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Left 4 Dead

Es gibt kein Entkommen!

“Kann mal einer kommen?“ „Wo seid ihr denn?“ „Na, hier unten.“ „Wo unten?“ „Wir verrecken auf der Straße.“ „Wie zur Hölle seid ihr denn so schnell dahin gekommen?“ „Wir sind einfach gesprungen!“ Kurze Stille, dann ein lautes Klatschen; die Lebensanzeige des dritten Überlenden sinkt ebenfalls gen Null. „Sag nicht, du bist jetzt auch gehüpft?“ „Klar!“. Schallendes Gelächter.

Was sich in den ersten fünf Minuten unserer vierstündigen Überlebensreise ereignete, lässt sich im Grunde nur mit den Worten „unfreiwillige Komik-Einlage“ beschreiben. Vier Streiter decken sich in aller Windeseile auf einem Dach mit Waffen, Verbandszeug und Granaten ein, zwei hasten wagemutig die Treppe hinunter. Kristan (eurogamer.net) und meine Wenigkeit sondieren noch ein wenig die Lage. Plötzlich stürmt er ohne Vorwarnung über den schmalen Sims, ich eile ihm in meiner Gutgläubigkeit beherzt hinterher.

Zu erkennen war in der Dunkelheit, die uns von unten entgegen lachte, eigentlich nichts. Schon gar nicht der Umstand, dass zwischen Dach und Straße rund fünf Stockwerke klafften. Und so lagen wir auf dem Asphalt. Zu zweit, alsbald zu dritt. Blutend und lachend. Mit der leisen Hoffnung gesegnet, dass sich der vierte Überlebende im Bunde zu uns durchschlagen und aus der peinlichen Situation befreien wird. Uns allesamt wiederbelebt, für den ungleichen Kampf fit macht.

Aber er war zu langsam. Erst hörten wir die Infizierten, dann sahen wir sie. Left 4 Dead, im wahrsten Sinne des Wortes.

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'Wie oft noch? Ihr sollt nicht mit den Gabelstaplern Rennen fahren!

Das alles klingt natürlich nur wenig gruselig. Und genau das macht es aus. Left 4 Dead ist nicht einer dieser Hardcore-Schocker, bei dem Ihr zaghaft um die Ecken schleicht, die Pupillen stets vor Angst geweitet. Es ist eine neue Art von Survival-Horror: Schneller, agiler und schließlich auch lustiger als die üblichen Verdächtigen des Genres. Es schickt Euch wie Resident Evil: Outbreak im Co-Op durch die Zombie-Hölle. Die Infizierten, Turtle Rock spricht nicht von Untoten, bewegen sich indes nicht in Zeitlupe, sie rasen. Weniger Dawn of the Dead und mehr 28 Days Later.

Man wird in einer Tour gehetzt, sieht Dutzenden von Schreckgestalten ins Auge, kann sich nirgends in Sicherheit wägen. Nicht mal hinter einer verschlossenen Türe. Und trotzdem spielt man mit einer gewissen Leichtigkeit, reißt mit seinen Mitspielern einen dummen Spruch nach dem anderen und lacht Tränen, wenn wieder einmal etwas absurd Blödes passiert.

Während der Mehrspieler-Session in einer Münchener Gothic-Bar, die übrigens für eine Präsentation dieser Art nicht besser hätte gewählt werden können, herrschte folglich nicht das blanke Grauen, die Panik vor, es hat einfach nur ungeheuren Spaß gemacht. Dabei verloren Doug Lombardi (Valve) und Chet Faliszek (Turtle Rock) gar nicht viele Worte. „Denkt immer daran: Bleibt zusammen“, grinste Chet, bevor an insgesamt vier Setups gelaufen, geschossen und vor allem geflucht wurde. Ein Setup bestand aus vier Überlebenden und zwei Infizierten. Im fertigen Spiel sollen vier gegen vier aufeinander treffen.

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Ich verrate jetzt nicht, dass ich diesem Kollegen vor Schreck ins Gesicht geschossen habe, als er mich heilen wollte.

Zunächst beginnt dieser Spaß aber eher unspektakulär. Die Waffen, die man sich am ersten Ausgangsort an seinen Gürtel heftet, zählen zum Standard-Arsenal eines jeden Shooters: Pistole, Maschinengewehr, Uzi oder Schrotflinte, dazu noch verschiedene Explosives, wie Granaten oder Molotov-Cocktails. Im weiteren Verlauf trudeln bessere Versionen ein - hier eine M16, dort ein Jagdgewehr -, im Großen und Ganzen bleibt es jedoch bei Schießeisen, die man vermutlich in den USA bei jedem Wal-Mart um die Ecke erwerben kann.

Ziemlich normal also. Überhaupt fühlt sich alles normal und gut vertraut an. Das liegt vorrangig an der Source Engine und daran, dass man Half-Life 2 und seine Kollegen nun schon mehrfach hoch und runter gespielt hat. Dieser typische Look und die Steuerung vereinfachen den Einstieg. Mit Betonung auf „vereinfachen“, man muss sich schon an das Spiel gewöhnen. Das ungeheure Tempo, das die Infizierten bei ihrer Jagd nach Frischfleisch an den Tag legen, verführt nur allzu leicht dazu, Left 4 Dead wie einen Singleplayer-Shooter zu spielen.

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