Limbo

Art is spelled L-I-M-B-O

Wie soll ich diesen Test bloß anfangen? Welche Worte werden solch einem großartigen Titel überhaupt gerecht? Wenn ich diesen Artikel auf einer Schreibmaschine abtippen würde, befände sich wahrscheinlich ein beeindruckender Berg an zerknüllten Papierseiten neben mir auf dem Tisch, die allesamt nicht mehr als ein paar Satzkonstruktionen vorweisen.

Es ist kein leichtes Unterfangen, das ganze Konzept von Limbo in Worte zu fassen. Und nein, damit meine ich nicht das Gameplay, sondern die Gesamtheit des Werkes. Auf den ersten, nüchternen Blick handelt es sich bei Limbo um einen Plattformer mit kleinen Physik-Rätseln und einem ansprechenden Artdesign.

Doch Limbo ist so viel mehr. Limbo ist ein Beispiel für die Evolution von Videospielen, die sich nicht damit zufrieden geben, uns für einen gewissen Zeitrahmen zu unterhalten und von der harten Wirklichkeit abzulenken. Diese Titel stehen für die unterschiedlichsten Emotionen, die beim Spielen in uns ausgelöst werden, für die Zeit nach dem Abspann, die wir mit Interpretationen verbringen und für die Gewissheit, etwas Einzigartiges erlebt zu haben. Wenn jemand wie Roger Ebert euch sagt, dass Spiele nie oder nur in weit entfernter Zukunft eine Kunstform darstellen, lasst sie einfach reden und vergnügt euch mit der Genugtuung, es besser zu wissen.

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Freund oder Feind?

Aber was genau macht Limbo nun zu solch einem Spiel? Wie schon erwähnt, ist bei der ersten Betrachtung nicht viel zu erkennen. Ihr startet das Spiel und seht einen Jungen inmitten eines Waldes liegen. Alles um ihn herum ist schwarz. Selbst er besteht nur aus einer dunklen Silhouette. Die Bäume neben dem Knaben ragen über den Bildschirmrand hinaus und die Tiefe im Hintergrund erschafft ein Gefühl von Einsamkeit.

Ein wenig Licht erstrahlt stets hinter euch und bildet den weißen Kontrast zur Dunkelheit. Ein zauberhaftes Schattenspiel. Drückt ihr nun auf eine Taste, öffnet der Junge seine Augen. Sie stellen das einzige Licht am Körper dar und haben neben dem stilistischen Effekt auch einen spielerischen Nutzen. Sobald euch die Dunkelheit verschlingt, wisst ihr durch die Position der Augen immer, wo ihr euch gerade befindet. In der Regel erkennt ihr euch und eure Umgebung aber stets perfekt. Solltet ihr dennoch Probleme haben, lässt sich die Helligkeit in den Optionen umstellen.

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Licht und Schatten bilden die Grundlage des wunderschönes Stils.

Bereits während der ersten Schritte und Sprünge bemerkt ihr die tadellose Steuerung. Neben dem Bewegen der Figur per Analog-Stick gibt es nur einen Knopf zum Springen sowie eine weitere Taste zum Greifen. Trotz des simplen Button-Layouts bietet Limbo eine Vielzahl von Objekten, die alle den Gesetzen der Physik unterliegen. Dabei ist es erstaunlich, wie die abwechslungsreichen Rätsel euch vor immer neue Herausforderungen stellen, ohne den Frustpegel zu steigern.

Der Schwierigkeitsgrad beginnt auf einem niedrigen Niveau und steigert sich wie eine gerade Linie zum Ende hin nach oben. Braucht ihr zu Beginn nur eine Kiste vor einen Abgrund zu schieben, manipuliert ihr später den Wasserspiegel, die Gravitation oder bewegt euch sogar in einem sich ständig rotierenden Raum. Viel beeindruckender ist jedoch die Tatsache, dass kein Element repetitiv wird. Spätestens nach dem zweiten oder dritten Hindernis mit ähnlichen Objekten begegnet ihr wieder etwas völlig Neuem. Aufgrund der Gefahr, euch einige überraschende Hirnbrecher zu vermiesen, verzichte ich auf die Beschreibung, auch wenn ich überaus gerne von meinen Lieblingen erzählen möchte.

Limbo - Gameplay-Video

Dafür versuche ich, die Genialität dieser Aufgaben anhand eines frühen Beispiels zu erläutern, das sicherlich keinen erzürnen wird. Am Anfang des zweiten von insgesamt 24 Kapiteln erreicht ihr ein Wasserbecken, das ihr nicht überqueren könnt, da der Protagonist ertrinkt, sobald sein Kopf für mehr als einen Augenblick unter Wasser bleibt. Am Rand des Beckens liegt eine alte Kiste.

Natürlich denkt man zuerst daran, diese zu benutzen, um auf die andere Seite zu gelangen. So erging es zumindest mir und ich musste mich nach ein paar peinlichen Versuchen geschlagen geben. Dann entdeckte ich am letzten Rücksetzpunkt, die praktisch nie mehr als zwanzig Meter auseinander liegen, eine Liane direkt über mir. In diesem Moment machte es „Klick“ und ein breites Grinsen entfaltete sich auf meiner unteren Gesichtshälfte. Oft versucht euch Limbo wie in dieser Situation hereinzulegen, was nicht selten mit teilweise brutalen Toden endet.

Obwohl diese für mich zur Atmosphäre beitragen, gibt es sicherlich einige unter euch, die das Gezeigte ein wenig makaber finden. Die drastischen Darstellungen lassen sich auf Wunsch abschalten, wozu ich aber niemandem rate. So seltsam es auch klingen mag, gehören die Tode des kleinen Jungen zum Gesamtkonzept und verhelfen dem Titel zu seinem düsteren Ton.

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