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Kingdom Hearts 358/2 Days

Roxas und die wilde XIII

Nicht erst seit kurzem möchte man Square Enix einen gewissen Hang zum Exzess vorwerfen. Und damit meine ich nicht einmal die bombastische Präsentation, mit der der RPG-Riese regelmäßig seine Triple-A-Produktionen bedenkt, sondern vor allem den inhaltlichen Exzess. Denken wir doch einmal zurück: In Final Fantasy VII schuf Tetsuya Nomura mit Sephiroth den Prototypen des coolen, irgendwie tragischen Bösewichts mit langem, silbrigen Haar und einem schwarzen, wehenden Mantel – bei den (primär weiblichen) Fans schlug „Sephi“ ein wie eine Bombe.

Ein paar Jahre später erscheint der CG-Film Advent Children. In dem taucht nicht nur Sephiroth auf, sondern auch drei weitere fesche Buben mit Silberhaar und schwarzem Outfit. Da waren es schon vier. Und dann kam da auf einmal Kingdom Hearts 2 daher. Das steckte nicht nur Micky Mouse in die für RPG-Fans so trendige schwarze Kutte, sondern präsentierte auch die Organisation XIII. Passend zum Namen waren dort ganze 13 gut aussehende, oft leicht androgyne, meist irgendwie tragische und trotz Held Sora antagonistisch gesinnte Jünglinge vereint. So manches liebestolle Fangirl, mit Affinität zu virtuellen Jungs, muss sich da gefühlt haben wie das kleine Kind im Bonbonladen.

Auch Roxas, der blonde Bursche, mit dem ihr die ersten Stunden von Kingdom Hearts 2 in Twilight Town verbracht habt, war einmal Mitglied der Organisation XIII. Aber während er im üppigen PS2-Abenteuer nur die de-facto-Rolle der Vorgruppe für „Main Act“ Sora spielen durfte, gehört das Rampenlicht im DS-Prequel mit dem sperrigen Namen Kingdom Hearts 358/2 Days ganz allein ihm. Spielt ihr dort doch Soras 258-Tage-währende Zeit bei der Organisation XIII nach.

Aber langsam, langsam. Bevor ihr über den Kauf des DS-Moduls nachdenkt, gilt es eine Sache zu klären: Habt ihr Kingdom Hearts 1, 2 und im Idealfall auch den GBA-Ableger Chain of Memories denn auch alle brav gespielt? Denn nur wenn ihr diese Frage mit einem lauten, enthusiastischen „Ja!“ beantworten könnt, dann qualifiziert ihr euch auch für 358/2 Days.

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Wie im großen Vorbild sind auch auf dem DS viele Disney-Helden mit von der Partie.

Habt ihr dagegen keinen Schimmer, was es mit den Herzlosen, den Niemanden, dem Schlüsselschwert und all den anderen Kingdom-Hearts-Begrifflichkeiten auf sich hat, und habt ihr nicht Sora auf seinen bisherigen Abenteuern begleitet, dann steht ihr bei der Geschichte von Kingdom Hearts 358/2 Days nicht nur in den ersten Stunden wie der sprichwörtliche Ochs vorm Scheunentor. Vorkenntnisse sind hier nicht einfach nur erwünscht, sie sind unbedingt erforderlich!

Wenn ihr diese Vorkenntnisse aber habt, dann ist der Blick hinter die Kulissen der Organisataion XIII und Roxas Vorgeschichte mehr als eine inhaltlich spannende Angelegenheit, vor allem spielerisch beeindruckt das tragbare Kingdom Hearts. Square Enix liefert keine abgespeckte Simpel-Variante ab und weicht auch nicht wie der GBA-Vorgänger Chain of Memories auf andere Genres aus. Oberstes Ziel bei 358/2 Days war ganz offensichtlich, das Spielgefühl der großen DVD-Vorbilder so exakt wie möglich auf den kleinen DS zu übertragen.

Diesem Ziel ist der Entwickler h.a.n.d. auch tatsächlich so nahe gekommen, wie es im Rahmen der Hardware nur möglich ist! Genau wie auf der PS2 wetzt ihr durch detaillierte, frei begehbare 3D-Szenarien und staunt wie ein Schnitzel: Trotz dramatisch schwächerer Hardware und trotz eingeschränkter Steuerung, immerhin hat diePS2 dem DS zwei praktische Analogsticks voraus, entspricht das Spielgefühl fast exakt dem großen Bruder Kingdom Hearts 2 mit all seinen Vor- und Nachteilen.

Auch ohne Analogstick lenkt ihr Roxas flott und flüssig durch die Levels und die kombolastigen Kämpfe fühlen sich sehr dynamisch ein. Es fühlt sich einfach gut an, die Horden von Herzlosen mit Schlüsselschwert und Magie zu verdreschen. So schwer Neulingen der inhaltliche Einstieg fallen mag, das Spielprinzip und die Steuerung selbst sind schnell verstanden und locken immer wieder zu ein oder zwei flotten Missionen.

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