadt nicht die Orientierung verliert. Es gibt nur wenige Aufträge, Figuren und Erlebnismöglichkeiten.

Ihr müsst Euch mit Rowdies herumschlagen und einfache Fahrdienste erledigen. Ihr werdet also ähnlich enttäuscht sein wie Niko, als er feststellen muss, dass sein Verwandter kein Millionär, sondern ein abgehalfterter Taxi-Unternehmer ist.

Immerhin bekommt Ihr im ersten Tageslicht schon mal etwas von der grafischen Brillanz zu spüren. GTA IV wirft nicht mit verschwenderisch detaillierten Texturen oder abgefahrenen Effekten um sich, sondern schafft es mit einem fantastischen Tag- und Nacht-Zyklus und geschickt eingesetzten Filtern, jede Tageszeit und jedem Viertel eine ganz eigene Atmosphäre zu verpassen.

Wenn Ihr zum ersten Mal mit einem Sportwagen in den Sonnenaufgang fahrt und Ihr im Hintergrund die Skyline aus dem Nebel auftauchen seht, wird Euch bewusst, was Rockstar hier aus dem Boden gestampft hat. Diese Welt wirkt so real, ist aber doch perfekt durchgestylt und Ihr spürt auf jedem Quadratzentimeter die kreative Hand, die der Stadt offenbar ihren ganz eigenen Stempel aufdrückt hat.

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Die Motorräder sind höllisch schnell und ideal, um der Polizei zu entkommen.

Ob Passanten, Fahrzeuge oder Häuserschluchten, kein Modell stammt aus dem Baukasten. Jeder Straßenzug wirkt glaubwürdig, gespickt mit einmaligen Details. Selbst nach 10, 20 oder 30 Stunden Spielzeit gibt es immer wieder Momente, in denen Ihr mit offenem Mund da sitzen werdet und die wunderschöne Szenerie bestaunt.

Doch die Grafik ist nur ein kleiner Teil der Faszination. Rockstar hat diesmal wirklich fast alles richtig gemacht. Den Anfang macht hier das geniale GPS, das Euch zielsicher von Auftrag zu Auftrag führt. Einfach nur das Ziel eingeben und das Gerät berechnet automatisch den richtigen Weg. Kein langwieriges Suchen der richtigen Auffahrt mehr, keine langen Umwege, weil Ihr Euch auf einmal auf einer Schnellstraße befindet. Was bei den Vorgängern oft in Frust ausartete, läuft diesmal reibungslos und verwandelt die zum Teil recht langen Wege in einen Spaziergang.

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